„Enkeltauglichkeit ist für mich mehr als ein Buzzword.“

UNO INO im Austausch mit Dirk Dankelmann, Vorstand und verantwortlich für das Thema Nachhaltigkeit in der Lippischen Landesbrandversicherung AG (LLB).

Einblicke in die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie der LLB

UNO INO: Was heißt Nachhaltigkeit für Sie – persönlich und beruflich? 

Dirk Dankelmann: Auch wenn der Begriff Enkeltauglichkeit mittlerweile zum Buzzword geworden ist, halte ich ihn nach wie vor für richtig. Alles was wir heute tun, hat Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen. Wir bei der LLB und ich persönlich wollen Verantwortung für unsere Zukunft und für die Zukunft der nachfolgenden Generationen übernehmen. Und das bezogen auf alle 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit: Umwelt, Wirtschaft, Soziales.

Die LLB als Versicherer der Regionen lebt Nachhaltigkeit seit 270 Jahren: Wir sind ein Unternehmen, das in der Region verankert, soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und wirtschaftlich erfolgreich ist. In der Lippischen arbeiten heute Enkel, deren Eltern und Großeltern auch schon hier gewirkt haben. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie greift diese Tradition einerseits auf, schafft aber auch ganz viel Raum und Möglichkeiten für die Zukunft.

UNO INO: Was sind Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der LLB?

Dirk Dankelmann:

UNO INO: Was sind die wichtigsten Projekte, die Sie in Richtung Nachhaltigkeit angestoßen haben?

Dirk Dankelmann:

Besten Dank, lieber Dirk Dankelmann und weiter viel Erfolg für die LLB!

Von Greenwashing als Marketing-Falle und warum Unternehmen sich nicht vor der Kommunikation ihres Nachhaltigkeitsengagements scheuen sollten

Gute Taten sollten in die Welt getragen werden. Denn eine offene Kommunikation über den eigenen Einsatz für Gesellschaft und Umwelt kann andere motivieren und dazu inspirieren selbst tätig zu werden. Das gilt für Einzelpersonen – ob privat oder in der Öffentlichkeit – und Organisationen wie Institutionen, Vereine oder Unternehmen. Gerade in einer Zeit, in dem die Krisen weltweit und in verschiedenen Dimensionen zunehmen, sind gute Vorbilder wichtiger denn je. Auch da Unternehmen mehr und mehr – zum Teil auch getrieben durch Regulatorik – ihr Handeln in Frage stellen und neu ausrichten, sollte es nicht schwer sein über gute Taten zu berichten.

Und trotzdem: Die Kommunikation des Nachhaltigkeitsengagements ging in den vergangenen Jahren mit einem faden Beigeschmack einher. Denn anstatt sich tatsächlich nachhaltig auszurichten, schmückten sich einige Unternehmen mit nachhaltigen Federn – und mussten das Kritik-Gewitter der Öffentlichkeit aushalten. Die Angst vor sogenanntem Greenwashing schwebt seitdem gefühlt wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen von Unternehmen, die ihre Tätigkeiten kommunizieren oder sich generell positionieren wollen.

Aber was ist Greenwashing?

Greenwashing – falsche Fairsprechen

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Begriff des Greenwashings als übergeordnete Bezeichnung unzulänglich ist. So bezieht er sich ausschließlich auf klimabezogene Nachhaltigkeit und lässt beispielsweise die soziale Nachhaltigkeit außer Acht.

Greenwashing beschreibt eine bewusst eingesetzte Marketing-Strategie, mit denen sich eine Organisation nachhaltiger darstellt, als sie tatsächlich ist. Mit dem Ziel auf den Trend-Zug Nachhaltigkeit aufzuspringen und dadurch neue Zielgruppen zu erschließen oder generell wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer jedoch nur Phrasen und Stories wiedergibt und das eigene Geschäftsmodell nicht grundsätzlich im Sinne der drei Säulen der Nachhaltigkeit ausrichtet, fliegt schnell auf. Denn: Nachhaltigkeit ist messbar und wird für Unternehmen zunehmend berichtspflichtig. Das hat in der Vergangenheit manchen einen Strick gedreht. So stufte eine Studie vom NewClimate Institute und Carbon Market Watch erst Anfang des Jahres die Klimaschutz-Versprechen von 25 der größten Unternehmen weltweit als nicht vertrauenswürdig ein. Darunter DHL, BMW und Nestlé.

Aber wie erkenne ich Greenwashing?

Auf den Zahn gefühlt – Greenwashing erkennen

Zu den PR- und Marketing-Tools des Greenwashings gehören unter anderem das Verschweigen oder Verschleiern von Zahlen (bspw. H&M: maximal 0,6% der Materialien der Conscious-Kollektion sind tatsächlich nachhaltig) oder fragwürdige Siegel und Labels (bspw. Better Cotton Inititative).
Sie sollen dem Konsumenten als Wegweiser für nachhaltig und nicht nachhaltig produzierte Produkte dienen, allerdings bringen Siegel, Labels, Zertifikate und Co. außerdem folgende Herausforderungen mit sich:

Hilfreiche Tools, wie der Label-Checker, helfen hier hinter die grünen Sticker zu schauen.

Oftmals betreiben Unternehmen aber auch unbewusstes Greenwashing. Es fehlt ihnen mitunter an nötigem Wissen zum Thema Nachhaltigkeit, so dass manche Unternehmen davon ausgehen, dass ihre Produkte oder Dienstleistungen nachhaltig sind, obwohl sie nur an der Oberfläche kratzen. Statt in Ressourcen zu investieren, um Verantwortlichkeiten und Know-how auszubilden und eine Nachhaltigkeitstransformation auch im Kerngeschäft anzustoßen, bleibt es bei einem kurzen ineffizienten Marketing-Sprint.

Mit Hilfe von Big Data und neuen Technologien der künstlichen Intelligenz helfen jetzt auch junge Start-Ups dabei, Unternehmen auf ihre tatsächliche Nachhaltigkeit zu überprüfen. So können bspw. Aufforstungsprojekte, wie Plant for the Planet, überprüft werden, indem Daten durch bspw. Satelliten- oder Drohnenbilder und Chemieproben aus gefällten Bäumen durch künstliche Intelligenz ausgewertet werden. Auf diesem Wege wurden bereits mehrere Unternehmen in ihren Greenwashing-Strategien enttarnt und z. B. Abholzungen konnten verhindert werden.

Besser also zu wenig als zu viel kommunizieren? Auf der sicheren Seite bleiben?

Keine Angst vor Greenwashing – über Nachhaltigkeit sprechen

Gute Taten sollten in die Welt getragen werden. Denn die Nachhaltigkeitskommunikation ist nicht nur wichtig, um das eigene Unternehmen bei zunehmend fordernden Verbraucher:innen oder Investor:innen zu profilieren, sondern auch, um die Öffentlichkeit über nachhaltiges Handeln zu informieren und zu sensibilisieren. Je stärker die Stakeholder mit einbezogen werden und je ehrlicher und transparenter die Kommunikation erfolgt, desto geringer das Risiko für Shitstorms aus der Öffentlichkeit.
Das sollten Ihre Leitplanken sein:

Wahre Nachhaltigkeit kommt von innen – tragen wir sie nach außen!

Die ersten Schritte in die Nachhaltigkeit oder auch in der Kommunikation über Nachhaltigkeit können respekteinflößend wirken. Wir sind der festen Überzeugung: Ehrliche Absichten und belegbare Fakten sprechen für sich. Wir helfen Ihnen auf dem Weg dabei – mit unseren Expert:innen für Nachhaltigkeitsstrategien, Nachhaltigkeitskommunikation und Klimamanagement. Zukunft kommt von Zutrauen: Wagen wir den Wandel jetzt!

Nachhaltiges Handeln ist gezielte Investition in die Zukunft und kein zusätzlicher Kostenfaktor

UNO INO im Austausch mit Dieter Geyer, Konzern Versicherungskammer, Ressortbeauftragter Nachhaltigkeit im Ressort H7 (Ressort IT).
 
Der Konzern Versicherungskammer – regional und bundesweit.*
Der Konzern Versicherungskammer gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe und ist damit gemeinsam mit den anderen öffentlichen-rechtlichen Versicherern, den Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen und der Deka Teil des größten Verbundes von Finanzdienstleistern in Deutschland.
Der Konzern Versicherungskammer ist nach Beitragseinnahmen der siebtgrößte Erstversicherer in Deutschland und beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter:innen. Die Gruppe der öffentlichen Versicherer belegt nach Beitragseinnahmen im deutschen Versicherungsmarkt Platz 2.
Die VKB ist heute bereits sehr stark im Kontext Nachhaltigkeit und in unterschiedlichen Initiativen unterwegs u. a. PRI (Principles for Responsible Investment), der Charta der Vielfalt, dem Klimapakt der Stadt München usw.

UNO INO: Wo sehen Sie die größten Hebel für nachhaltige Transformation in Unternehmen und speziell in Versicherungsunternehmen?

Dieter Geyer: Versicherungen haben – auch im Verhältnis zu anderen Branchen – große Hebel bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeit. Einerseits sind Versicherungen wichtige Kapitalanleger und haben hier über ihre Investitionsentscheidungen relevanten Einfluss.
Anderseits kann auch die Frage „Wen versichere ich zukünftig zu welchen Konditionen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“ einen enormen Einfluss auf die Transformation in Richtung nachhaltiges Wirtschaften – und dies sowohl inhaltlich als auch auf der Zeitschiene – entfalten.
Aufgrund dieses erheblichen Einflusses resultiert auch eine große Verantwortung für die Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Es muss darum gehen, diesen Veränderungsprozess bewusst und wirksam im Interesse unserer Kundinnen und Kunden sowie der gesamten Gesellschaft zu begleiten. Der Konzern Versicherungskammer hat sich 2020 auf den Weg gemacht und setzt Nachhaltigkeit in vielen Bereichen und Programmen, wie z.B. in der Transformation der IT, um.

UNO INO: Was sind Ihre größten Herausforderungen bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit?

Dieter Geyer: Aus meiner Sicht ist eine der größten Herausforderungen, die Entscheidungsträger zu überzeugen, dass Nachhaltigkeit und ökonomischer Erfolg kein Widerspruch sind. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bedingen sich gegenseitig.Und deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass nachhaltiges Handeln kein zusätzlicher Kostenfaktor, sondern gezielte Investition in die Zukunft ist.
Gerade diese Zukunftsperspektive muss von den Entscheidungsträgern, aber auch von allen Mitarbeitern verstanden werden. Inhaltlich und zeitlich geht das über die normalen Planungsansätze hinaus. Wenn das verstanden ist, steht der klaren Ausrichtung in Richtung nachhaltigem Wirtschaften nichts im Weg.

UNO INO: Was sind Ihre wichtigsten Projekte in den nächsten Monaten?

Dieter Geyer: Wir arbeiten gerade sehr aktiv an der Messung unseres CO2-Unternehmensfußabdrucks: Wir wollen die Daten so umfassend wie möglich erheben (Scope 1, 2 und 3) und darauf aufbauend wirksame Maßnahmen zur Reduktion von CO2 entwickeln. Wir legen den Schwerpunkt ganz klar auf Maßnahmen zur Verringerung unserer Emissionen, vor der Erreichung einer formalen Klimaneutralität durch Kompensation.
Ein weiteres, wichtiges Thema, ist die Etablierung von Nachhaltigkeit als relevanter Zielgröße – und das auf allen Ebenen des Unternehmens. Nachhaltigkeit soll nicht nur akzeptiert, Nachhaltigkeit muss sich im KPI-System von Unternehmen widerspiegeln. Die Konsequenz ist, dass Nachhaltigkeit immer mehr im Kennzahlensystem von Unternehmen Einzug hält, bis hin zur konkreten Verzielung auf den Führungsebenen.

UNO INO: Was würde Ihr Unternehmen über Nacht nachhaltiger machen?

Dieter Geyer: Wenn alle nur noch von Zuhause arbeiten… (lacht)…das ist allerdings für die Unternehmenskultur und für die soziale Nachhaltigkeit nicht nur gut.
Aber im Ernst – bei uns ist das Thema Mobilität schon ein sehr relevantes, gerade in Bezug auf den Unternehmensfußabdruck.

UNO INO: Was war Ihr größtes Highlight im letzten Jahr?

Dieter Geyer: Nachhaltigkeit hat spürbar an allen Stellen des Unternehmens an Bedeutung gewonnen. Dies ist auch eines der wichtigsten Ergebnisse der Zusammenarbeit mit UNO INO. (Redaktion: Dankeschön hierfür).

