„Nur Kunst kann das Leben verändern.“ – so sagte Joseph Beuys.

Nur eine nachhaltige Entwicklung kann Wirtschaften verändern. – Das glauben wir.

Und wir wissen, dass Kunst der älteste Motor für Veränderung, Quelle für Inspiration und Visionen, Echo und Spiegel in der Reflektion und Raum für Emotionen ist.

Was also kann entstehen, wenn Kunst Raum findet und in die Transformation hin zu Nachhaltigkeit einbezogen wird?

Kunst wandelt

Der Triple-Bottom-Line Ansatz wird als Leitbild nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung verstanden. Er ergänzt entsprechend der drei Nachhaltigkeitsdimensionen die unternehmerische Verantwortung um soziale und ökologische Aspekte.

Nachhaltigkeit darf dabei von Spezialisten verschiedener Disziplinen zunächst in unterschiedlichen Denkmustern verstanden werden. So werden Ingenieure vielleicht über technologische Lösungen spezifischer Herausforderungen nachdenken, während Betriebswirtschaftler sich auf ökonomische Systeme fokussieren und Politiker sozial-vertretbare Nachhaltigkeitskonzepte entwickeln.
Entscheidend ist die Synergie aller Aspekte. Nachhaltigkeit als Ganzes ist nur durch Zusammenwirken denkbar, dies ergibt sich bereits aus der Logik der Nachhaltigkeitsidee.

Und so hat auch die Kunst ihren Platz: Unsere Vernunft, Sprache, Zahlen, rationales Denken sind im Neokortex angesiedelt. Um Transformation zu ermöglichen braucht es jedoch mehr. Notwendig ist ein Wandel im Denken, Fühlen und Handeln der gesamten Menschheit. Ohne Musik, Poesie und Malerei, ohne Zugang zum Herzen wird dies nicht gelingen. Wir müssen Menschen im Stammhirn erreichen. Nur so werden wir sie bewegen. Nachhaltigkeit darf nicht nur gedacht werden, sie muss gefühlt werden und fühlbar gemacht werden. Dies können Kunst und Kultur.

Kunst wirkt

Bei Transformationsprozessen geht es insbesondere darum, eine durch Berührung verursachte Bewegung bei Menschen auszulösen. Transformationen sind menschengedacht und menschengemacht. Damit eine Bewegung entstehen kann, muss sich jede*r Einzelne bewegen.

Die Kunst als solche ist hierbei nicht nur ein „Bewusstmacher“. Kunstwerke darstellender, bildender, musikalischer und literarischer Gattung können durch künstlerischen Transfer Bewusstsein (awareness) schaffen für Themen, die unmittelbaren Handlungsbedarf erfordern. Dabei können kathartische Elemente zu Reflektion und Handlung aufrufen, aber auch komplexe Zusammenhänge anschaulich dargestellt werden.

Verschiedene Prinzipien künstlerischer Auseinandersetzung haben darüber hinaus Relevanz für Transformation und Transformatoren.

Innovation – Kunst als Erneuerer: Kunst lebt von Erneuerung und Wandel, Kreativität und Freiheit. Dies sind Faktoren, die auch in Transformationsprozessen von Organisationen und der gesamten Gesellschaft von Bedeutung sind. Es bedarf der Fähigkeit, Neues mit neuen Methoden zu denken und nicht die alten Formen für neue Inhalte einzusetzen.

Perspektive – Kunst als Spiegel und Echo: Kunst kann, darf und muss sich als Spiegel gesellschaftlicher Dispositionen verstehen und als solcher verstanden werden. Perspektivwechsel können dies beispielsweise leisten. Das Ziel ist das Aufbrechen bestehender Strukturen und Muster und die Möglichkeit der Neukonstruktion nach Disruption.

Spiel – Kunst als Freiraum: Die lustvolle, spielerische Auseinandersetzung mit Themen schafft nachhaltigere Ergebnisse. Das Spiel öffnet Türen und ermutigt zu großer Freiheit im Denken und Tun. Transformation muss Freude machen. Transformation hin zu Nachhaltigkeit ist kein Spielverderber, sondern macht ein komplett neues Spiel mit eigenen Regeln und Herausforderungen, mit eigener Dynamik und eigenem Spielziel auf.

Mut – Kunst schafft sichere Räume: Die Beschäftigung mit Transformation mit Hilfe künstlerischer Herangehensweisen kann Mitspieler ermutigen, freier zu denken und mutig den eigenen Tellerrand zu erweitern.

Kreativität – Kunst fordert und ernährt sich von Kreativität: Kreatives Denken birgt die Möglichkeit, neu und originär zu denken. Dabei gilt es, sich von Mustern und bestehenden Denkstrukturen zu befreien und sich zu erlauben, gedanklich neue Wege zu gehen.

Sprache – Kunst wird gehört und macht wertvolle Sprache notwendig: Wording, also der vorherrschende Sprachgebrauch, ist in vielen Organisationen geprägt von Branche und Produkt. Literatur und darstellende Kunst sind die Hüter der wertvollen Sprache und können hier beispielhaft gestaltend wirken.

Lust und Sinnlichkeit – Kunst ist mit allen Sinnen wahrnehmbar.

Kunst wirkt.

Theater als Transformationsbeispiel

Das Theater dient seit seinen Ursprüngen, den in Höhlenmalereien festgehaltenen Verkleidungsspielen zur Vor- und Nachbereitung der Jagd in der Steinzeit, nicht nur der Unterhaltung und Inspiration,
Theater hat einen darüber hinaus gehenden Auftrag: Bildung, Warnung, Reflektion, Vermittlung von Werten und Gesetzen, Transport von Nachrichten, Motivation zu bestimmten Handlungen.

Im Griechenland der Antike wurde das Theater als Führungsinstrument der Politik eingesetzt. Zuschauern wurde beispielsweise Verdienstausfall für den Besuch der Aufführungen bezahlt.

Wie aber gelingt die Wirkung von Theater? Warum bewegt ein Mensch mit den Worten „I have a dream!“ die ganze Welt zu Umdenken und Veränderung?

Im Theater findet immer eine Interaktion statt, eine Wechselwirkung zwischen Schauspieler*innen und Zuschauer*innen.
Durch Spiegelneuronen erleben die Zuschauer*innen das Geschehen auf der Bühne körperlich mit. Ihre Atmung passt sich an, Anspannungs- und Entspannungszustände werden mitempfunden. Dies bewirkt eine große Identifikation mit den dargestellten Inhalten.
Die Abstraktion von Geschehnissen und Inhalten, die sich laut Aristoteles nicht aus der Vernunft, sondern aus der Summe des sinnlich Erlebten und der sinnlichen Erfahrungen ableitet, ermöglicht eine originäre Sichtweise auf Informationen und Zusammenhänge und regt zum selbstständigen Denken an.

Emotionen bewirken Veränderung. Zuschauer*innen fühlen mit den Figuren auf der Bühne. Sie werden zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken animiert. Inhalte, Missstände und daraus resultierende notwendige Handlungsweisen entstehen aus dem Erlebten in den Zuschauer*innen selbst. Die Zuschauer*innen treffen berührt eigene Entscheidungen.
Das kollektive Erleben im Zuschauerraum generiert einen klaren Konsens oder einen leidenschaftlichen Dissens zwischen den Zuschauer*innen. Auch hier findet eine Interaktion statt.