UNO INO: Welche drei Tipps haben Sie für Unternehmen für die Nachhaltigkeitstransformation?

Dieter Geyer:
a.    Aufbau von relevantem Knowhow im Zusammenhang mit nachhaltigem Handeln
b.    Darauf aufbauend mehr konkretes Handeln als umfassende /vollständige Konzepte
c.     Man kann nicht weit genug springen. Man muss keine Angst haben, dass man das Thema überstrapaziert

UNO INO: Alle behaupten, sie führen mehr Bahn und mehr Fahrrad. Was machen Sie mehr?

Dieter Geyer: Natürlich fahre auch ich mehr Rad 🙂
Und mein Auto behalte ich viel länger. Anders als früher gebe ich mein Leasingfahrzeug nicht nach 3 Jahren ab, sondern verlängere die Leasingdauer auf 5 Jahre.
Diese Verlängerung ist in der Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs deutlich nachhaltiger als die schnelle Neuanschaffung eines E-Autos.

UNO INO: Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler wären, was würden Sie einführen?

Dieter Geyer: Da würde mir schon einiges einfallen, insbesondere in Richtung Energiewende z.B.
a.    Verpflichtung jedes neue Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten
b.    Genehmigung für Windkraftanlagen vereinfachen, weniger formale Hürden

Vielen herzlichen Dank lieber Dieter Geyer für die Einblicke!

*Informationen aus dem Geschäftsbericht 2020
 


CSRD: Die wichtigsten Eckdaten der Nachhaltigkeitsberichterstattung von morgen

Das Thema Nachhaltigkeit mit den Dimensionen Umwelt (Environment), Sozialem (Social) und Unternehmensführung/Wirtschaftlichkeit (Governance) ist überall präsent und nicht mehr wegzudenken. Für Unternehmen ist es wichtiger denn je ihren verschiedenen Interessensgruppen/Stakeholdern zu zeigen, wie sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit insbesondere dem Klimaschutz leisten, um langfristig erfolgreich am Markt zu sein und sich die „licence to operate“ zu sichern. Eine transparente und authentische Kommunikation der Nachhaltigkeitsaktivitäten und -ziele sowohl intern als auch extern ist dafür unumgänglich.
 
Um eine bessere Vergleichbarkeit für alle Stakeholdergruppen und Kennzahlen für Nachhaltigkeitsberichte zu gewährleisten, hat die Europäische Kommission am 21. April 2021 einen Vorschlag zur Änderung der Anforderungen und Richtlinien an die Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht: Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die die bisher geltende Nonfinancial Reporting Directive (NFRD) ersetzen wird.

Aber was bedeutet die CSRD für die Unternehmen? Wer ist davon betroffen? Und was ist jetzt zu tun?

Was ist die CSRD?

Wen betrifft die CSRD?

Weitere wichtige Aspekte:

Was ist jetzt zu tun?

Starten und nicht warten: Nutzen Sie die Zeit bis zur Einführung der CSRD und bereiten Sie sich rechtzeitig auf die gesetzlichen Regelungen vor. Schaffen Sie sich mithilfe der Nachhaltigkeitsberichterstattung frühzeitig Transparenz über den Status Quo Ihres Unternehmens.
 
Berichten Sie aktiv über die Nachhaltigkeitsambition und die Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens. So ist Ihr Unternehmen optimal vorbereitet und kann sich mit den regulatorischen Anforderungen weiterentwickeln. Gleichzeitig schaffen Sie Transparenz und Glaubwürdigkeit für Ihre Stakeholder und nehmen diese mit.

Sie wollen sich näher zu dem Thema austauschen oder benötigen Unterstützung bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Gerne stehen wir Ihnen für ein unverbindliches Gespräch zur Verfügung. Mit unserem Team bieten wir die richtigen und passgenauen Lösungen für Ihr Unternehmen.

Die Botschafter*innen für Nachhaltigkeit

Wer will das nicht, Botschafter sein? Und dann noch für die gute Sache – für Nachhaltigkeit, für unsere Umwelt, für soziale Anliegen im Unternehmen, für Purpose und ein sinnstiftendes Miteinander.
 
Die GREEN AMBASSADORS haben genau diese Aufgabe – sich als Botschafter für Nachhaltigkeit im Unternehmen einzusetzen, sich für die Zukunft des Unternehmens zu engagieren und mit anderen zusammen zu wirken und zu netzwerken.
 
Und hier gibt es eine Reihe von Umsetzungs- und Ausgestaltungsmöglichkeiten:

  1. Als eigenständiges Projekt – im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprogramms
  2. Als Teil eines bestehenden oder neuen Talentprogramms
  3. Als Personalentwicklungsinstrument
  4. Und und und – es kommt ganz auf die Situation im Unternehmen an

Die GREEN AMBASSADORS sind ein zentrales Instrument der Mitarbeiterbeteiligung im Kontext der nachhaltigen Unternehmensführung.

GREEN AMBASSADORS – Wirkung bei Talenten und Auszubildenden

Besonders gute Erfahrungen haben wir mit den GREEN AMBASSADORS bei jungen Menschen gemacht – bei jungen Talenten, Führungskräften und Auszubildenden.

„Young people have more at stake in the fight against climate change than anyone else.
I had a chance to talk with some young people who are helping lead the fight, and could not be more impressed by their courage, creativity, and persistence.
They give me hope.

To all the young people out there, as well as those of you who consider yourselves young at heart, I want you to stay angry. I want you to stay frustrated.
But channel that anger. Harness that frustration. Gird yourself for a marathon, not a sprint. Because that’s what’s required to meet this challenge.
Let’s get to work.”

Barack Obama via Instagram am 10.11.2021

Barack Obama spricht hoffnungsvoll von jungen Menschen, ihrer Kreativität, ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit.
 
Wir von UNO INO sind ebenso begeistert von der Energie, die junge Menschen für das Thema Nachhaltigkeit haben.
 
Die Studie „Zukunft? Jugend fragen! 2019“ (Veröffentlicht im Januar 2021) des Umweltbundesamtes kam zu folgendem Ergebnis:
„Umwelt- und Klimaschutz war das wichtigste Thema zum Zeitpunkt der Erhebung. 45 Prozent der befragten jungen Menschen fanden Umwelt- und Klimaschutz sehr wichtig und weitere 33 Prozent eher wichtig.“

GREEN AMBASSADORS – Nachhaltigkeit ist jetzt ein Thema in der Ausbildung

Da war es folgerichtig, dass sich der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Bildung (BIBB) im April 2020 darauf verständigte, dass Nachhaltigkeit ab dem 01. August 2021 sowohl in der Berufsschule als auch im Betrieb zu vermitteln ist. Diese Verordnung gilt für sämtliche Ausbildungsberufe (z. B. duale Studiengänge etc.).
Hier ein Auszug aus der Verordnung aus dem Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit, der beschreibt, welche Fähigkeiten den Auszubildenden zu vermitteln sind:

Quelle: Bundesanzeiger, 22.12.2020

Hier treffen also intrinsisch motivierte junge Menschen, die mit Leidenschaft und Energie das Thema Nachhaltigkeit angehen auf eine Gesetzgebung, die diese Ausbildungsinhalte vorschreibt. Was für eine wunderbare Ausgangssituation! Offen ist nun lediglich noch die Frage nach dem WIE.

GREEN AMBASSADORS – Junge Menschen gestalten Zukunft

Die GREEN AMBASSADORS implementieren und multiplizieren Expertise, Kompetenz und Motivation und führen das Thema Nachhaltigkeit als Innovations- und Wachstumsbeschleuniger im Unternehmen ein.
 
Um als GREEN AMBASSADOR wirken zu können, werden verschiedene Ausbildungsmodule durchlaufen.
In verschiedenen Modulen wird Nachhaltigkeitswissen und Fähigkeiten vermittelt, dieses Wissen in Projekten anzuwenden. Nah an den besonderen individuellen Anforderungen der Organisation können GREEN AMBASSADORS u. a. den Status Quo zur Nachhaltigkeit im Unternehmen sichtbar machen, Konzepte für Kommunikation sowie erste Leuchtturm-Projekte entwickeln und diese Konzepte umsetzen.
 
Die GREEN AMBASSADORS tragen maßgeblich dazu bei ins Tun zu kommen! Sie wirken quer durch Hierarchien, Abteilungen und Silos und haben so größtmögliche Wirksamkeit.
Sie etablieren Nachhaltigkeit mit den drei Dimensionen Umwelt, Soziales und Wirtschaftliches (ESG) als festen Bestandteil in der Unternehmenskultur und im Arbeitsalltag. In Abstimmung mit Führungskräften gestalten sie das Thema Nachhaltigkeit selbstverantwortlich und professionell.

Außerdem steigern die GREEN AMBASSADORS die Arbeitgeberattraktivität immens und verschaffen der Organisation hier einen klaren Vorteil im War for talents.

Wenn Sie Lust haben, mehr über die GREEN AMBASSADORS zu erfahren, vereinbaren Sie noch heute einen Termin für ein unverbindliches individuelles Beratungsgespräch mit unserem UNO INO Experten Thomas L. Dietz oder senden Sie Ihre Fragen gerne auch per Mail (mail to: Thomas.Dietz@unoino.de).
 

Für mehr Nachhaltigkeit zum Fest der Liebe und das Neue Jahr

Begegnet Ihnen das Thema Nachhaltigkeit auch überall?
 
Ob bei politischen Forderungen bei internationalen Klimavereinbarungen oder beim Bäcker um die Ecke, der nach Ihrem persönlichen Coffee-to-go-Becher fragt.
 
Oder bei der Idee eine nachhaltige Weihnachtsfeier zu organisieren und auch gleich ein paar Vorsätze für mehr Nachhaltigkeit mit ins Neue Jahr zu nehmen.
 
In unserem aktuellen Beitrag finden Sie Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest im Unternehmen oder Daheim, nachhaltige Geschenkideen für Kunden*innen und Mitarbeiter*innen sowie einfach umsetzbare Vorsätze für 2022.

Ideen für ein nachhaltiges Weihnachtsfest

Weihnachten mit Grün muss sein? Das geht auch nachhaltig. Mit Weihnachtsbäumen im Topf, zum Wiederverwenden im nächsten Jahr. Oder einzelnen Zweigen, die Sie individuell zu Kränzen zusammenstellen oder in der Vase anordnen können.
 
Die dazu passende Weihnachtsdekoration aus Naturmaterialien (z. B. Tannenzapfen, Eicheln, Baumblättern) rundet das Konzept ab. Diese können Sie übrigens bei einem kleinen Spaziergang oder bei einer gemeinsamen Wanderung mit Ihren Kolleg*innen sammeln und so auch etwas für Ihre Gesundheit und den Gemeinschaftssinn tun.
 
Geschenkverpackungen aus Stoffen
, altem Zeitungspapier oder auch alten Buchseiten sind individuell, lassen sich einfach und preiswert organisieren und mit Naturmaterialien verschönern.
 
Wenn Sie für Ihr Weihnachtsmenü regionale und am besten Bio-Produkte verwenden, haben Sie schon einen guten Nachhaltigkeitsschritt getan. Noch optimaler ist ein vegetarisches oder veganes Festtagsessen.
Übrig gebliebenes Essen wird gern von Foodsharing-Communities angenommen.

Nachhaltige Weihnachtsgeschenke

Solarenergieprojekte, Patenschaften für Regenwaldprojekte, bedrohte Tierarten oder Bienen leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Biodiversität und werden immer beliebter.
 
Mit Geschenken zur Kompensation von CO2-Emissionen werden beispielsweise Klimaschutzprojekte in Ländern des Globalen Südens unterstützt und tragen zu verbesserten Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung bei.
 
Samenbomben oder Bio-Saatgutboxen bestehen aus Saatgut, das auf Freiflächen (auch in urbanen Gebieten) verteilt werden kann. So werden Flächen begrünt, verschönert oder auch kleine Urban-Gardening-Einheiten für Gemüse, essbare Blüten oder Kräuter angelegt.
 
Vögel- oder Nistkästen, Meisenkugeln und „Insektenhotels” insbesondere für Bienen oder Hummeln helfen heimischen Tieren, sich trotz abnehmender Lebensräume einzurichten und sind eine tolle Geschenkidee.
 
Zur Vermeidung von Abfall und Verwertung organischer Nährstoffe bietet sich nicht nur für Gartenfreude ein Komposter für Balkon oder Küche an. Diese einfache, geruchlose Kompostiervariante erzeugt konzentrierten Pflanzendünger und schont so Geldbeutel und Umwelt.

Vorsätze für nachhaltigere Unternehmen

Verzichten Sie auf Plastikflaschen in Meetings und stellen stattdessen Wasserkaraffen zur Verfügung. Diese eignen sich auch gut als Getränkeangebot für Mitarbeiter*innen.

Zur Bewirtung in Meetings bieten sich regionale Speisen an. Ein Veggie-Tag in der Kantine kann auch Nicht-Vegetarierinnen zum Ausprobieren nachhaltiger Gerichte anregen.
 
Um Energie und Ressourcen zu schonen und langfristig Kosten zu reduzieren, sollte die Notwendigkeit von Dienstreisen geprüft werden und Alternativen wie Zoom-Meetings weiterhin in Betracht gezogen werden. Auch durch Reduzierung von Ausdrucken und Anlegen von virtuellen Dokumentenablagen, den Einsatz energiesparender IT und die Verkleinerung des Fuhrparks lassen sich erhebliche finanzielle Einsparungen erzielen.

Vorsätze für einen nachhaltigeren Alltag

Radfahren, zu Fuß gehen oder Carsharing-Angebote sowie öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen sind einige Beispiele, die sicher etwas Zeit und Gewöhnung erfordern, aber auf Dauer finanzielle und gesundheitliche Vorteile bringen.
 
Weniger Fleischkonsum, das Benutzen eines Korbes beim Einkaufen, der Kauf regionaler Produkte sowie das regelmäßige vom Strom ziehen nicht benutzter elektronischer Geräte, sind weitere gute Optionen, mehr Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren.
 
Mit dem Wechsel zu grünen, nachhaltigen Stromanbietern und Banken wird systematisch zum Aufbau eines nachhaltigeren Wirtschaftssystems beigetragen.
 
Sie sehen: Nachhaltigkeit lässt sich in unseren (Unternehmens-)Alltag integrieren! Wichtig ist es anzufangen. Dann werden auch Mitarbeiter*innen, Kunden*innen, Freund*innen und Familie überzeugt werden und das Lebens- und Arbeitskonzept Nachhaltigkeit mittragen und ausfüllen.  

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Freude bei der Ausgestaltung Ihrer nachhaltigen Weihnachtsfeier und der Umsetzung Ihrer Vorsätze für 2022 und in der weiteren Zukunft.

Genießen Sie die Abenteuerreise Nachhaltigkeit! Werden Sie Multiplikator*in, Vorbild, Vorreiter*in!
 
Sie, du, wir alle, können Nachhaltigkeit!
 
You know I know – UNO INO
 


 

Das Thema Nachhaltigkeit begegnet uns beinahe täglich und überall. Das ist richtig und wichtig, dann Nachhaltigkeit ist die Zukunft, die gestern begonnen hat und heute geformt wird.
 
Wir von UNO INO wissen, für Unternehmen und Organisationen meint Zukunft nachhaltiges Wirtschaften. Neues Wirtschaften.
 
Wir wissen auch: Der Weg der Nachhaltigkeitstransformation ist komplex.
 
Komplexitäten reduzieren und Veränderung leben kann nur, wer Nachhaltigkeit wirklich versteht und als Überzeugung verinnerlicht. Beides setzt Wissen voraus.
 
In Fortführung unseres Abkürzungsverzeichnisses haben wir daher wesentliche Begriffe zur Nachhaltigkeit als Glossar für Sie aufbereitet.
 
Gestalten Sie Zukunft!

Agenda 2030
Die Agenda 2030 bildet den globalen Rahmen für eine ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Entwicklung bis 2030. Sie wurde 2015 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen 2015 mit dem Anliegen verabschiedet, ein würdevolles Leben für alle sowie die dauerhafte Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere auch für zukünftige Generationen, sicherzustellen. Kernstück der Agenda sind die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs).

Biodiversität
Biodiversität (biologische Vielfalt) umfasst die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten (Artendiversität) und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Diese Bereiche stehen in Wechselwirkung zueinander. Die Biodiversität geht aufgrund verschiedener Ursachen (z. B. Landnutzungswandel, Klimawandel, Auftreten invasiver Arten) zurück und ist dabei, ihre planetare Grenze zu erreichen.

Biosphäre 
Biosphäre meint die Gesamtheit der von Lebewesen besiedelten Teile der Erde. Im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft sind alle umweltfreundlichen Verbrauchsmaterialien (z. B. Naturfasern, nachwachsende Rohstoffe), die sich in der Biosphäre befinden von Bedeutung, da sie insbesondere in biologischen Kreisläufen Verwendung finden bzw. ihre biologischen Nährstoffe und Abbauprodukte dort zirkulieren.

Circular Economy
Circular Economy ist der englische Begriff für Kreislaufwirtschaft (siehe Kreislaufwirtschaft).

Clean Developement Mechanism (CDM)

Der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism – CDM) ermöglicht es einem Land, ein Projekt zur Emissionsreduzierung in Entwicklungsländern durchzuführen. Für solche Projekte können verkaufsfähige zertifizierte Emissionsreduktionsgutschriften (CER) erworben werden, die jeweils einer Tonne CO2 entsprechen und auf die Erfüllung der Kyoto-Ziele angerechnet werden können. Der Mechanismus wird von vielen als bahnbrechend angesehen. Es handelt sich um das erste globale Umweltinvestitions- und gutschriftensystem seiner Art, das ein standardisiertes Instrument zum Emissionsausgleich, die CERs, bereitstellt.

Carbon Disclosure Project (CDP)

Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine unabhängige und nicht kommerzielle Organisation. Die Organisation verfügt über die größte Datenbank über die Treibhausgasemissionen von Unternehmen und deren Strategien zum Klimawandel. Ziel des Projekts ist es, Informationen für Investoren, Unternehmen und Regierungen bereitzustellen. Die Organisation bittet Unternehmen, Städte und Länder um Daten über ihre jeweiligen Umweltauswirkungen. Diese Daten umfassen beispielsweise Treibhausgasemissionen und die Nutzung von Ressourcen wie Wasser. Die Übermittlung der Daten ist freiwillig. Neben einer kritischen Prüfung werden auch Vorschläge gemacht, wie das Unternehmen oder die Stadt noch nachhaltiger handeln kann.

CO2-Äquivalent
Das CO2-Äquivalent (abgekürzt: CO2e) ist eine Maßeinheit, die das Treibhauspotenzial eines Gases in einem bestimmten Zeitraum (meist 100 Jahre) im Verhältnis zu CO2 angibt. Sie dient zur Vereinheitlichung der Beschreibung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase. CO2-Äquivalente werden auch als Globales Erwärmungspotenzial bezeichnet.

CO2-Emissionsketten
Eine CO2-Emissionskette beschreibt, in welchen Emissionsbereichen (Scopes) innerhalb einer Wertschöpfungskette CO2-Emissionen ausgestoßen werden. Neben direkten Emissionen werden indirekte Emissionen in vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten (Scope 2 und 3), z. B. aus der Lieferkette oder der Nachnutzung beim Kunden, einbezogen.

CO2-Fußabdruck
Der CO2-Fußabdruck berechnet in CO2-Äquivalenten die Gesamtmenge an CO2-Emissionen, die durch menschliche, industrielle oder unternehmerische Aktivitäten, Prozesse oder Handlungen verursacht werden. Er umfasst direkte Emissionen (Scope 1) und Emissionen aus bezogener Energie (Scope 2). Weitere indirekte Emissionen (Scope 3) können ebenfalls erfassten werden, müssen aber nach dem Greenhouse Gas Protocol nicht in die Unternehmensberichterstattung einbezogen werden.

CO2-Handel
CO2-Handel ist der Handel mit Rechten zum Ausstoß von CO2-Emissionen. Er wurde durch das Kyoto-Protokoll als marktbasiertes Anreiz-Instrument zur Reduktion von Treibhausgasen eingeführt. Nach dem “Cap und Trade Prinzip” wird durch einen Staat bzw. eine Staatengemeinschaft (z. B. die EU) jährlich eine Emissionsobergrenze festgelegt und die entsprechenden CO2-Zertifikate können dann am Markt gehandelt werden.

Corporate Carbon Footprint
Der Corporate Carbon Footprint (CCF) ist die CO2-Bilanz eines Unternehmens, die sämtliche Emissionen in CO2-Äquivalenzen darstellt. Nach dem Greenhouse Gas Protocol Standard werden alle direkten und indirekten Emissionen (Scope 1-3) erfasst, einschließlich der gesamten Wertschöpfungskette (zugekaufte Dienstleistungen oder Rohstoffe, Lieferkette, Logistik, Nutzungsphase und Entsorgung). Der CCF bildet die Grundlage für die Entwicklung einer unternehmerischen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie und hat Bedeutung für Unternehmenskommunikation und Risikomanagement.

Cradle to Cradle
Cradle to Cradle (Englisch für: „von der Wiege zur Wiege”) ist eine Designphilosophie bzw. eine Wirtschaftskonzept, das 2002 von Michael Braungart und William McDonough entwickelt wurde. Nach dem Vorbild der Natur wird ein geschlossener Kreislauf bzw. eine ideale Kreislaufwirtschaft angestrebt, in der kein Abfall entsteht, sondern alle Materialien ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden. Cradle to Cradle ist auch ein zertifizierter Produktstandard.

Dekarbonisierung
Dekarbonisierung meint die Abkehr von Kohlenstoff hin zu einer kohlenstofffreien Wirtschaftsweise (z. B. Kreislaufwirtschaft). Als Bestandteil der Energiewende zielt diese vollständige Entkopplung von fossilen Brennstoffen auf die Vermeidung von Treibhausgasen. Der Einsatz kohlenstoffarmer- bzw. freier Energiequellen (erneuerbare Energien, Biomasse) und die Verwendung kohlenstofffreier Technologien sind wichtige Umsetzungsschritte.

Donut-Ökonomie
Die Donut-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, welches im Gegensatz zu konsumorientierten Wachstumstheorien weniger Wachstum, dafür mehr Balance zwischen Wirtschaft, Umwelt und sozialen Zielen anstrebt. Zur Verdeutlichung der begrenzten Ressourcenkapazitäten der Erde und den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen (z. B. Nahrung, Gesundheit) werden der äußere bzw. innere Kreis eines Donuts herangezogen. Der Raum dazwischen symbolisiert den vorhandenen Wirtschaftsraum.

Drei-Säulen-Modell
Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit versteht die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie als gleichberechtige Elemente, die sich gegenseitig bedingen. Nachhaltige Entwicklung erfordert demnach die Verbindung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit. Das Modell wurde maßgeblich durch den Diskurs auf der Konferenz der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro geprägt.

Earth Day
Earth Day ist ein internationaler Aktionstag, der 1970 durch verschiedene Bewegungen initiierte und von den Vereinten Nationen manifestiert wurde. „Der Tag der Erde“ wird jährlich am 22. April unter einem bestimmten Motto begangen und will auf Umwelt- und Klimaprobleme aufmerksam machen und für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren.

European Green Deal
Der European Green Deal (Englisch für: Europäischer Grüner Deal) ist ein von der EU-Kommission im Dezember 2019 vorgelegter Klimaplan, der zur Erreichung des Pariser Klimaabkommen beitragen soll. Er strebt eine klimaneutrale, nachhaltige und wettbewerbsfähige Wirtschaft bis 2050 in der EU an. Zur Umsetzung werden umfassende Aktionspläne, Strategien und Gesetzesvorhaben u. a. in den Bereichen Umweltschutz, Biodiversität, Landwirtschaft, Mobilität, Kreislaufwirtschaft sowie Finanzen auf den Weg gebracht.

EU-Klimaschutzgesetz
Das EU-Klimaschutzgesetz wurde im Juni 2021 beschlossen und setzt die Vorgabe des European Green Deal (Klimaneutralität bis 2050) als rechtsverbindliches Ziel fest. Verpflichtend festgelegt wird zudem die Senkung der EU-Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent. Deutschland hat im Juni 2021 ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, welches Klimaneutralität bereits bis 2045 vorsieht.