Es entsteht so ein gemeinsamer Sog der Beteiligung, die eine Passivität nahezu unmöglich macht.
Emotionale Ereignisse und Geschichten verankern sich in unserem Gehirn viel einfacher und selbstverständlicher als reine Sachinformationen.
Um Menschen zu bewegen, müssen sie berührt werden. Emotionen und Berührung kommen im Wirksamkeitskanon bei Führungskräften bisher selten vor. Sie sind für Transformationsvorgänge aber von großer Bedeutung.

Nachhaltigkeit in Kunst- und Kulturbetrieben

Kunst selbst kann Transformation und somit Nachhaltigkeit bewirken.

Aber wie sieht es dort aus, wo institutionalisiert Kunst gemacht wird? In Kunst- und Kulturbetrieben wie Theatern, Museen oder Konzerthallen?

Schaut man sich die Vorgehensweise von Theaterschaffen an, finden sich interessante Ansätze. So ist zum Beispiel ein iteratives Vorgehen im Probenprozess gängige Praxis. Schnelle Sprints in Form von sechswöchiger Probenzeit, interdisziplinäre Teams, Scheitern als Prinzip und die Einbindung von Stakeholdern sind oft eine Selbstverständlichkeit.
Viele agile Arbeitsprinzipien wurden in Theatern schon gelebt, bevor Agiles Arbeiten und Scrum in wirtschaftlichen Kontexten relevant wurden.
Insofern finden sich weite Felder gegenseitiger Lernmöglichkeiten.

Dennoch stellt sich die Situation in vielen Kunst- und Kultureinrichtungen insgesamt nicht anders dar als in nicht kunstbezogenen Organisationen und Unternehmen. Oft existieren durchaus relevantes Wissen und gute Ideen zum Thema Nachhaltigkeit sowie Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Nachhaltigkeitsstrategie. Es fehlt jedoch meist an konkreten Ansätzen und Konzepten zur Entwicklung und Umsetzung.

Dabei bestehen mannigfache Notwendigkeiten, nachhaltiges Handeln zu implementieren.

Theater beispielsweise gründen auf Kurzlebigkeit, Abwechslung und Erneuerung. So werden Bühnen- und Kostümbilder mit viel Ressourcenaufwand für jedes Stück neu konzipiert, geplant und gebaut. Nach nur wenigen Vorstellungen werden diese entsorgt, oft nur in Teilen recycelt. Bei der Planung der Bühnenausstattung gibt es außer Budget- und Sicherheitseinschränkungen im Prinzip keine Vorgaben im Hinblick auf Materialität, Wiederverwendbarkeit und Umweltschonung. Dies entspricht in keiner Weise den Vorgaben ökonomischen und ökologischen Handelns.

Auch der Umgang mit menschlichen Ressourcen ist am Theater oft nicht „nachhaltig“. Arbeitszeitregelungen und nachhaltige Mitarbeiterkonzepte finden sich nicht immer. Dies ist beispielsweise bedingt durch häufige Leitungswechsel, die mit dem Austausch von Teilen des künstlerischen Personals einhergehen können. Der Aufbau einer nachhaltigen Existenz mit Planungssicherheit für Theaterschaffende wird so erschwert.
Kulturbetriebe argumentieren häufig mit der Freiheit der Kunst. Wenn Nachhaltigkeit ernst genommen werden soll, dann findet diese Freiheit analog zu Prinzipien anderer Organisationen oder Unternehmen, ihre Grenzen dort, wo sie destruktiv wirkt.

Kunst- und Kultureinrichtungen sehen sich also insgesamt mit Herausforderungen konfrontiert, die denen anderen Organisationen, Institutionen und Unternehmen ähneln.

Um sich dem Ziel Nachhaltigkeit zu nähern, ist eine schrittweise Vorgehensweise zu empfehlen. Auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene Workshops mit allen Stakeholdern zu Themen Nachhaltigkeitsbegriff und Nachhaltigkeitsverständnis, ein Status Quo – Nachhaltigkeitscheck, die Entwicklung einer Vision (nachhaltiger Kulturbetrieb), die Definition von möglichen Handlungsfeldern und Ziele sowie die Festlegung eines Core-Team, sind wichtige erste Schritte.
Anschließend können Schulungen des Core-Teams in Nachhaltigkeitsthemen, die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie und einer Transformationsstory sowie eines Kommunikationskonzeptes folgen.

Organisationskultur und Management von Transformation

In Prozessen der Transformation und des Wandels ist die Veränderung der Organisationskultur oft notwendige Voraussetzung.

Der Begriff Organisationskultur wird unterschiedlich verwendet und divers beschrieben. Wir verstehen Organisationskultur als ein gelebtes Konglomerat der Werte, Normen, der verwendeten Sprache, der adaptierten Spielregeln, der Umgangsformen, der Motivation, des Kommunikationsverständnisses und der Definition der Fehlerkultur eines jeden einzelnen Organisationsmitgliedes.

Eine kulturelle Veränderung kann somit nicht bestimmt werden, sondern muss bei jedem einzelnen Organisationsmitglied motiviert und implementiert werden. Dies ist Aufgabe und Herausforderung für Multiplikatoren wie Führungskräfte und hierarchieunabhängige Leitfiguren in Organisationen.

Um den Begriff Kultur adäquat zu verwenden, muss eine Kultivierung, eine Urbarmachung stattfinden. Findet diese nicht statt, sprechen wir von der Natur einer Organisation, also den ihr innewohnenden ursprünglichen Eigenschaften. Kultivierung von Organisationen kann auf vielfältige Wiese geschehen. Eine Markenpositionierung zur Definition des Markenkerns kann eine Kultivierung sein, aber auch beispielsweise Personalentwicklungsmaßnahmen zu den sogenannten Soft-Skills oder die Entwicklung einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie.

Wie aber gelingt die Transformation, wie wird die jeweilige Organisationsnatur kultiviert?
Ein Transformator in der Elektrotechnik wandelt große Spannungen in nutzbare kleinere Spannungen um. Transformation ist Wandel und Verwandlung. Verwandlung ist jedoch in Unternehmen ohne Beteiligung des Menschen mit Hirn und Herz unmöglich. Ängste und Ablehnung, Misstrauen und Destruktivität werden den Verwandlungsprozess be- und verhindern, wenn Menschen nicht mitgenommen werden.
Dies ist neben Fachwissen eine der zentralen Aufgaben von Managern der Verwandlung. Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Manager kommt aus dem Theater des 19. Jahrhunderts, wo der Manager der Regisseur oder Leiter einer Bühne war. Das Wort stammt aus dem lateinischen manus – Hand. Es geht also beim Managen um Handlung, um Berührung und Bewegung. Es geht um die Kunst, Verwandlung zu begleiten und die beteiligten Menschen bei der Hand zu nehmen.

Es geht um das kunstvolle Managen der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Home oeconomicus und homo aestheticus

Kunstinstitutionen stehen vor der Herausforderung, nachhaltige Transformation umzusetzen. Künstlerische Prozesse und Herangehensweisen an sich – also Kunst im eigentlichen Sinne – können für den Transformationsprozess, insbesondere auch außerhalb dieser Institutionen, von Nutzen sein. Als wertvoller Aspekt kann und muss Kunst in den Triple-Bottom-Ansatz eingebunden werden.
Aber wie genau kann das gehen?

Der „homo oeconomicus“ entscheidet und handelt ausschließlich vernünftig und zwar so, dass er selbst den größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen hat. Menschen treffen aber nicht nur rational-ökonomische Entscheidungen, sondern handeln häufig irrational, emotional und impulsiv. Diese Aspekte spiegeln den Charakter des „homo aestheticus“ in uns.

Ästhetik im weiteren Sinne ist nicht nur die Lehre von der Schönheit und Harmonie in der Wahrnehmung von Kunst und Natur, sondern vielmehr auf die wörtliche Übersetzung aus dem Altgriechischen (aesthesis: sinnliche Wahrnehmung) gegründete Theorie der sinnlichen Erkenntnis.
Leidenschaft, Triebe, Begierden und Lust sind Quellen der Sinnlichkeit.

Der homo aestheticus und der homo oeconomicus stellen jedoch keine Gegensätze dar. Wir müssen beide bedienen, damit wir zur nachhaltigen Transformation motivieren und bewegen.

Es wird künftig um die bewusste Auseinandersetzung mit der Verbindung von Emotio und Ratio, Kunst und Wirtschaft, Mensch und Maschine, Berührung und Technik gehen. Auch hier darf es kein trade-off-Denken geben.

Und zwar im Dreischritt „Fühlen – Denken – Tun“, für eine wirksame, kunstvolle Unternehmenstransformation.

Wenn wir Beuys so verstehen, dass es stets eine emotionale Annäherung braucht, um Veränderung, um Transformation, zu schaffen, dann hatte er wohl mit seinem Zitat nicht ganz Unrecht.
Transformation lebt also immer auch von Emotionen, Berührung, Visionen.
Und vom Tun.

Die erste Nürnberger SustaiNable Conference im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals zum Thema Nachhaltigkeit war ein Feuerwerk an Impulsen! Und uns kribbelt es in den Fingern!

„Vom Hirn ins Herz und in die Hände“ so lautete der Spirit der Veranstaltung. Unglaubliche 3.000 Stunden Content zu Wirtschaft, Digitalem & Technologie, Konsum, Umwelt & Klima, Sozialem & Kultur und rund 250 Besucher haben das offene Mitmachfestival für alle – Laien und Experten – virtuell und analog mit Leben gefüllt.
Ideengebende Vorträge, bereichernde Diskussionen und kulturelle Highlights haben den 16. und 17.07.2021 zu einem Wochenende der Nachhaltigkeit gemacht. Im Raum stand die zukunftsweisende Frage, welchen Beitrag Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit leisten können.

Wir sind stolz und dankbar, dass wir als Mitorganisator, Sponsor und Speaker mitgestalten durften und der Anspruch an die Conference zu „Informieren, diskutieren, aktivieren” weit übertroffen wurde. Was eigentlich längst bekannt ist, ist spürbar geworden: Nachhaltigkeit lebt davon, weit geteilt zu werden, lebt von Gemeinschaft, lebt von globalem Denken und lokalem Handeln.
Spürbar war aber auch, dass Nachhaltigkeit nur dann leben kann, wenn endlich alle, wir alle, gemeinsam ins Tun kommen. Das Gefühl kribbelnder Finger und Hände, die eine enkeltaugliche Zukunft gestalten wollen, eint die Teilnehmenden der Conference.

Die Conference hat bestätigt: Viele Hände sind und werden in Zukunft nötig sein. Denn die aktuelle Forschung meint, das internationale Klimaziel, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, wahrscheinlich nicht erreicht wird.
Mehr noch, unter anderem das Permafrost entpuppt sich als tickende Zeitbombe. Berechnungen gehen davon aus, dass in weniger als 7 Jahren mit dem Auftauen des Permafrostbodens unter Freisetzung von Methan und CO2 zu rechnen ist. Wird dieser Kipppunkt im Klimasystem tatsächlich erreicht, droht eine Kaskade und das Klima wird unkontrollierbar und irreversibel in ein Warmklima überführt.

Trotz dieser ernüchternden Aussichten hat die Nürnberger SustaiNable Conference Hoffnung entfacht und richtungsweisende Ideen aufzeigt.

Klar ist geworden, dass jede*r Verantwortung übernehmen und vom Wissen ins Handeln kommen muss. Eigenes Handeln, also Alltagsentscheidungen aber auch grundsätzliche Lebensausrichtungen, sollten immer wieder hinterfragt werden, vor allem auch im Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Menschen in den Ländern des globalen Südens.

Die Conference hat auch die Bedeutung starker Partnerschaften, ganz im Sinne des 17. Nachhaltigkeitsziels, aufgezeigt. In Anbetracht der knappen Zeit sind Netzwerke und Plattformen auf allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen zum Austausch, als Mittel zur Information und Bildung und zur Stärkung von Resilienz unerlässlich. Auf lokaler Ebene spielen dabei solidarische Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Aber auch digitale Innovationen, wie zum Beispiel spezifische Applikationen, haben erhebliche Bedeutung, denn sie schaffen Bewusstsein, neue Narrative oder auch Nachvollziehbarkeit und fördern so Engagement, Beteiligung und sogar Inklusion. Auch Bildungseinrichtungen, Universitäten und Institute spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Weitergabe von Wissen geht und um Forschung. Nur wenn diese Erkenntnisse auch in der Praxis ankommen, ist der Welt geholfen.

Die Bedeutung von Digitalisierung, oft auch als Megatrend beschrieben, wurde auch anhand von Virtual- und Augemented Reality Beispielen deutlich. Als Mittel der Nachhaltigkeitskommunikation schaffen diese mehr Transparenz bei Lieferketten oder machen Wertschöpfungketten sichtbar. Andere digitale Tools ermöglichen beispielsweise sog. smart homes, die nicht nur den Alltag erleichtern, sondern auch zu mehr Energieeffizienz beitragen.
Integrative Lösungen, die unterschiedliche Themenfelder verknüpfen, bedarf es, so hat die Conference gezeigt, vor allem auch im Bereich Wirtschaften. Voraussetzung dafür sind neues Denken und Handeln.
Um diese Zukunftskompetenzen zu schaffen, ist eine sozial-ökonomische Transformation notwendig, die beim Bewusstsein ansetzt und Gemeinwohlgedanken einbindet.
Und zwar in allen Bereichen, die wirtschaftlichen Bezüge aufweisen: Es bedarf einer Neuausrichtung der wissenschaftlichen Lehre zu wirtschaftlichen Themen. Auf Bildungs- und Ausbildungsebene gilt dies ebenso. Außerschulische Lernorte können helfen, nachhaltigkeitsbezogenes Wissen besser zu vermitteln, so dass nachkommende Generationen die Fähigkeit erlangen, auf Basis eines fundierten Nachhaltigkeitsverständnisses in Gemeinschaften zu wirken.
Dies meint konkret: Nachhaltigkeit einbringen in Kommunikation, Unternehmenskultur und Leadership auf Unternehmensebene. Es braucht ernsthafte und glaubwürdige Vorbilder, die Begeisterung schaffen und inspirieren. Es braucht neue Definitionen von Wohlstand und Erfolg.