EU-Sorgfaltspflichtengesetz
Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einen Entwurf für ein EU-Sorgfaltspflichtengesetz (EU-Lieferkettengesetz). Damit soll ein europaweit verbindlicher Rahmen für Unternehmen geschaffen werden, um die Einhaltung von Menschen- und Kinderrechten, Arbeitsnormen und Umweltvorschriften entlang globaler Lieferketten zu verbessern. Deutschland hat im Juni 2021 ein nationales Gesetz Lieferkettengesetz verabschiedet.

EU-Taxonomie
Die EU-Taxonomie legt Kriterien für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften fest. Sie wurde im Rahmen des EU-Aktionsplans Sustainable Finance als Baustein des European Green Deal bestimmt und in der Taxonomie-Verordnung kodifiziert. Durch dieses Klassifikationssystem soll Transparenz geschaffen werden und Investitionen in nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden.

Gemeinwohl-Ökonomie
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein 2010 formuliertes ethisches Wirtschaftskonzept, welches das Wohl von Mensch und Umwelt anstelle von Gewinnmaximierung zum obersten Ziel von Wirtschaften erklärt. Sie ist auf grundlegenden Werten wie Nachhaltigkeit, Menschenwürde, Solidarität, ökologischer Verantwortung und demokratischer Mitbestimmung aufgebaut.

Green Bond Standard
Der Green Bond Standard ist ein wesentlicher Bestandteil des Sustainable Finance Aktionsplans der EU und stellt ein Gütesiegel für Anleihen zur Finanzierung von nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutzprojekten im Sinne der EU-Taxonomie dar. Der freiwillige Standard sieht bestimmte Anforderungen für Emittenten vor (z. B. Publizitätspflichten, Verwendungsbeschränkung der Emissionserlöse, Prüfpflichten). Er befindet sich noch in der Entwurfsfassung.

Green Growth
Green Growth (Englisch für: Grünes Wachstum) ist ein alternatives Wirtschaftswachstumsmodell. Der zum Schutz von Klima und Umwelt erforderliche Umbau der Wirtschaft hin zu Nachhaltigkeit und mehr Energie- und Ressourceneffizienz resultiere nicht in Wohlstandsverlust. Vielmehr führe er z. B. durch Erschließung neuer grüner Märkte und durch umwelt- und klimaverträgliche Innovationen zu Wettbewerbsvorteilen und neuen Geschäftsfeldern.

Greenhouse Gas Protocol
Das Greenhouse Gas Protocol ist ein internationaler Methodenstandard zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen, der durch Zusammenarbeit privater Organisationen und Unternehmen entwickelt worden ist. Er enthält verschiedene Einzelstandards je nach Organisationsform der Emittenten (z. B. Organisationen, Städte und Gemeinden, Regierungen, Politik, Unternehmen) oder Betrachtungsobjekt (z. B.  Einschätzung der Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, Produktstandard). 

Green New Deal
Der Green New Deal ist ein politischer Forderungskatalog für eine umfassende Transformation des derzeitigen Wirtschafts- und Sozialsystems der USA, der 2018 durch Graswurzelbewegungen (Sunrise Movement) und mit Unterstützung verschiedener Kongressabgeordnete formuliert wurde. Er enthält Forderungen u. a. für die Bereiche Klimaschutz, Bildung, Gesundheit, Minderheitenrechte und Generationengerechtigkeit. Der Name wurde in Anlehnung an die Errungenschaften des New Deal von Franklin D. Roosevelt gewählt.

Greenwashing
Greenwashing bezeichnet eine gezielte Marketing- oder PR-Strategie insbesondere von Unternehmen zur Steigerung von Profiten und zur Imagepflege, die bewusst bestimmte Produkte oder das Unternehmen selbst nachhaltiger und umweltfreundlicher darstellen als es tatsächlich der Fall ist.

Industrielle Symbiose
Die Industrielle Symbiose ist ein prozessorientiertes Konzept, bei dem ein Unternehmen oder eine Branche Abfälle oder Nebenprodukte (einschließlich Energie, Wasser, Logistik und Material) eines anderen Unternehmens nutzt. Dies trägt zur Steigerung der Ressourceneffizienz bei und führt im Idealfall zu geschlossenen Kreisläufen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft.

Kippelemente
Kippelemente („tipping elements“) sind überregionale Bestandteile innerhalb des Klimasystems, die in Wechselwirkung zueinander stehen. Erreichen Kippelemente bestimmte kritische Werte (Klimakipppunkte), kann es zu unumkehrbaren Klimaveränderungen kommen. Kippelemente werden in 3 Kategorien unterteilt (Eiskörper, Strömungssysteme, Ökosysteme).

Klimakipppunkte
Klimakipppunkte sind durch die globale Erderwärmung ausgelöste Veränderungen von Kippelementen im Klimasystem. Wichtige Kipppunkte sind das Schmelzen der Arktis, Auftauen von Permafrostböden oder das Absterben von Warmwasser-Korallen. Werden Klimakipppunkte erreicht, kann eine Kettenreaktion entstehen, welche die Erderwärmung unumkehrbar vorantreibt und das Leben auf der Erde existenziell bedroht. Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1 bis 2 °C kann das Eintreten der Klimakipppunkte verlangsamen.

Klimaneutralität
Klimaneutralität liegt vor, wenn eine Prozess oder eine Tätigkeit die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre und damit das Klima nicht beeinflusst (Netto-Null-Emissionen). Es liegt ein Gleichgewicht zwischen Emissionen und dessen Aufnahme aus der Atmosphäre in Senken vor. Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen Emissionen vermieden, reduziert, kompensiert oder durch Kohlenstoffbindungen ausgeglichen werden.

Klimawandel
Klimawandel meint die langfristige Abkühlung oder Erwärmung des Klimas. Er wird z. B. durch veränderte Niederschlagsmengen oder Extremwetterereignissen deutlich. Die aktuell globale Erderwärmung ist durch die Verstärkung des natürlichen Treibhauseffekts bedingt, der auf extreme Treibhausgasemissionen des Menschens zurückzuführen ist.

Klimatransformation
Klimatransformation meint die ganzheitliche Wandelung hin zu klimafreundlichem bzw. klimaneutralem Handeln. Der Begriff wird meist im Zusammenhang mit unternehmerischen Tätigkeiten oder Wirtschaften als Ganzes verwendet und zielt dabei auf einen umfassenden Umbau wirtschaftlichen Handelns, z. B. durch Dekarbonisierung oder CO2-reduzierende Maßnahmen.

Konsistenz
Konsistenz ist eine Nachhaltigkeitsstrategie, die auf den Einsatz alternativer Technologien und Stoffe abzielt und Beeinträchtigungen bzw. die Zerstörung von Ökosystemen verhindern will. Dies erfolgt meist durch Kreislaufsysteme, bei denen alle eingesetzten Materialien wiederverwertet werden.

Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft ist ein nachhaltiges und regeneratives Wirtschaftssystem nach dem Vorbild natürlicher Kreisläufe. Der ganzheitliche, ressourceneffiziente Ansatz zielt auf die Optimierung der Lebens- und Nutzungsdauer von Materialien und Vermeidung von Abfällen. Dies wird durch kontinuierliche Energie- und Materialkreisläufe realisiert, in denen alle Ressourcen weiter- und wiederverwertet werden. Kreislaufwirtschaft stellt das Gegenteil zur Linearwirtschaft dar.

Kyoto-Protokoll
Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 als Zusatzprotokoll zur Klimarahmenkonvention (UNFCCC) der Vereinten Nationen beschlossen und gilt als Meilenstein im internationalen Klimaschutz.
Es legt erstmals rechtsverbindliche Begrenzungs- und Reduzierungsverpflichtungen zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgasenemissionen für Industrieländer fest. Zur Erfüllung dieser Ziele sind drei wesentliche Mechanismen vorgesehen (Emissionshandel, Mechanismus der Joint Implementation, Clean Development Mechanism).

Lieferkettengesetz
Das Lieferkettengesetz (Sorgfaltspflichtengesetz) wurde im Juni 2021 mit dem Ziel, den Schutz von Menschenrechten und der Umwelt in globalen Lieferketten zu verbessern, verabschiedet. Unternehmen sind je nach Größe ab 2023 bzw. 2024 verpflichtet, bestimmte Sorgfaltspflichten zu beachten, z. B. ein Risikomanagement und Präventionsmaßnahmen vorzunehmen. Auf europäischer Ebene wird ein Entwurf für ein EU-Sorgfaltspflichtengesetz (EU-Lieferkettengesetz) erarbeitet.

Linearwirtschaft
Linearwirtschaft ist das aktuelle vorherrschende, nicht nachhaltige, Wirtschaftssystem, das sich u. a. durch den linearen Lebenszyklus von Produkten auszeichnet. Ressourcen und Rohstoffe werden gefördert, verarbeitet, für einen bestimmten Verwendungszweck genutzt und in der Regel anschließend weggeworfen („Wegwerfwirtschaft“), eventuell recycelt. Linearwirtschaft stellt das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft dar.

Materialzirkularität
Die Materialzirkularität beschreibt, wie kompatibel ein Unternehmen, ein bestimmtes Modell oder ein Produkt mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ist. Relevant sind dafür insbesondere Ausmaß und Effektivität des Materialflusses innerhalb eines Kreislaufsystems. Die Materialzirkularität kann durch den Materialzirkularitätsindikator beschrieben werden, welcher z. B. den Anteil wiederverwerteter Komponenten und die Recycling-Effizienz einbezieht.

Nachhaltigkeitsberichterstattung
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist eine umfassende Darstellung von Auswirkungen in Bezug auf die Nachhaltigkeitsdimensionen, welche durch Tätigkeiten von Unternehmen und Organisationen verursacht werden. Nachhaltigkeitsberichte werden in der Regel öffentlich gemacht und dienen u. a. dem Nachhaltigkeitsmanagement und zu Transparenz- und Kommunikationszwecken. 
Mit Änderung der europäischen CSR-Richtlinie zur Integration von nichtfinanziellen Informationen in die Berichterstattung wird eine Vielzahl von Unternehmen und Organisationen ab dem Berichtsjahr 2023 direkt bzw. indirekt verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen.

Nachhaltigkeitsdreieck
Das Nachhaltigkeitsdreieck ist eine Darstellung der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales in Form eines Dreiecks. Das gleichschenklige Dreieck verdeutlicht die Beziehung der Dimensionen zueinander sowie deren Gleichwertigkeit und Verbundenheit.

Nachhaltigkeitsdimensionen
Unter Nachhaltigkeitsdimensionen werden die drei wesentlichen, gleichberechtigen und sich gegenseitig bedingenden Elemente der Nachhaltigkeit (Ökologie, Soziales und Ökonomie) verstanden.

Nachhaltigkeitsstrategie der EU
Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU wurde 2001 in der EU Sustainable Development Strategy (EU-SDS) festgeschrieben und zielt auf die Umsetzung der Agenda 2030. Wichtige Ansätze der EU-SDS wurden in den European Green Deal integriert und dort fortgeschrieben.

Obsoleszenz
Obsoleszenz im wirtschaftlichen Sinne meint das Abnutzen, Altern oder aus der Mode kommen von Gebrauchsgegenständen durch Ablauf der Lebens- oder Nutzungsdauer. Gründe dafür sind z. B. material- und nutzungsbedingten Qualitätsverlust, aber auch individuelle Beweggründe wie Wegfall des Nutzungsinteresses. In der Linearwirtschaft wird durch Hersteller teilweise bewusst die Produktlebensdauer eingeschränkt (bewusste Obsoleszenz), um Kunden zu Neuanschaffungen zu bewegen.

Offenlegungs-Verordnung
Die Offenlegungs-Verorderung der EU (Transparenz-Verordnung) wurde im November 2019 als Bestandteil des Sustainable Finance Aktionsplan der EU verabschiedet. Sie enthält nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken, im Finanzdienstleistungssektor.

Ökodesign
Ökodesign ist ein umfassender Gestaltungsansatz, der darauf abzielt, Produkte so zu entwerfen, dass sie während der gesamten Lebensdauer ihre Umweltleistung verbessern. Bereits in der Designphase sind daher Faktoren wie Energieverbrauch, Wartung, Reparatur, Wiederverwertung und Abfallbehandlung einzubeziehen. Die EU hat eine Ökodesign-Richtlinie zur Festlegung produktgruppenspezifischer Mindestanforderungen verabschiedet. 

Ökoeffektivität
Der Begriff der Ökoeffektivität wurde im Zusammenhang mit dem Cradle to Cradle Ansatz geprägt. Innerhalb wirtschaftlicher Prozesse soll kein Abfall entstehen, sondern alle Ressourcen und Materialien wie bei der Kreislaufwirtschaft wiederverwertet und so positive Mehrwerte für Umwelt und Natur geschaffen werden. Die Ökoeffektivität geht über den Ansatz der Ökoeffizienz hinaus, welche (lediglich) die Reduzierung negativer Umwelteinflüsse anstrebt. Im weiteren Sinne wird Ökoeffektivität auch als Konsistenz (Nachhaltigkeitsstrategie) verstanden.

Ökoeffizienz
Ökoeffizienz ist eine Nachhaltigkeitsstrategie, die versucht, ökologische und ökonomische Aspekte in Ausgleich zu bringen. So sollen Umweltbelastungen durch effiziente Energie- und Ressourcennutzung vermindert und gleichzeitig (Produktions-) Kosten verringert werden.  Ökoeffizienz zielt nicht zwingend auf Regeneration von Ökosystemen ab. Sie sollte daher durch weitere Nachhaltigkeitsstrategien (Konsistenz, Suffizienz) vervollständigt werden.

Pariser Klimaabkommen
Das Pariser Klimaabkommen wurde 2015 durch die Vereinten Nationen auf der Klimakonferenz in Paris zur Bekämpfung des Klimawandels verabschiedet. Als globales Klimaziel wird die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst aber unter 1,5 Grad Celsius, angestrebt.

Planetare Grenzen
Planetare Grenzen sind neun von Wissenschaftler*innen bestimmte ökologische Belastbarkeitsgrenzen der Erde, deren Erreichen bzw. Überschreitung zur unumkehrbaren Instabilität von Ökosystemen führt und so die Existenzgrundlage für Leben auf der Erde bedroht. Wichtige planetare Grenzen sind der Klimawandel, der Rückgang von Biodiversität und die Versauerung der Meere. Es wird davon ausgegangen, dass einige planetare Grenzen bereits erreicht sind bzw. sehr bald erreicht sein werden.

Product Carbon Footprint
Der Product Carbon Footprint (PCF) ist eine Methode zur Berechnung des Treibhauspotenzials eines Produkts oder einer Dienstleistung, angegeben in CO2 Äquivalenten. Die Ermittlung der Klimawirkung erstreckt sich auf den gesamten Produkt- bzw. Dienstleistungslebenszyklus. Zur Bestimmung des PCF werden verschiedene ISO-Standards sowie der Product Standard des Greenhouse Gas Protocol herangezogen.

Rat für Nachhaltige Entwicklung
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung ist ein seit 2001 von der Bundesregierung berufener fachlich unabhängiger Rat, der die Regierung zur Nachhaltigkeitspolitik berät. Er setzt sich aus Personen des öffentlichen Lebens aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Der Rat hat u. a. den Deutschen Nachhaltigkeitskodex veröffentlicht.

Representative Concentration Pathways (RCPs)

Die Representative Concentration Pathways (RCPs) wurden für den fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) entwickelt. Es handelt sich dabei um Werte, die vier Zukunftsszenarien für Änderungen des Strahlungsantriebs durch anthropogene Treibhausgase darstellen: RCP 2.6, RCP 4.5, RCP 6 und RCP 8.5. Diese Werte stehen für die im Jahr 2100 zu erwartende Änderung des Strahlungsantriebs im Vergleich zum vorindustriellen Antrieb (1850).
RCP 4.5 zum Beispiel bedeutet einen Strahlungsantrieb von 4,5 W/m2.

Rebound-Effekt
Der Rebound-Effekt (auch Rückschlageffekt) tritt ein, wenn sich positive Effekte von Effizienzsteigerungen (im Kontext der Nachhaltigkeit: Energie- und Ressourceneffizienz) nicht vollständig realisieren, weil es durch verändertes Nutzungsverhalten an anderer Stelle zu einem direkten oder indirekten Mehrverbrauch kommt. Rebound-Effekte können sich auf verschiedene Ebenen beziehen (z. B. Unternehmen, Haushalte, gesamtwirtschaftlich, international).

Rezyklat
Rezyklate sind Sekundärrohstoffe oder Gegenstände, die durch Recycling von Kunststoffabfällen gewonnen werden. Dies erfolgt z. B. durch Mahlen (Mahlgut) oder Einschmelzen (Regranulat) der Abfälle bzw. Beigabe von Zusätzen (Regenerat). Rezyklate verlängern die Lebensdauer vorhandener Ressourcen und spielen z. B. in der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle.

Suffizienz
Suffizienz bedeutet „ausreichen“ oder „genügen“ und stellt die Frage nach dem richtigen Maß. Im Kontext der Nachhaltigkeit richtet sie sich auf einen geringeren Ressourcenverbrauch, um die Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten und ist auf Anpassung menschlicher Bedürfnisse bzw. des Konsumverhaltens gerichtet. Suffizienz ist neben Effizienz und Konsistenz ein wichtiger Bestandteil einer jeden Nachhaltigkeitsstratgie. 

Sustainable Finance
Sustainable Finance meint den im Juli 2021 überarbeiteten Aktionsplan der Europäischen Kommission für nachhaltige Finanzen zur Erreichung der Ziele des European Green Deal. Investitionen in nachhaltiges Wirtschaften sollen gefördert werden. Wesentliche Bausteine dafür sind die Einführung eines einheitlichen EU-Klassifikationssystem (EU-Taxonomie) und eines Eco-Labels für Finanzprodukte (Green Bond Standard) sowie die Festlegung bestimmter Transparenzpflichten in Bezug auf Nachhaltigkeit (Offenlegungs-Verordnung).

Taxonomie-Verordnung
Die Taxonomie-Verordnung der EU legt Kriterien fest, nach denen Wirtschaftstätigkeiten als „ökologisch nachhaltig“ einzustufen sind. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines Umweltzieles (z. B. Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft) leisten. Die Taxonomie-Verordnung richtet sich an Anbieter von Finanzprodukten, verpflichtet aber (indirekt) auch Unternehmen, die aufgrund der Corporate Sustainabilitiy Reporting Directive zur nichtfinanziellen Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind. Die Taxonomie-Verordnung gilt ab 2022.

Technosphäre
Technosphäre meint die Gesamtheit der durch den Menschen geschaffenen technischen Umgebung. Im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft sind schadstofffreie, nicht organische Materialien und Gebrauchsgüter aus der Technosphäre (z. B. Metalle) von Bedeutung, da sie insbesondere in technischen Kreisläufen Verwendung finden bzw. dort zirkulieren.

Transparenz-Verordnung
Transparenz-Verordnung meint die Offenlegungs-Verordnung der EU.

Treibhausgasemissionen
Treibhausgase sind gasförmige Bestandteile der Atmosphäre, die Einfluss auf die Energiebilanz der Erde haben und den Treibhauseffekt bewirken. Treibhausgasemissionen von Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und verschiedenen fluorierten Treibhausgasen (F-Gase), die auf Aktivitäten des Menschen zurückzuführen sind, bedingen den Klimawandel.

Triple Bottom Line
Der Triple Bottom Line Ansatz ist eine 1994 von John Elkington für Unternehmen vorgenommene Spezifizierung des Drei-Säulen-Modells der nachhaltigen Entwicklung. Er dient als Leitbild unternehmerischer Verantwortung. Die „Bottom Line“, also das Ergebnis unter dem Schlussstrich der Gewinn-und-Verlust-Rechnung, beschreibt die Leistung eines Unternehmens sowohl in finanzieller als auch sozialer und ökologischer Hinsicht.

Triple Top Line
Der Triple-Top-Line Ansatz befasst sich mit den Auswirkungen von Produktdesign auf die Nachhaltigkeitsdimensionen. Er basiert auf dem Cradle to Cradle Konzept. Im Gegensatz zum Triple Bottom Line Ansatz geht es nicht nur um den Ausgleich der Dimensionen und die Reduzierung von Nachteilen, sondern vielmehr um die Schaffung positiver Effekte. Es sollen Produkte hergestellt werden, die gesellschaftliche und ökologische Vorteile bringen und zugleich ökonomischen Wert haben.

Wertschöpfungsketten
Eine Wertschöpfungskette meint die Abfolge der Kerntätigkeiten eines Unternehmens und beschreibt das Maß der wirtschaftlichen Leistung, die dadurch erbracht wird. Wertschöpfung wird meist als rein finanzieller Mehrwert verstanden, kann aber z. B. bei nachhaltigen Wirtschaftssystemen (z. B. Kreislaufwirtschaft) auch in ökologischen oder gesellschaftlichen Vorteilen liegen.
 


Kreislaufwirtschaft – Designstrategien und Geschäftsmodelle

Kreislaufwirtschaft ist das Neue Wirtschaften!

Wichtigste Merkmal der zirkulären Art zu Wirtschaften ist Ressourcennutzung im Kreislauf, mit Mehrwert für Umwelt, Mensch und Wirtschaft.

Die Gestaltung dieser Kreisläufe erfordert ein besonderes Systemverständnis und innovative Prozessabläufe.
Und Kreativität, so dass neue Branchen und eine neue Art von Arbeiten, entstehen können.

Die Chancen auf Zukunftsfähigkeit stehen gut für Unternehmen, die dabei die wichtige Rolle von Designstrategien und Geschäftsmodellen verstehen und den Mut haben, neue Wege zu gehen!

Unerschöpfliche Potentiale

Die Nutzung von Ressourcen und Materialien im Kreislauf bietet beinahe unerschöpfliche Wertschöpfungspotentiale.

Beschaffungsrisiken, Preisschwankungen und Lieferengpässe verringern sich. Durch die Wiedernutzung werden zusätzliche Werte generiert. Material- und Herstellungskosten werden aufgrund der Lebensdauer von Produktion reduziert. Durch Aufarbeitung entstehen neue Produkte, neue Mehrwerte.

Um kreative und innovative Ideen zu entwickeln, wie sich diese Potentiale in reale zirkuläre Produkte und Dienstleistungen umsetzen lassen, ist es hilfreich, sich inspirieren zu lassen und unser Mindset von „Linearwirtschaft“ auf „Kreislaufwirtschaft“ zu verändern.

Inspiration ist wichtig

Spannende Beispiele aus verschiedensten Branchen existieren bereits.

So stellt das amerikanische Unternehmen Ecovative aus Myzel-Pilzwurzeln und anderen landwirtschaftlichen Nebenprodukten umweltfreundliche, biologisch abbaubare Verpackungen her.

Im Bereich Mode gibt es innovative Modelle wie Leihservices für bestimmte Kleidungsstücke für eine festgelegte Dauer oder Reparaturangebote direkt vom Hersteller.
Sportschuhe, die aus recyclefähigen Materialien bestehen, aber ohne Klebstoffe produziert werden, so dass sie später zu neuen Schuhen aufgearbeitet werden können, hat Adidas entworfen.

Die Pasta-Marke Barilla kooperiert mit dem Papierhersteller Favini im Projekt „Cartacrusca“ und gewinnt aus der Verarbeitung von Weizen Kleiereste, welche nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Diese Reste werden zusammen mit Zellstoff zu Papier verarbeitet.

Aber auch in „klassischen“ Industriezweigen der Linearwirtschaft wie die der Automobilbranche ist zirkuläres Wirtschaften durchaus denkbar. So schafft Renault in Flins ein Zentrum für Kreislaufwirtschaft rund um die Mobilität (Re-FACTORY) mit dem Ziel einer negativen CO2-Bilanz bis 2030.

Im Anfang liegt der Erfolg

Was macht den Erfolg dieser Beispiele aus? Worauf kommt es in der Kreislaufwirtschaft an?

Ein Blick auf die Phasen eines Kreislaufes zeigt, dass Materialgewinnung, Produktion, Vertrieb, Nutzung, Nachnutzung (einschließlich Reparatur- oder Umarbeitungsprozessen) und Verwertung (Recycling bzw. Rohstoffrückgewinnung) abgestimmt werden müssen.
Hinzukommen Stoffströme, Produktionsweisen, Produktionsbedingungen und das Zusammenwirken von Herstellern und Dienstleistungsanbietern.

Um den Anforderungen der Kreislaufwirtschaft gerecht zu werden, sollten Ressourcenkreisläufen möglichst geschlossen werden („closing resource loops“), insbesondere also Materialien ohne Abfallanfall wiederverwendet werden. Dies funktioniert durch Nachnutzung und Verwertung im weitesten Sinne. So entsteht ein Kreislauf zwischen Produktlebensende (bisher „wegwerfen“) und Produktion.