Und gemeint ist auch: Kleine Betriebe und Handwerker zu Profiteuren der Energiewende machen. Nachhaltige Nutzung von Ressourcen, regionale Lieferketten und die Beachtung von Tierwohl liegt in der DNA von Handwerk. Kulturgut und Techniken müssen neu erweckt und bewahrt werden, um lebenswerte wirtschaftlich nachhaltige und attraktive Regionen zu schaffen.
Und: Wirtschaften muss auf neue Bedürfnisse ausgerichtet werden, so dass sich Konsumdenken- und Verhalten wegbewegt von ewigem Wachstum und Wegwerf-Mentalität, Nachhaltigkeit nicht mehr als Verzicht begriffen wird, sondern Qualität statt Quantität zählt und Gemeinwohl in den Mittelpunkt gerückt wird.

Auch der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit hatte einen großen Raum in der Conference. Ehrenamtliches Engagement als einer der Schlüssel zur Umsetzung von Projekten, Inklusion eine der Antworten, was in jeder nachhaltigen Organisation mitbetrachtet werden muss. Selbstreflektion und Ehrlichkeit sind Voraussetzung zu sozialem Miteinander auf allen Ebenen.

Überdies wurde auch die Rolle der Kulturschaffenden betrachtet: Kultur kann und möchte Antworten liefern, zum Umdenken anregen, neue Interessengruppen erschließen, Teil der Lösung sein. Und kann als Vorbild dienen, wenn sich zum Beispiel ein Orchester aus einer Eigeninitiative heraus selbst klimaneutral stellt und eine Reihe von Nachhaltigkeitskonzerten mit Partnern aus dem Umweltschutz entwickelt.

Die Nürnberger SustaiNable Conference: Ein Feuerwerk an Ideen, Inspirationen, Impulsen. Eine starke Gemeinschaft und viele Hände für eine gute Zukunft.

Wir danken allen Sessiongebern, dem Organisationsteam und dem Nürnberg Digital Festival
für die grossartige Unterstützung und sagen: Bis zum nächsten Jahr!

Nachhaltigkeit betrifft uns alle. Nachhaltigkeit hat Auswirkungen auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche und somit Bedeutung für Individuen, Gemeinschaften, Staaten, Politik, Umwelt, Wirtschaft und viele mehr.

Wir finden Nachhaltigkeit daher auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens, über Grenzen hinaus. Doch haben wir immer dasselbe Verständnis von den Begrifflichkeiten?

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sind viele Begriffe und Bezeichnungen entstanden. Oft haben diese auch internationale Bezüge, da sie aus internationalen Diskursen oder Prozessen hervorgegangen sind.
Viele der Nachhaltigkeitsbegriffe und Nachhaltigkeitsbezeichnungen werden häufig als Abkürzungen verwendet. Dies hat allerdings den Nachteil, dass mitunter nicht ganz verständlich ist welche genaue Bedeutung eigentlich hinter den Abkürzungen steckt.

Um Klarheit zu schaffen und die Komplexität des Themas Nachhaltigkeit etwas aufzulösen, stellen wir in diesem Beitrag die wichtigsten Abkürzungen vor und erläutern kurz ihre Bedeutung.

Da Nachhaltigkeit lebendig und dynamisch ist, werden wir in Zukunft stetig weitere Begriffe ergänzen und für unsere Leser:innen aufbereiten.

You know I know – UNO INO.

UNO INO Abkürzungsverzeichnis

CC = Corporate Citizenship
CC ist als unternehmerisches Bürgerengagement in und von Unternehmen zu verstehen. Unternehmen setzen sich über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus beispielsweise durch Know-How-Transfer, Sponsoring oder Stiftungsaktivitäten gemeinützig für gesellschaftliche oder auch ökologische Belange ein. CC dient daher dem Wohl der Gemeinschaft, wird aber in der Regel auch zur Imagepflege von Unternehmen genutzt.

CG = Corporate Governance
CG meint die rechtlichen (z. B. Gesetze, Normen, Standards) und faktischen Regeln und Verfahren, nach denen ein Unternehmen betrieben und geführt wird. CG bezieht sich auf interne (z. B. Angestellte) und externe Faktoren (z. B. Kunden, Partner, Märkte). Ziel der CG ist eine gute und ordentliche Unternehmensführung, um z. B. interne Prozesse zu optimieren und/oder am Markt wettbewerbsfähig zu agieren.

CR = Corporate Responsibility
CR (bedeutet Unternehmensverantwortung. Verantwortung bezieht sich auf die Auswirkungen unternehmerischen Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen auf Gesellschaft, Umwelt, Mitarbeiter oder auch Partner. CR drückt sich z. B. in der Philosophie eines Unternehmens, guter Unternehmensführung, ethischem Verhalten, nachhaltigem Wirtschaften und Transparenz aus. Die Begriffe CSR und CR werden weitgehend synonym verwendet, dabei wird CR weiter gefasst. Denn CR beinhaltet CSR, CG und CC

CS = Corporate Sustainability
CS meint nachhaltige Unternehmensführung. CS bezieht sich im Sinne der drei Nachhaltigkeitsdimensionen auf die ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung von Unternehmen. CS ist daher die Umsetzung eines nachhaltigen Wirtschaftskonzepts in sämtlichen Bereichen und Prozessen eines Unternehmens.

COP = Conference of the Parties
COP meint die offizielle UN-Klimakonferenz. Die COP findet jährlich mit allen Vertragsstaaten, also den Staaten, welche die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) unterzeichnet haben, statt. Sie dient dazu, Klimaschutzverhandlungen auf Basis der UNFCCC zu führen und so die Umsetzung der UNFCCC voranzubringen.

CO2 = Kohlenstoffdioxid
CO2 ist eine chemische Summenformel, die für das aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehende Gas Kohlenstoffdioxid steht. CO2 ist ein wichtiger Bestandteil der Atmosphäre.
Kohlenstoffdioxid ist ein Treibhausgas.
Durch extreme CO2-Emissionen, z. B. aufgrund von nicht-nachhaltiger Energie- oder Lebensmittelproduktion, ist die Konzentration in der Atmosphäre erheblich gestiegen und trägt so wesentlich zum Klimawandel bei.

CSR = Corporate Social Responsibility
CSR (bedeutet unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. CSR meint den Beitrag von Unternehmen (z. B. Geschäftsprozesse, Produkte) im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung, der über gesetzliche Anforderungen hinausgeht.
CSR wird immer mehr als ganzheitliches Unternehmenskonzept definiert, welches die drei Nachhaltigkeitsdimensionen – Ökologisch, Soziales und Ökonomisches – betrachtet und berücksichtigt.

CSRD = Corporate Sustainability Reporting Directive
CSRD meint den im April 2021 durch die Europäische Kommission vorgelegten Richtlinienvorschlag zur Änderung der (nicht-finanzbezogenen) Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2023. Der Vorschlag erweitert den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen und sieht Berichtsinhalte wie z. B. Umweltziele des Unternehmens, gesellschaftliche Aspekte und Governance-Aspekte vor. Des Weiteren wird durch den Begriff Sustainability im Richtlinienvorschlag die Bedeutung und der Fokus auf die Nachhaltigkeit von allen Stakeholdern steigen.