Bei der Verlangsamung von Ressourcenkreisläufen („slowing resource loops“) wird durch die Gestaltung von langlebigen Gütern die Produktlebensdauer und die Nutzungsdauer von verlängert oder intensiviert.
Dies kann einen Beitrag zu weniger Ressourcenverbrauch leisten, wenngleich es keine reine Form der Kreislaufwirtschaft darstellt. Dennoch kann die zeitweilige Verlangsamung als Zwischenstufe bei der Transformation hin zu geschlossenen Kreisläufen dienen.

Erfolg wird also daran gemessen werden, ob all diese Mechanismen antizipiert und harmonisiert werden. Erfolg wird am Anfang gemacht: Bei den Designstrategien und Geschäftsmodellen.

Design zur Verlangsamung von Ressourcenkreisläufen

“Produktdesign für langlebige Produkte” kann einerseits für emotionale Langlebigkeit erfolgen. Es fokussiert dann auf einer emotionalen Bindung und vertrauen zwischen Kunden und Produkt.
Oder es zielt insbesondere auf physische Langlebigkeit ab. Dann wird das Produkt qualitativ hochwertig und für eine lange Lebensdauer konzipiert.

Davon unterschieden wird das „Produktdesign zur Verlängerung der Produktlebensdauer”. Hier wird der Designschwerpunkt auf die Verlängerung der Nutzungsdauer, Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit, Aufrüstbarkeit und Anpassungsfähigkeit, Standardisierung und Kompatibilität oder auch auf Zerlegung und Wiederzusammenbau gelegt. Das Fairphone bietet zum Beispiel einzelne verbesserte Module zum Selbsteinbau an.

Design zur Schließung von Ressourcenkreisläufen

“Design für den technologischen Kreislauf” umfasst vor allem Gebrauchs- oder Dienstleistungsprodukte. Ziel ist es, Produkte so zu entwickeln, dass die Materialien („technische Nährstoffe“) kontinuierlich und sicher zu neuen Materialien oder Produkten recycelt werden können. Dabei muss die Qualität der Materialien mindestens gleichbleiben, es darf also kein „Downcycling“ erfolgen. Die Recyclefähigkeit muss bereits im Produktdesign berücksichtigt werden.

Das „Design für den biologischen Kreislauf”, bezieht sich insbesondere auf Verbrauchsprodukte. Diese müssen mit sicheren und gesunden Materialien („biologische Nährstoffe“) konzipiert werden, die während ihres gesamten Lebenszyklus Nahrung für natürliche Systeme bilden und ausschließlich biologisch abgebaut werden. Innovative Beispiele sind Häuser aus Hanf und T-Shirts aus Holz.

Beim „Design für Demontage und Wiederzusammenbau” geht es um die Wiederverwendung von Produkten, deren Komponenten und Materialien. Diese sollen leicht getrennt und wieder zusammengebaut werden können. Besonders wichtig ist diese Trennung bei Materialien, die in unterschiedliche Kreisläufe (biologische und technische) eingehen.
Relevant wird diese Designstrategie beispielsweise bei Möbeln oder Elektronikgeräten, wo Schrauben bisherige Klebstoff-Verbindungen ersetzen können.

Geschäftsmodelle zur Verlangsamung der Ressourcenkreisläufe

Beim „Zugangs- und Leistungsmodell” geht es um die Bereitstellung von Fähigkeiten oder Dienstleistungen, um die Bedürfnisse der Nutzer zu befriedigen, ohne dass sie die Produkte erwerben müssen. Sie nutzen sie “nur”. Service und Wartung werden vom Hersteller oder Einzelhändler gegen eine Gebühr pro Dienstleistungseinheit (Zeit, Anzahl der Nutzungen, Leistung) übernommen.
Hersteller können so höhere Gewinne durch Langlebigkeit, Energieeffizienz, Wiederverwendbarkeit und Reparierbarkeit erzielen. Nach Lebensende des Produkts kann der Restwert liquidiert oder in der eigenen Produktion wiederverwendet werden. Nutzer senken Kosten, wenn die Nutzung reduziert wird (z. B. Carsharing). Potenziell verringert sich zudem der Gesamtbedarf an physischen Gütern.

Bei der “Erweiterung des Produktwerts” steht die Nutzung des Restwerts von Produkten
im Mittelpunkt. Aufrüstbarkeit und Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Bedürfnisse sind hier ausschlaggebend. Materialkosten können so reduziert werden.
Der Hersteller kann dann ein erschwingliches „neuwertiges“ Produkt durch Wiederaufbereitung oder Reparatur alter Produkte oder durch andere Strategien zur Verlängerung der Produktlebensdauer liefern.
Das Geschäftsmodell umfasst Rücknahmesysteme (z. B. ein Pfandsystem bei Getränkeflaschen) und Kooperationen (z. B. mit Einzelhändlern, Logistikunternehmen und Sammelstellen). Heute wird dies im Bereich Elektronik von anderen Anbietern genutzt, so kauft zum Beispiel Green Panda Notebooks von Firmen auf und bietet sie dann aufbereitet seinen Kunden an.

Das „klassische Modell mit langer Lebensdauer und Förderung der Suffizienz” strebt
hochwertige, langlebige Produkte und einen hohen Servicegrad (z. B. Reparatur, Wartung) an.
Der Anschaffungspreis ist oft ein „Aufschlag“, der in der Regel die langfristigen Kosten für Service und Produktgarantie über die gesamte Lebensdauer des Produkts abdeckt.
Der Suffizienz-Ansatz zielt aktiv darauf ab, den Konsum des Kunden zu reduzieren. Dies wird beispielsweise durch einen nicht verbraucherorientierten Ansatz bei Werbung und Verkauf (z. B. kein Überverkauf, keine Verkaufsprovisionen für Angestellte, keine Sonderangebote) umgesetzt.

Geschäftsmodelle zur Schließung von Kreisläufen

In diesem Bereich wird zwischen zwei Ansätzen unterschieden.

Das Modell „Erweiterung des Ressourcenwerts“ orientiert auf die Sammlung oder Beschaffung von ansonsten „verschwendeten“ Materialien und Ressourcen, um diese neuen Formen der Wertschöpfung zu zuführen. Der Restwert von Ressourcen wird genutzt und so die Attraktivität des Produkts für bestimmte Kunden gesteigert (z. B. an Nachhaltigkeit orientierte Kunden). Gleichzeitig werden Materialkosten und der Gesamtpreis des Produkts gesenkt. Erforderlich ist, dass neue Kooperationen und Rücknahmesysteme für die Sammlung und Beschaffung von Materialien eingerichtet werden.

Die “Industrielle Symbiose” ist eine prozessorientierte Lösung, bei der Abfälle oder Nebenprodukte aus einem Prozess in Rohstoffe für einen anderen Prozess oder eine andere Produktlinie umgewandelt werden.
Ein Paradebeispiel für lokale industrielle Symbiose auf Prozess- und Fertigungsebene ist die „Kalundborg Symbiosis“ in Dänemark. In einem Industriegebiet teilen und nutzen 12 Unternehmen Abwasser, Abwärme und Materialien aus den anderen Unternehmen.

Bei der industriellen Symbiose werden also Ressourcen gemeinsam genutzt und wiederverwendet, dadurch Abfallmengen minimiert und Gesamtbetriebskosten (z. B. gemeinsame Nutzung kommunaler Dienstleistungen) und Risiken (z. B. Umweltauflagen) verringert. In der Schaffung neuer Geschäftszweige auf der Grundlage ehemaliger Abfallströme liegen zusätzliche Potentiale.

Im Kalundborg Beispiel haben die Unternehmen jährlich 635.000 Tonnen CO2 und 24,2 Millionen Euro betriebswirtschaftliche Kosten eingespart.

Während die industrielle Symbiose häufig auf der Prozess- und Fertigungsebene stattfindet und Unternehmen profitieren, die eng in einem geografischen Gebiet angesiedelt sind (z.B. Industriepark), findet die „Erweiterung des Ressourcenwerts“ häufig auf der Produktebene statt und kann über geografische Gebiete hinweg erfolgen.

Neuausrichtung

Entscheidend für die Transformation von Linearwirtschaft zu Kreislaufwirtschaft sind Geschäftsmodelle und Designstrategien und deren Ineinandergreifen.

Eine Herausforderung liegt darin, bereits auf Designebene und beim Entwurf von Geschäftsmodellen zu durchdenken, wie sich alle Elemente im Kreislaufsystem rückkoppeln lassen. Das ist umfassend, komplex und erfordert in vielen Bereichen eine Neuausrichtung.

Neuausrichtung zum einem im Denken: Die Nutzung von Dingen nimmt an Bedeutung zu. Konsum im klassischen Verständnis ändert sich. Eigentum und Besitz verschwimmen. Aus einer Produktionswirtschaft entsteht eine „performance economy“.

Neuausrichtung in Logistik und Management: Stoffströme müssen in der Kreislaufwirtschaft über den gesamten Lebenszyklus kontrolliert, Bedarfe und deren Deckung überwacht, Ab- und Umbau von Materialien koordiniert und die Begleitung, Pflege, Reinigung und Rückführung der Materialien organisiert werden.

All diese neuen Ausrichtungen sollten antizipiert werden und sich dann in den Geschäftsmodelle und Designstrategien widerspiegeln.

Hinzukommen Aspekte wie beispielsweise die Bestimmung der Materialzirkularität oder die Vermeidung des Rebound-Effekts auf Unternehmensebene. Diese klingen wie Randthemen, werden aber entscheidend sein für eine erfolgreiche Transformation.

Erfolg wird wohl auch von neuen Kompetenzen abhängen. Aus Erfahrung wissen wir, dass es dabei auf Expertenwissen allein nicht ankommt, sondern ein Wirkungsmodell notwendig ist, das auf Ziel, Regulatorik, Strategie, Methoden und Kommunikation und deren Wirkung untereinander fokussiert.

Die Investmentgesellschaft Blackrock hat 2009 in Partnerschaft mit der Ellen MacArthur Foundation – einer Vordenker NGO im Bereich Kreislaufwirtschaft – einen Circular Economy Fund aufgelegt.
Auch wenn Blackrock in vielerlei Hinsicht kritisiert werden kann, so ist dieser Schritt ein klares Signal, dass die Kreislaufwirtschaft von „alternativen“ Kreisen nun in der Mainstream-Wirtschaft ankommt.

Der Circular Economy Fund sucht gezielt nach Unternehmen, die beispielsweise „Wegbereiter“ oder „Anpasser“ im Hinblick auf zirkuläres Wirtschaften sind.

Wir fragen uns: Wer wollen Sie sein? Wo stehen Sie jetzt? Wo wollen Sie hin?

Wir holen Sie ab!

Für weitere Fragen und Praxisbeispiele steht Ihnen unsere Expertin Bettina Schlüter (mail to: bettina.schlueter@unoino.de) zur Verfügung.

You know I know – UNO INO

Kreislaufwirtschaft – The Basics

Kreislaufwirtschaft (Englisch: Circular Economy) ist längst kein utopisches Denken mehr – sie ist die Voraussetzung dafür mit den begrenzten Ressourcen dieser Welt in Wohlstand zu leben. Sie ist Vision und sie ist Herausforderung. Sie ist Innovationstreiber und Bindeglied zwischen allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette, vom Lieferanten zum Produzenten, vom Kunden zum Entsorger, vom Reparateur zum Ingenieur.
 
Kreislaufwirtschaft ist machbar: Die Idee einer zirkulären Wirtschaftsweise ist in verschiedenen Initiativen und Praxisbeispielen bereits zum Leben erweckt worden.
 
Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr aufzuhalten: Auf höchster EU-Ebene wurde die Kreislaufwirtschaft zu einer tragenden Säule für eine Nachhaltige Entwicklung erklärt.
 
Kreislaufwirtschaft ist natürlich: Sie ist im optimalen Sinne ein regeneratives System. Genau das, was unser Planet, unsere Wirtschaft, wir alle, dringend benötigen.
 
Kreislaufwirtschaft ist Zukunftssicherung: Es ist also höchste Zeit, sich mit dieser visionären Idee genauer zu beschäftigen.

Das Ende der Linearwirtschaft

Das aktuelle globale Wirtschaftssystem der Linearwirtschaft zeichnet sich durch den linearen Lebenszyklus von Produkten aus. Produkte werden produziert, gekauft, genutzt und anschließend weggeworfen, eventuell recycelt („take, make, waste“).
 
Charakteristisch für diese „Wegwerfwirtschaft“ ist übermäßiger Konsum und Kurzlebigkeit. So ist beispielsweise die Lebensdauer von Produkten allein zwischen 2000 und 2015 um 20% zurückgegangen.
 
Ein weiteres Merkmal der Linearwirtschaft ist die Konkurrenz von Ökologie und Ökonomie. Die derzeitige Quote der Rückführung von Sekundärrohstoffen in die Wirtschaft beträgt nur 12 %. Der Rest bleibt ungenutzt und geht verloren. Angesichts der Tatsache, dass bei der Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen rund 50 % der globalen Treibhausgasemissionen und mehr als 90 % des Biodiversitätsverlusts und der Wasserverknappung verursacht werden, kann man hier von Ausbeutung sprechen. Diese Art des Wirtschaftens hat den Klimawandel verursacht. Sie hat die Menschheit an den Rand der Planetaren Grenzen (für mehr Infos zu Planetaren Grenzen siehe auch Beitrag „Die Bedeutung der Nachhaltigkeit für zukunftsfähiges Wirtschaften“ Teil 1) gebracht.
 
Gleichzeitig hat sie ein exponentielles Wachstum ermöglicht und zu einem explosionsartigen Anstieg der Weltbevölkerung geführt. Letzteres ist sicher erfreulich, bringt aber auch herausfordernde Konsequenzen mit sich. Laut Berechnungen der Vereinten Nationen wird sich der jährliche globale Ressourcenverbrauch bis 2060 verdoppeln. Bereits jetzt ist vorhersehbar, dass es zu Ressourcenknappheit (resource scarity) kommen wird. Ressourcen wie beispielsweise Kupfer werden zum Teil nur noch wenige Jahrzehnte verfügbar sein. 

Quelle: http://www.fraw.org.uk/data/tech/new_scientist_2007.pdf

Faktisch hat die Linearwirtschaft ausgedient. Sie hat sich insbesondere durch Rohstoffausbeute selbst ihre eigene Grundlage entzogen: Ohne Rohstoffe kein Wirtschaften. 

Kreislaufwirtschaft – Wirtschaften radikal neu gedacht

Ein radikales Neudenken ist daher erforderlich. Notwendig ist die Erkenntnis, dass wir einen anderen Austausch zwischen Mensch und Natur und den Menschen untereinander brauchen.
Eine ökonomische, soziale und ökologische Symbiose, eine Interaktion von Wirtschaft und Umwelt.
 
Dies ist der Gegenentwurf zur Linearwirtschaft und die Grundidee der Kreislaufwirtschaft. Basierend auf dem von Michael Braungart entwickeltem Cradle to Cradle Prinzip nimmt die Kreislaufwirtschaft die Natur zum Vorbild und strebt einen geschlossenen (perfekten) Kreislauf an.
 
Kreislaufwirtschaft wird als nachhaltiges, restauratives und regeneratives Wirtschaftssystem verstanden, bei dem die eingesetzten Materialien, Komponenten und Produkte soweit wie möglich auf ihrem höchsten Nutzen und Wert gehalten werden. Nach ihrer Nutzung dienen sie als Ausgangsstoffe für neue, schadstofffreie, Produkte und zirkulieren so kontinuierlich in Kreisläufen. Das End-of-Life-Konzept der Linearwirtschaft wird aufgebrochen und eine „after-use Wirtschaftlichkeit“ realisiert.

Naturverträgliche Systeme

Kreislaufwirtschaft zielt auf eine naturverträgliche Gestaltung von Wirtschaftssystemen.
 
Gewöhnlicherweise streben Nachhaltigkeitskonzepte eine effiziente Reduzierung von Umwelteinflüssen (ökologischer Fußabdruck) bestenfalls auf „Null-Emissionen“ an. Die Kreislaufwirtschaft geht einen Schritt weiter. Nach dem Prinzip der „Öko-Effektivität“ (nach Braungart) wird auf „natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse” abgezielt, so dass Verbesserungen, also qualitative Mehrwerte, entstehen und sich Natur und Umwelt bestenfalls regenerieren können. Wie in der Natur soll es keinen Abfall geben, sondern alles wird verwertet.
 
Die Umsetzung dieses Grundgedankens gelingt über Kreisläufe, denn sie erhalten den Wert des Produktes, verbrauchen so weniger endliche Ressourcen und minimieren Abfälle und Umweltverschmutzung (im Idealfall wie in der Natur bis auf „Null“). Im Hinblick auf Emissionen wie CO2 spielen erneuerbare Energien eine entscheidende Rolle und die vollständige Entkopplung von fossilen Brennstoffen (Dekarbonisierung) wird angestrebt.
 
Schließlich stellen die in den Kreisläufen zirkulierenden Stoffe selbst Naturverträglichkeit sicher, denn es werden nur chemisch unbedenkliche Stoffe und reine Materialen verwendet. Dabei wird in den biologischen und den technischen Kreislauf mit jeweils verschiedenen Phasen unterschieden.

Quelle: https://ellenmacarthurfoundation.org/circular-economy-diagram
Ellen MacArthur Foundation

Im biologischen Kreislauf befindet sich alles, was natürlich ist (also der Biosphäre zuzuordnen ist) und verbraucht werden kann. Diese Verbrauchsmaterialien (z. B. Naturfasern, nachwachsende Rohstoffe) und Verbrauchsgüter (z. B. essbare Kosmetik, biologisch abbaubare Verpackungen) sind kompostierbar oder abbaubar. Aus dem „Abfall“ wird insofern Nahrung für ein neues Produkt.
 
Im technischen Kreislauf zirkulieren schadstofffreie, nicht organische Materialien und Gebrauchsgüter aus der Technosphäre (z.B. Metalle, chemische Produkte). Sie dürfen keine Verunreinigung der Umwelt oder des menschlichen Körpers hervorrufen und möglichst keinen Abfall produzieren. Die Materialien werden nach ihrer Nutzung in Ausgangsstoffe zerlegt und für neue Produkte im Kreislauf verwendet.

Umfassende Wertschöpfung

Kreislaufwirtschaft zielt auf Wertschöpfung ab.
 
Wertschöpfung ist dabei umfassend zu verstehen. Es kommt folglich nicht allein auf rein finanzielle Mehrwerte oder Gewinne an.
So kann beispielsweise auch der reine Gebrauch einer Sache eine Wertschöpfung darstellen. Die Nutzung von Werkzeugen in Repair-Cafes, Car-Sharing oder Waschsalons sind bereits bekannte Modelle dafür. Diese verdeutlichen, dass eine neue Denkhaltung, zum Beispiel in Bezug auf den Eigentumsbegriff, notwendig und eine andere Qualität von Miteinander möglich ist. 
 
Da bei der Kreislaufwirtschaft schädliche Auswirkungen vermieden werden, ist auch die Erhaltung von Natur und Umwelt als unsere Lebensgrundlage als Wertschöpfung zu begreifen. Es entstehen keine Folgekosten durch Umweltverschmutzungen. Diese „Einsparungen“ oder auch gesundheitlichen Vorteile sind ein Mehrwert. 
 
Die Kreislaufwirtschaft steht nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen. Vielmehr soll Wertschöpfung in jeder Phase eines Kreislaufs (Design, Materialgewinnung, Produktion, Vertrieb, Nutzung, Nachnutzung einschließlich Reparatur- oder Umarbeitungsprozessen und Verwertung wie z. B. Recycling bzw. Rohstoffrückgewinnung) erfolgen.
 
Voraussetzung für Wertschöpfung ist die Zusammenarbeit zwischen allen Stakeholdern eines Kreislaufsystems. Zur Optimierung sind Symbiosen erforderlich. Ein Unternehmen oder eine Branche nutzt dabei Nebenprodukte (Abfall, Energie, Wasser, Logistik, Material) der anderen. Dies ist herausfordernd und komplex und erfordert eine Neuausrichtung von Geschäftsmodellen und Designstrategien.
 
Hier erfahren Sie mehr zu Geschäftsmodellen und Designstrategien.
 
Der Anspruch ist, die Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft in Einklang zu bringen. Anders als beim Triple-Bottom-Line Ansatz (für mehr Infos siehe auch Beitrag „Die Bedeutung der Nachhaltigkeit für zukunftsfähiges Wirtschaften“ Teil 1), geht es dabei nicht allein um die Minimierung schädlicher Folgen, sondern die Maximierung von positiven Auswirkungen. Dieses „Triple Top Line“ Konzept steht im Einklang mit der Idee der Öko-Effektivität: Positive Ziele, qualitative Mehrwerte. Wertschöpfung.

Quelle: https://www.linea-futura.de/the-cradle-of-cradle-to-cradle-epea-hamburg/

Prinzipien der Kreislaufwirtschaft

Die Kernprinizipien (nach Ellen McArthur Foundation) zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft sind das Eliminieren von Abfall im Designprozess, die Wiederverwendung von Materialien und die Regeneration natürlicher Systeme. 
 
Von zentraler Bedeutung ist der Designprozess, da dort über Materialien und damit die Lebensdauer und potentiellen Weiterverwendungsmöglichkeiten (Teilen, Wiederverwenden, Reparieren, Wiederaufbereiten, Recyceln) von Produkten und Services entschieden wird.
 
Verbrauchsprodukte werden „aufgebraucht“ oder einem biologischen Kreislauf zugeführt, der diese jeweiligen Produkte oder Stoffe unbedenklich biologisch abbauen kann. Wie und in welchem spezifischen Kreislauf dies möglich ist, entscheidet sich im Designprozess.
 
Gebrauchsprodukte werden meist für den technischen Kreislauf entwickelt. Zu berücksichtigen sind insbesondere die Materialien und deren Mischung. Ein Handy kann beispielsweise verschraubt anstatt geklebt werden, so dass die Einzelteile wie Display, Akku oder Kamera nach Ablauf des Lebenszyklus abfallfrei wiederverwendet werden können.
 
Bei natürlichen Materialien sollte das „Wasserfallprinzip“ einbezogen werden, um die Lebensdauer so weit wie möglich zu verlängern. Ein frisch geschlagener Baum muss beispielsweise nicht sofort zu Sägespänen verarbeitet werden. Zur Schonung von Ressourcen und Vermeidung von Abfall, kann er vielleicht als Dachbalken Verwendung finden. Nach Ablauf dieses Zwecks kann das Holz zu einem Tisch und danach zu Kleintierstreu verarbeitet werden.
 
Von Bedeutung ist auch, ob und wie das Produkt das Gesamtsystem verbessern (regenerieren) kann. Kann es beispielsweise die Fertilität des Bodens, die Artenvielfalt oder den Nährstoffkreislauf positiv beeinflussen?

Aus der Praxis: Pay per Lux

Die Theorie der Kreislaufwirtschaft klingt gut. Aber ist sie auch umsetzbar?
 
Philips hat mit seinem Service-System „pay per lux“ gezeigt, dass eine solche Transformation funktionieren kann.
Philips hat ein Dienstleistungsangebot für Unternehmen entwickelt, bei dem das Eigentum an den Lampen nicht auf den Kunden übergeht. Der Kunde nutzt Lampen und eine bestimmte Lichtmenge zu einem monatlichen Preis. Philips übernimmt Installation, Wartung und notwendigen Reparaturen. Nach Ablauf der Lebensdauer werden die Einzelteile weiterverwendet. Einige der Vorteile: Es besteht ein Anreiz, hochwertige und langlebige Lampen zu produzieren. Wegwerfmentalität und Abfall werden vermieden, Energie wird gespart.

Politik setzt Rahmen

Ist Philips ein erfolgreiches Einzelbeispiel oder ist die Idee einer zirkulären Wirtschaft tatsächlich machbar?
 
Wahrscheinlich ist das die falsche Fragestellung. Die Frage ist längst nicht mehr, „Ob“, sondern „Wie?“. 
 
Wir können uns Megatrends wie dem Klimawandel, dem Erreichen der Planetaren Grenzen und Ressourcenknappheit nicht entziehen. Sie sind Fakt. Kreislaufwirtschaft kann entscheidend zum Unabhängigwerden von fossilen Rohstoffen und zur wirtschaftlichen und ökologischen Resilienz insgesamt beitragen.
 
Das hat auch die EU erkannt und im Rahmen ihres European Green Deals, welcher die wesentlichen Entwicklungsziele der EU bis 2030 vorgibt, eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft als wesentlich für eine Nachhaltige Entwicklung eingestuft. Zur Umsetzung hat die Europäischen Kommission 2020 im „Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft – Für ein saubereres und wettbewerbsfähigeres Europa“ das Ziel gesetzt, den Anteil kreislauforientiert verwendeter Materialien in den kommenden zehn Jahren zu verdoppeln.
 