CSR-RUG = CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz
CSR-RUG übersetzt die Europäische CSR-Richtlinie ins deutsche Recht. Das CSR-RUG verankert im deutschen Handelsgesetzbuch eine Erweiterung der CSR-Berichtspflichten für bestimmte große am Kapitalmarkt tätige Unternehmen, Banken und Versicherungen. Diese müssen verstärkt nicht finanzielle Aspekte zu Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelangen, der Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung darstellen. Ziel ist insbesondere die Schaffung von mehr Transparenz.

DNK = Deutscher Nachhaltigkeitskodex
Der DNK ist ein auf Freiwilligkeit basierender, branchenunabhängiger und international anerkannter Standard für private und öffentliche Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Rechtsform zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung. Der DNK wurde vom Rat für nachhaltige Entwicklung nach Beteiligung der relevanten Interessengruppen entwickelt. Der DNK umfasst die vier Bereiche Strategie (z. B. Ziele des Unternehmens), Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft (z. B. Arbeitnehmerrechte).

DNS = Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
Die von der Bundesregierung erstellte DNS orientiert sich seit 2016 an der Umsetzung der SDGs auf nationaler Ebene. Sie basiert auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis entsprechend der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Sie dient als praktische Orientierung für Politik und Gesellschaft und benennt im Sinne eines Nachhaltigkeitsmanagementsystem beispielsweise konkrete Ziele mit Zeitrahmen, Indikatoren und Steuerungsmechanismen.

ESG = Environment, Social, Governance
ESG bedeutet Umwelt, Soziales, Unternehmensführung und bezieht sich auf die drei Verantwortungsbereiche von Unternehmen, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen. ESG bzw. die daraus entwickelten ESG-Kriterien werden genutzt, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen oder Gesellschaft zu bewerten und zu messen. Insbesondere in der Finanzbranche, vor allem im Bereich Investment, werden diese Kriterien auch in verschiedenen Nachhaltigkeitsratings, z. B. bei nachhaltigen Finanzdienstleistungen genutzt.

FSC = Forest Stewardship Council
FSC steht für eine internationale Organisation, die ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft entwickelt hat. Im FSC-Zertifizierungssystem werden Waldzertifikate und Produktkettenzertifikate vergeben.

GRI = Global Reporting Initiative
GRI (Global Reporting Initiative) meint eine gemeinnützige Multi-Stakeholder-Stiftung (NGO), die u.a. vom UNEP mitbegründet wurde. Sie hat global verpflichtende Richtlinien zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen, Regierungen und NGOs entwickelt (GRI-Standards). Die Richtlinien sollen im Hinblick auf CSR-Aktivitäten Transparenz schaffen, Standardisierung fördern und die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsberichten ermöglichen.

GHG = Greenhouse Gas
GHG bedeutet Treibhausgas (THG). GHG sind gasförmige Bestandteile der Atmosphäre der Erde, welche Einfluss auf die Energiebilanz der Erde haben und so den Treibhauseffekt bewirken. Zu den GHG gehören Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und verschiedene fluorierte Treibhausgase (F-Gase). CO2 gilt als eines der gefährlichsten GHG.

NFRD = Non- Financial Reporting Directive
NFRD steht für die EU-Richtlinie 2014/95, welche die Berichterstattung zu nicht-finanziellen Informationen für bestimmte Unternehmen regelt.
Die NFRD soll als Maßnahme aus dem European Green Deal durch die CSRD überarbeitet werden und europaweit harmonisierte und vergleichbare Nachhaltigkeitsberichte schaffen. Nichtfinanzielle Informationen sollen den gleichen Stellenwert erhalten wie Finanzinformationen. Zudem ist eine deutliche Ausweitung des Kreises berichtspflichtiger Unternehmen vorgesehen.

NGO = Non-Governmental Organization
NGO bedeutet Nichtregierungsorganisationen (NRO). NGOs sind nichtstaatliche, unabhängige, international oder national ausgerichtet Organisationen, die sich ohne Gewinnerzielungsabsicht in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Lebens für bestimmte Zwecke einsetzen. Themenfelder von NGOs sind beispielsweise Menschenrechte, Entwicklungspolitik, Umwelt- und Sozialstandards, Korruptionsbekämpfung, Klimawandel oder auch Migration.
NGOs sind auch für den politischen und gesellschaftlichen Diskurs bedeutend, da sie oft wichtige Aufklärungsarbeit leisten, Informationen aufbereiten und als Interessvertreter teilweise auch an politischen Verhandlungen teilnehmen.

PRB = Principles for Responsible Banking
PRB steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Bereich des Bankwesens („Verantwortungsbewusstes Banking“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwillig umgesetzt und besagen u.a., dass sich die Geschäftstätigkeiten der Unternehmen an den Zielen der SDGs und des Pariser Klimaabkommen ausrichten sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

PRI = Principles for Responsible Investment
PRI steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Investmentbereich („Verantwortliches Investieren“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwillig umgesetzt und besagen u.a., dass die ESG-Kriterien im Unternehmen verankert werden sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

PSI = Principles for Sustainable Insurance
PSI (steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Bereich der Versicherungswirtschaft („Nachhaltiges Versichern“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwilligen umgesetzt und besagen u.a., dass die ESG-Kriterien im Unternehmen und den Produkten verankert werden sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

SBT = Science Based Targets
SBT steht für einen, von der Science-Based Targets Initiative (SBTi) entwickelten Ansatz, Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für Unternehmen auf wissenschaftlicher Grundlage zu berechnen („wissenschaftlich basierte Ziele“). Die Ziele werden nicht wie bisher „potential based“ festgelegt, sondern konzentrieren sich an den globalen Klimazielen, d. h. der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C. Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden der SBTs (Kontraktion, Kompression und Konvergenz).

SDGs = Sustainable Development Goals
SDGs (steht für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, auch Agenda 2030 genannt. Die universell gültigen Nachhaltigkeitsziele bestehen aus 17 Zielen und 169 Unterzielen (targets), die bis 2030 weltweit umgesetzt werden sollen und einer nachhaltigen Entwicklung dienen. Die SDGs basieren auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis und berücksichtigen ökonomische, soziale und ökologische Faktoren gleichwertig. Armut beenden, Ungleichheit bekämpfen und dem Klimawandel entgegenzuwirken, nachhaltige Städte, nachhaltige Konsum und nachhaltige Produktion sind einige der SDGs.

TCFD = Task Force on Climate related Financial Disclosure
TCFD steht für die 1995 vom Finanzstabilitätsrat gestartete Initiative zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte. Die TCFD setzt sich aus Branchenexperten der G20-Staaten zusammen. Sie gibt Orientierungshilfe und Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare Unternehmensberichterstattung in Bezug auf klimabezogene finanzielle Chancen und Risiken, welche entscheidungsrelevante Informationen für Kreditgeber, Versicherer und Investoren darstellen.

UNEP = United Nation Environment Program
UNEP (steht für das 1972 gegründete Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Das UNEP koordiniert entsprechend seines Mandats die Umweltaktivitäten der Vereinten Nationen und hat damit die führende Rolle im globalen Umweltschutz. Es erstellt u. a. Statusberichte und entwickelt Instrumente für den globalen Umwelt- und Klimaschutz.

UNEP FI = United Nation Environment – Finance Initiative
UNEP FI (steht für die seit 1992 bestehende Finanz-Initiative des UNEP. UNEP FI ist eine globale Partnerschaft zwischem dem UNEP und dem privaten Finanzsektor. UNEP FI hat weltweit gültige Nachhaltigkeitsgrundsätze auf freiwilliger Basis für die Bank-, Versicherungs- und Investmentwirtschaft vereinbart: Principles for responsible banking (PRB), Principles for Sustainable Insurance (PSI) und Principles for Responsible Investment (PRI).

UNFCCC = United Nations Framework Convention on Climate Change
UNFCCC steht für die 1994 in Kraft getretene internationale, multilaterale Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Hauptziel ist es, eine anthropogene (durch den Menschen bedingte) gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern. Die Treibhausgaskonzentration soll so stabilisiert werden, dass sich Ökosysteme erholen und so die Nahrungsmittelproduktion und nachhaltiges ökonomisches Wachstum gesichert werden kann.

UNGC = United Nations Global Compact
UNGC steht für eine internationale Initiative der Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft („globaler Pakt“) für inklusive und nachhaltige Unternehmensführung. UNGC versteht sich als Austauschforum, das Veränderungsprozesse anstößt und so zur Umsetzung der 10 UNGC-Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention beiträgt.

USGBC = U.S. Green Building Council
USGBC steht für eine internationale NGO, die sich für nachhaltige Energiekonzepte beim Design, Bau und Betrieb von Bauwerken einsetzt.
USGBC hat die internationale Nachhaltigkeitszertifizierung LEED (System Leadership in Energy and Environmental Design) für den Bausektor entwickelt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist mehr als ein Buzzwort, es lädt Unternehmer*innen ein, Wirtschaft und Wirtschaften neu zu denken und neu zu machen. Weg von einer reinen Gewinnmaximierung hin zu mehr gesundem und ethischem Wirtschaften zum Wohl aller, weg von reinen Aktionärsinteressen hin zu mehr Gemeinwohl und mehr Commoning.

Viele Interessengruppen im Unternehmen und im Unternehmensumfeld sind heute mit der Art und Weise, wie diese wirtschaften, nicht mehr einverstanden.

Vieles ist in Unternehmen historisch gewachsen, ohne dass es heute noch Sinn macht oder in die Zeit passt. Veränderung wird per se als Herausforderung und schwer empfunden. Es fehlen Ideen und der Mut, neue Wege zu gehen.

Die Unternehmer*innen, die auf Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktor setzen, werden perspektivisch Wettbewerbsvorteile haben und sich durchsetzen. Hierbei ist es wesentlich die Mitarbeiter*innen und die Unternehmenskultur im Blick zu haben und die eigenen Werte, die eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten weiter zu kultivieren.

Potenzial in den Unternehmen groß – Bedeutung erkannt, Umsetzung noch zögerlich

Das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Unternehmenstransformation ist in den Organisationen und der Gesellschaft angekommen. Aktuell mangelt es noch an konsequenter Umsetzung in der breiten Unternehmenslandschaft. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, wann und mit welchem Ambitionsniveau die Umsetzung in den Unternehmen starten wird.

Bisher ist die konsequente Ausrichtung des eigenen Kerngeschäfts in Richtung Nachhaltigkeit noch zögerlich. Dies zeigt auch die aktuelle Studie „Zum Stand des nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland“.

Kerninhalte der Studie sind (direkt aus der Studie zitiert):

Nachhaltigkeit braucht Woller und Wollerinnen

Die meisten Unternehmen und Organisationen haben verstanden: Nahezu alle globalen Probleme wie der Klimawandel, das Artensterben und eine Vielzahl weiterer Probleme sind von Menschenhand gemacht.

Es geht also nicht mehr um das WARUM. Das Warum ist klar, Menschen wollen ihre eigenen Lebensgrundlagen nicht weiter gefährden und haben aufgrund der dramatischen Auswirkungen des Klimawandels verstanden, dass ein „Weiter“ so nicht möglich ist.

Es geht um das WIE!

Wie können wir weiteren Schaden verhindern? Wie können wir Umweltschutz und Profit zusammen denken? Wie kann ich als Unternehmen meiner Rollen in der Gesellschaft gerecht werden?

Es sind die Woller*innen, die den Unterschied machen – das sind Menschen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen, Menschen, die sich für Umwelt, Gesellschaft, Unternehmen und deren positive Zukunft engagieren.

Das sind Unternehmenslenker*innen, Produktionsleiter*innnen, Produktchef*innen, Personalmitarbeiter*innen usw., die in ihre eigenen Bereiche nachhaltiger aufstellen wollen. Das sind Kolleg*innen aus den Querschnittsbereichen Betriebsorganisation und Vertrieb und das sind natürlich die Nachhaltigkeitsbeauftragten.

Nachhaltigkeit hat das Potential jegliches Widerspruchsdenken zu überwinden: Profit und Umwelt werden nicht weiter als Gegensätze gelebt, Umweltaspekte werden eine immer stärkere Bedeutung bei allen wirtschaftlichen Aktivitäten haben – wenn nicht aus Überzeugung wird hier auch die Regulatorik „zuschlagen“. Gesetzgebungen wie die Transparenzverordnung oder die Taxonomie zwingen Unternehmen schon heute Umweltaspekte verstärkt zu berücksichtigen.

Jeder hat seinen Königsweg – Hauptsache starten und im Machen lernen

Die Kunst ist sich vom Thema Nachhaltigkeit – von seiner Mächtigkeit – nicht erschlagen zu lassen und es auch zu entmystifizieren: Was heißt Nachhaltigkeit für unsere Organisation? Wo können wir uns ökologisch, ökonomisch und sozial besser aufstellen? Was sind die wesentlichen Handlungsfelder? Verändert sich unser Kerngeschäft? Wo haben wir die größten Hebel? Bei unserem Gebäude? Im Einkauf? Unsere Lieferkette?

Ein guter erster Schritt ist, sich die richtigen Fragen zu stellen. Und aus einer Outside-In Perspektive zu beurteilen, ob das eigene Handeln für einen Dritten als glaubhaft empfunden wird.

Jeder kann Nachhaltigkeit und jeder kann das in seinem eigenen Verantwortungsbereich umsetzen – zumindest alle, die Wirtschaft zukunftsorientiert denken wollen.

Nachhaltigkeit zu leben heißt auch lebenslanges Lernen – der Dschungel lichtet sich

Die Vielzahl der Neuerungen bei den regulatorischen Vorgaben ist erschlagend. Wer kennt schon alle Nachhaltigkeitsziele der UN? Wer kennt die ganzen Abkürzungen? ESG, PRI, GRI usw. Wer kennt die Gesetzestexte der CSRD und Taxonomie, Initiativen und Vorhaben? Wer weiß, wann was gültig ist? Und ob das für das eigene Unternehmen greift? Der Dschungel ist dicht, lichtet sich aber, indem sich immer mehr Menschen in ihrem Alltag mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.

Genauso wie das Wissen zum Thema Digitalisierung in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wird es beim Thema Nachhaltigkeit sein. Wir lernen täglich dazu, wie wir uns nachhaltiger aufstellen können.

Zweiter Teil: Zukunftsfähiges Wirtschaften – Konzepte aus der Praxis

Nachhaltigkeit zu verstehen, ist essentiell für zukunftsfähiges Wirtschaften. Nachhaltigkeit praxistauglich zu verankern, erfordert aber einiges mehr: Fachwissen, Werkzeuge und vor allem Haltung.
Im Folgenden sollen das spezifische Nachhaltigkeitsverständnis von UNO INO und bewährte Konzepte für nachhaltige Transformation näher beleuchtet werden.

Verantwortung leben – Enkeltauglichkeit und Generationengerechtigkeit

Der deutsche “Rat für nachhaltige Entwicklung“ hat 2011 festgestellt, dass „zukunftsfähig Wirtschaften bedeutet, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen müssen.” – UNO INO wird getragen von diesem Gedanken der „Enkeltauglichkeit”.

Das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich bestätigt, dass die Verantwortung der aktuellen Generation von dieser wahrgenommen werden muss und nicht auf zukünftige Generationen abgeladen werden darf. – Wir von UNO INO sehen uns aus Überzeugung in der Verantwortung, generationengerecht zu handeln. Nachhaltigkeit wird als Haltungsprinzip verstanden und als Handlungsprinzip umgesetzt.

Gegensatzdenken auflösen – zukunftsfähig machen

UNO INO berät Unternehmen und Organisationen zu nachhaltiger Transformation aus der Überzeugung, dass Wirtschaften nur dann zukunftsfähig und langfristig erfolgreich sein kann, wenn es nachhaltig erfolgt.
Wichtiges Element der ganzheitlichen Beratung ist das Auflösen des Gegensatzdenkens, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sich ausschließen. Vielmehr wird Unternehmen demonstriert, dass nachhaltiges Handeln Mehrwert auf allen Ebenen schafft.
Dieser Mehrwert entsteht durch den Ausgleich der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie (Environment), Soziales (Social) und Ökonomie im Sinne von verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance).
Mehr noch: Nachhaltigkeit wird als Pluszeichen verstanden. Das bedeutet, dass auch zunächst gegensätzliche Themen wie Umweltschutz und Profit, Regulatorik und Purpose sowie Digitalisierung und Nachhaltigkeit innovativ verbunden und Unternehmen so zukunftsfähig gemacht werden.
Nachhaltigkeit wird dabei so verstanden, dass Dinge nicht zwingend neu gemacht werden müssen. Im Gegenteil, Nachhaltigkeit in der Praxis kann auch bedeuten, dass Sachen zukünftig weggelassen werden.

Frau sitzt in Baumgruppe und schaut nach oben

Nachhaltigkeit – Mehrwert für Unternehmen

Um den konkreten Mehrwert für ein Unternehmen zu verdeutlichen, möchten wir hier Beispiele aus der Praxis geben:
Vielen jungen Menschen sind Themen wie Nachhaltigkeit und Purpose mittlerweile sehr wichtig. Als nachhaltig agierendes Unternehmen bestehen daher gute Chancen, langfristig motivierte und engagierte Mitarbeiter zu finden. Beispielsweise tragen aber auch ein gesteigertes Wohlbefinden der Mitarbeiter durch verbesserte Arbeitsbedingungen oder faire Bezahlung zu einem guten Arbeitsklima und so zu mehr Zufriedenheit und Produktivität insgesamt bei.

Nachhaltigkeitsberichte schaffen Transparenz und somit mehr Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Partnern aber auch Mitarbeitern. Gleichzeitig bieten sie die Chance, Wachstumsmärkte für die Zukunft zu erkennen.
In finanzieller Hinsicht lohnt sich langfristig z. B. ein nachhaltiges Wasser- sowie Energiemanagement, da so Kosten erheblich gesenkt werden können.

Nachhaltigkeit – im Kern verankern

Der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hatte Unternehmen dazu aufgerufen, im Rahmen ihres Kerngeschäfts einen Beitrag zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zu leisten.
Wir von UNO INO gehen einen Schritt weiter und richten Unternehmen darauf aus, Nachhaltigkeit nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch in den Kernwerten zu verankern. Die Verankerung kann nur erfolgreich sein, wenn alle wichtigen Interessengruppen (zum Beispiel Management, Mitarbeiter) dauerhaft einbezogen werden.
Als praxisnahe Methoden bieten sich dafür beispielsweise die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie an. Kommunikation, die faktisch und verständlich gestaltet ist, schafft in diesem Zusammenhang Mehrwert für alle. Unsere Erfahrung zeigt, dass das Gefühl Transformation gemeinsam zu leben, ein Motor für Erfolg sein kann.
Die Handlungsfelder der ganzheitlichen Beratung umfassen insbesondere die Nachhaltigkeitsstrategie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, CO2-Klimamangement und
-Reduktion, nachhaltiges Personalmanagement, nachhaltige Unternehmenskultur sowie interne und externe Nachhaltigkeitskommunikation.

Leuchtturm-Motiv

Nachhaltigkeit schaffen – Mindset, Machen, Messen

UNO INO ist der Auffassung, dass nachhaltige und glaubhafte Transformation nur aus innerer Überzeugung entstehen kann. Daher wird im Rahmen der Beratung zunächst ein echtes Nachhaltigkeitsverständnis (Mindset) geschaffen. Danach geht es an die eigentliche Arbeit: Identifikation des Status Quo, Definition der Nachhaltigkeitsziele, Übersetzung der SDGs und Rollenklärung im Rahmen der Strategieentwicklung und anschließend die operative Umsetzung. Da Umsetzungsprozesse Lernprozesse sind, raten wir, Schritt für Schritt zu gehen und im Tun zu lernen und so zu wachsen. Begleitet wird dieser Prozess durch Messung und Evaluierung der Umsetzungserfolge. Oft ist ein Nachjustieren erforderlich. Nicht weil Fehler passiert sind, sondern weil Nachhaltigkeit ein dynamischer Prozess ist.

Nachhaltigkeit schreibt der Wirtschaft eine besondere Rolle zu. Daraus ergibt sich für jedes einzelne Unternehmen eine Verantwortung.
Durch nachhaltiges Wirtschaften erzeugen Unternehmen nicht nur Mehrwert für sich selbst, sondern schaffen auch die Basis für den Erhalt von Lebensgrundlagen und Wohlstand aller.

Nachhaltigkeit zu verstehen, ist daher essentiell.

Wir haben dies verstanden und stellen uns als Beratungsunternehmen der Herausforderung und beschreiten innovative Wege, um komplexe Theorien zur Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen und zukunftsfähiges Wirtschaften zu gestalten.

Nachhaltigkeit bedeutet Chance auf zukunftsfähiges Wirtschaften!
Für uns alle, für kommende Generationen!

Erster Teil: Eine Idee erfasst die Welt – Entwicklung und Bedeutung der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein vielbeschriebener und vieldiskutierter Begriff. Dennoch scheint nicht immer klar, was er eigentlich genau meint. Nicht selten wird seine Bedeutung für wirtschaftliches Handeln unzureichend bewertet.

Damit werden Chancen vertan: Chancen für zukunftsfähiges Wirtschaften, Chancen für uns alle und für kommende Generationen. Nachhaltigkeit zu verstehen, ist daher essentiell.

Nachhaltigkeit – der ursprüngliche Gedanke

Der ursprüngliche Nachhaltigkeitsgedanke wurde bereits 1713 durch den sächsischen Oberberghauptmann von Carlowitz in forstwirtschaftlichen Schriften formuliert. Eine drohende Rohstoffkrise warf für ihn die Frage auf, wie für den Bau von Silberminen dauerhaft ausreichend Holz zur Verfügung stehen kann. Sein Ansatz: Es darf nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung, Säen und Pflanzen nachwachsen kann.

Mit anderen Worten: Es ist nachhaltig, natürliche Grundlagen zu erhalten und so Wirtschaft voranzubringen und Wohlstand zu generieren.

Nachhaltigkeit – Verantwortung für kommende Generationen

1972 fordert Dennis Meadows in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ für den „Club of Rome“ ein „nachhaltigen Weltsystem, welches, in sich selbst aufrechterhaltbar („sustainable”) sein soll, um für künftige Generationen tragbar zu werden.”

Der Gedanke, dass Entwicklung generationsübergreifend erfolgen soll, wurde 1987 im Brundlandt-Report für die Vereinten Nationen bestätigt. Der Bericht enthält zudem eine richtungsweisende Definition von Nachhaltigkeit, welche in spätere internationale Abkommen übernommen wurde. Demnach ist Entwicklung nachhaltig, wenn sie „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Der Weltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro formulierte die Agenda 21 als globales Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung. Dies führte dazu, dass das Thema Nachhaltigkeit Eingang in politische und gesellschaftliche Diskurse fand.

Protestplakat One World

Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales und Ökonomie

Als Ergebnis dieses Diskurses bildete sich ein weites Spektrum an Ansätzen, welche das heutige Nachhaltigkeitsverständnis prägen.

Einen wichtigen integrierten Ansatz beschreibt das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit mit den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie als gleichberechtige Elemente.

Vereinfacht dargestellt geht es im Bereich Ökologie darum, die Umwelt und natürliche Ressourcen nicht übermässig zu belasten, sondern vielmehr zu schonen.

In sozialer Hinsicht stehen die Menschenwürde und freie Entfaltung des Menschen im Vordergrund.

Die ökologische Dimension stellt auf gutes Wirtschaften ab. Gewinnmaximierung soll nicht das einzige Ziel von Wirtschaft sein. Vielmehr sollen durch langfristige Strategien, die dem Menschen und der Umwelt dienen, langfristige Gewinne erwirtschaftet werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Faire Handel.

Das Drei-Säulen-Modell wurde 1994 von dem britischen Berater John Elkington für Unternehmen in Anlehnung an den Gedanken der Corporate Social Responsibility, also unternehmerische Verantwortung in sozialer und ökologischer Hinsicht, als „Triple Bottom Line“ spezifiziert.

Der englische Ausdruck „Bottom Line“ bezieht sich auf das Ergebnis unter dem Schlussstrich der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Nach Elkington’s Ansatz werden dort die ökologische und die soziale Dimension ergänzt.

Wenn Unternehmen diese Dimensionen in ihrem Kerngeschäft verankern, erbringen sie “unter dem Strich” öko-soziale Leistungen und tragen zu nachhaltiger Entwicklung bei.

Nachhaltigkeitsziele – die besondere Verantwortung der Wirtschaft

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) geben eine wichtige Orientierung zur Bewältigung der globalen Herausforderungen bis 2030.

Die Erde und die natürlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen sollen bewahrt werden. Generationsübergreifend sollen die Würde und Wohl der Menschen sichergestellt werden.

Die 17 Ziele und 169 Unterziele beinhalten ökologische, soziale und ökonomische Aspekte.

Sie richten sich an alle Nationen und alle Akteure.

Nicht-staatliche Akteure wie die Wirtschaft spielen eine besondere Rolle: Wirtschaft soll zu nachhaltigem Wirtschaften umgestaltet werden. Ziel 8 fordert zum Beispiel menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. In Ziel 12 wird auf nachhaltigen Konsum und Produktion abgestellt.

Nachhaltigkeit – Schutz der planetaren Grenzen und biologischer Vielfalt

2009 wurden durch verschiedene Wissenschaftler die sog. planetare Grenzen definiert. Diese bestimmen die Belastbarkeit der Erde. Dazu zählen zum Beispiel die Artenvielfalt, Klimawandel oder die Ozeanversauerung.

Werden diese Grenzen überschritten, besteht das Risiko irreversibler Schäden für die Umwelt und damit die Lebensgrundlagen des Menschen, insbesondere zukünftiger Generationen.

Biodiversität oder biologische Vielfalt bezieht sich, anders als oft angenommen, nicht allein auf Artenvielfalt. Biodiversität meint vielmehr auch genetische Vielfalt und die Vielfalt von Ökosystemen.

Ökosysteme sind Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie liefern beispielsweise Nahrungsmittel, Trinkwasser, Energie oder Baumaterialien. Sie sorgen für die Regulation des Klimas, bilden Böden und vieles mehr.

Werden Ökosysteme zerstört, verschwinden Nährstoffkreisläufe, also Lebensgrundlagen für alle Lebewesen und Pflanzen.

Das heutige Wirtschaften wird oft erst durch den Verbrauch natürlicher Ressourcen ermöglicht und ist mit dem Eingriff in Ökosysteme verbunden. Insofern spielen Unternehmen eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung von Biodiversität und der Sicherung planetarer Grenzen. Hier zeigt sich die Verzahnung von Ökologie, Sozialem und Ökonomie. Nachhaltiges Wirtschaften bringt diese Aspekte in Ausgleich.

Kreislaufwirtschaft – Natur als Vorbild für Nachhaltigkeit

Wie ein solcher Ausgleich gelingen kann, beschreibt die Kreislaufwirtschaft. Sie ist ein wichtiger Ansatz zur Umsetzung von Nachhaltigkeit.

Das heutige Wirtschaftssystem verfolgt einen linearen Ansatz und zielt auf „Nutzen und Wegwerfen“ ab. Produkte haben oft einen nur begrenzten Lebenszyklus.

Die Kreislaufwirtschaft hebt dieses lineare Denken auf. Sie orientiert sich an natürlichen Prozessen: Tote biologische Masse wird zersetzt und gelangt zurück in Nährstoffkreisläufe, so dass neues Leben entstehen kann. Die Natur kennt dabei keinen Abfall.

Übertragen auf wirtschaftliches Handeln bedeutet dies, dass der Lebenszyklus von Materialien und Produkten so weit wie möglich verlängert und so wenig Abfall wie möglich entsteht. Dies geschieht durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung oder auch Recycling.

Die historische Entwicklung und Ausformung des Begriffs der Nachhaltigkeit ist von signifikanter Bedeutung für zukunftsfähiges Wirtschaften.
Welche spezifischen Erfordernisse für die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedanken in der Praxis erforderlich sind, stellen wir im zweiten Blogbeitrag zu diesem Thema dar.