Neben zahlreichen weiteren Gesetzpaketen soll es zur Umsetzung dieses Ziels Beschränkungen des einmaligen Gebrauchs und Maßnahmen gegen vorzeitige Obsoleszenz geben, ein Verbot der Vernichtung unverkaufter, nicht verderblicher Waren eingeführt werden, Regulierungen zur Verbesserung der Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Nachrüstbarkeit und Reparierbarkeit von Produkten beschlossen werden und ein „Recht auf Reparatur“ geschaffen werden.
 
Mit anderen Worten: Jedes Unternehmen wird früher oder später mit den gesetzlichen Vorgaben konfrontiert werden und sich damit beschäftigen müssen, wenn es zukunftsfähig bleiben oder werden will. Diejenigen, die jetzt handeln, werden sich den First-Mover-Vorteil sichern können und aktiv zur Umgestaltung beitragen können.

Herausforderungen

Dennoch kommt die Frage auf: Wie soll das gehen?
 
Kritiker meinen, Produkte und Services aus der Kreislaufwirtschaft seien zu teuer.
Vergessen wird dabei aber, dass die Linearwirtschaft eher qualitativ schlechtere Produkte herstellt, insoweit sie auf den schnellen Ablauf der Lebensdauer abzielt.
Verkannt wird auch, dass allein der Marktpreis kein ausreichendes Kriterium ist, da oft keine Internalisierung der Kosten, die durch negative Auswirkungen auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft bei Herstellung, Verbrauch und Entsorgung entstehen, erfolgt.
Am Beispiel Kunststoffe wird dies besonders deutlich. Laut WWF betrug der Marktpreis von Kunststoffen 2019 rund 3,7 Billionen US-Dollar. Rechnet man Entsorgungskosten, Kosten zur Behebung von maritimen Umweltschäden und Treibhausgaskosten ein, ergeben sich mindestens 10x höhere Kosten als der Marktpreis. Kosten der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie auf die Ökosysteme an Land sind dabei noch nicht berücksichtigt.
 
Auch die Annahme, die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft sei für Unternehmen nicht bezahlbar, erweist sich als falsch. Die „Roadmap to a Resource Efficient Europe“ der Europäischen Kommission schätzt, dass eine bessere Wiederverwendung von Rohstoffen durch industrielle Symbiosen den Unternehmen in der EU jährlich 1,4 Milliarden Euro einsparen und 1,6 Milliarden Euro Umsatz bringen könnte.
Als Wachstumspotentiale werden ein Anstieg des Brutto-Inland-Produkt der EU bis 2030 um 0,5 % und die Schaffung von 700.000 neuen Arbeitsplätzen gesehen.
 
Dennoch stehen wir vor der komplexen Herausforderung, unsere Wirtschaft umzubauen.
Dies wird nicht durch eine Revolution gelingen, sondern bedarf einer schrittweisen Entwicklung.
 
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Menschen, Regionen und Städte kann nur durch die Bündelung von Kompetenzen aller Stakeholder gelingen.
Die Politik ist dabei dazu aufgerufen, schnell notwendige Rahmen und Gesetze zum Beispiel zur verbindlichen Einführung von Rückholsystemen und der zwingenden Wiederverwendung von Nebenprodukten zu schaffen sowie entsprechende Überwachungsmechanismen einzuführen.
 
Wir alle, insbesondere Unternehmen, stehen in der Verantwortung, den gesellschaftlich-ökologischen Anspruch der Kreislaufwirtschaft umzusetzen.
 
Wir brauchen neue Lösungsansätze und Konzepte für Logistik zur Koordinierung von Stoff- und Informationsflüssen, andere Geschäftsmodelle und Designstrategien, Unternehmenssymbiosen. Wir müssen alte Verhaltensmuster aufbrechen und ein neues Mindset weg vom Wegwerfdenken entwickeln.
 
Für all das sind neben Know-How vor allem Visionen und Innovationen notwendig. Wir müssen ausprobieren, lernen und uns immer wieder neu ausrichten. 
 
Wir von UNO INO sind bereit, gemeinsam mit Unternehmen Zukunft zu gestalten.
Mit Methoden, Strategien, Erfahrung und Spaß am Ausprobieren.
 
Kreislaufwirtschaft ist keine Utopie.
Kreislaufwirtschaft ist keine Vision.
Kreislaufwirtschaft hat längst begonnen.

Für weitere Fragen und Praxisbeispiele steht Ihnen unsere Expertin Bettina Schlüter (mail to: bettina.schlueter@unoino.de) zur Verfügung.

Verpassen Sie nicht den Anschluss!
 
You know I know – UNO INO

Die Sustainable Development Goals (SDGs): Das klingt nach hochrangiger Politik und theoretischen Kontexten.

Dabei sind die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen alles andere als abstrakt. Sie bilden den konkreten Handlungsrahmen für eine nachhaltige Entwicklung.
Und zwar für uns alle.

Der Privatwirtschaft kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Unternehmen sind ausdrücklich aufgefordert, bei der Schaffung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsweisen kreativ und innovativ mitzuwirken.

Dies birgt Chancen und Risiken. Und ist komplex. Wer als Unternehmer zukunftsfähig sein will, wird sich diesen Herausforderungen stellen und sein unternehmerisches Handeln an den Vorgaben der SDGs ausrichten müssen.

People-Planet-Prosperity-Peace-Partnership: Kernbotschaften der SDGs

Die Präambel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stellt fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien auf: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft (People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership – 5 Ps). Die 17 Nachhaltigkeitsziele ordnen sich in diese Kernbotschaften ein.

Die Kernbotschaft „People“ stellt die Würde des Menschen in den Mittelpunkt. Hunger und Armut sollen beseitigt werden. Es soll sichergestellt werden, dass sich alle Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Neigungen entwickeln können.
Armut bedeutet oft nicht nur Mangel an finanziellen Mitteln, sondern auch unzureichender Zugang zu notwendigen Ressourcen.
SDG 1 fordert, bis 2030 die extreme Armut weltweit zu beseitigen. Eine ausreichende Gesundheitsversorgung, die Gewährung von Landnutzungsrechten und Katastrophenvorsorge als Maßnahmen gegen wirtschaftliche Verluste, sind Wege zur Erreichung dieses Zieles.
SDG 2 zielt auf die Bereitstellung von gesunden und ausreichenden Nahrungsmitteln für alle ab. Wichtige Maßnahmen dabei sind die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln, die Stärkung von Kleinbauen und die Schaffung von Biodiversität von Nutzpflanzen- und tieren.
Inklusive, gleichberechtige und hochwertige Bildung sowie die Gleichstellung der Geschlechter sind weitere Forderungen der SDGs, die sich aus dem Bereich „People“ ableiten.

„Planet“ ist die zweite Kernbotschaft und meint insbesondere die nachhaltige Bewirtschaftung und Bewahrung natürlicher Ressourcen als Lebensgrundlage und die Begrenzung des Klimawandels, um auch künftigen Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen.
Erforderlich dafür ist eine nachhaltige Wasserwirtschaft, die beispielsweise Rückstände von Düngemitteln und Produktionsabwässern und Abfällen verhindert und so auch eine angemessene Sanitärversorgung und Hygiene für alle sicherstellt (SDG 6).
Unabdingbar sind zudem der Schutz von Küsten und Meeren (SDG 14) und die Bewahrung der biologische Viefalt (SDG 15).
SDG 12 stellt auf die Verantwortung von Unternehmen und Verbrauchern ab und fordert zum Beispiel nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, die Verringerung von Nahrungsmittelverschwendung sowie die Vermeidung von Abfall.

Die Kernbotschaft „Prosperity“ zielt auf ein Leben in Wohlstand für alle ab.
Bezahlbare und saubere Energie (SDG 7), eine nachhaltige Wirtschaft und menschenwürdige Arbeit mit gerechten Löhnen und sozialen Mindeststandards (SDG 8), umweltverträgliche Industrien und Infrastruktur (SDG 8) sowie nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 12) mit bezahlbarem Wohnraum, nachhaltigen Gebäuden und klimafreundlicher Mobilität sind wichtige Anforderungen, die sich aus dieser Kernbotschaft ergeben.

Die Kernbotschaft „Peace“ bezieht sich auf die Sicherstellung der Menschrechte und eine gute Regierungsführung. Daher fordert SDG 16 unter anderem friedliche, sichere und inklusive Gesellschaften, Demokratie und Partizipation, rechtsstaatliche Systeme und die Beendigung von Gewalt gegen Kinder.

Mit „Partnership“ spiegelt die letzte Kernbotschaft einen Grundgedanken der SDGs. Die Bewältigung der globalen Herausforderungen und die erfolgreiche Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele setzen nicht nur die Mitwirkung aller voraus. Notwendig ist zudem eine Zusammenarbeit aller Akteure auf partnerschaftlicher Basis.
In diesem Sinne fordert SDG 17 beispielsweise Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern, die Stabilisierung globaler Märkte, einen globalen Wissens- und Technologietransfer, Fairen Handel sowie die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für die Entwicklungsländer.

Von Stockholm nach New York: Die Entwicklung der SDGs

Bereits 1972 bekannten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in Stockholm erstmals zu einer Zusammenarbeit in Umwelt- und Naturschutzfragen. Danach folgten viele weitere Meilensteine wie beispielsweise der „Erdgipfel“ von Rio de Janeiro 1992 und die „Millenniums-Erklärung“ im Jahre 2000 in New York, um „nachhaltige Entwicklung“ als internationales Leitbild zu verankern.
Mit Auslaufen der „Millenniums-Entwicklungsziele“ (Millennium Development Goals – MDGs) im Jahre 2015, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 in New York die Agenda 2030 mit den SDGs als Kernstück verabschiedet.

Universalität und Unteilbarkeit: Prinzipien der SDGs

Die Nachhaltigkeitsziele bestehen aus 17 Zielen (goals) und 169 Unterzielen (targets), die bis 2030 von 142 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, welche die SDGs bisher ratifiziert haben, umgesetzt werden sollen.
Die Ziele berühren – anders als die MDGs – alle relevanten Aspekte der Nachhaltigkeit wie beispielsweise Wirtschaft, Landwirtschaft, Soziales, Umwelt, Finanzen, Gesundheit, Bildung und Verkehr.

Bei der Formulierung der SDGs wurden nicht nur die unvollendeten Aufgaben der MDGs sowie verschiedene Diskussionsergebnisse der Vereinten Nationen berücksichtigt. Vielmehr wurde über die Plattform „The World We Want 2015“ ein einmaliger, weltweiter, Beteiligungsprozess von Privatpersonen und nichtstaatlichen Organisationen ermöglicht.

Diese Partizipation spiegelt das Prinzip der Universalität der SDGs wider: Im Gegensatz zu den MDGs gelten die SDGs nicht nur für Entwicklungsländer, sondern für alle Staaten, also auch die Industrienationen.

Die primäre Verantwortung für die Umsetzung der Ziele liegt bei den Mitgliedstaaten und der Staatengemeinschaft als Ganzes. Allerdings richten sich die SDGs auch an die Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft als Akteuren der Umsetzung. Diese globale Partnerschaft verdeutlicht die gemeinsame Verantwortung für die Schaffung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsweisen.

Die SDGs sind aufgrund ihrer Wechselwirkungen, die aus dem Verbund von Umwelt und Mensch resultieren, untrennbar miteinander verwoben und können daher nur als Gesamtheit betrachtet werden. Dieses Prinzip der Unteilbarkeit ist Ausdruck des heutigen Nachhaltigkeitsverständnisses, das im Sinne der drei Nachhaltigkeitsdimensionen ökonomische, soziale und ökologische Faktoren gleichwertig berücksichtigt. Die Nachhaltigkeitsdimensionen spiegeln sich in den SDGs wider.

Unternehmen als Akteure der SDGs: Herausforderungen meistern und gestalten

Die SDGs schreiben der Privatwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines inklusiven, nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu. Im Unterziel 12.6 werden insbesondere große und transnationale Unternehmen ermutigt, nachhaltige Verfahren zu etablieren. Aber auch kleinere und mittlere Unternehmen sowie Genossenschaften sind durch die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 aufgefordert, „ihre Kreativität und Innovationsstärke zugunsten der Lösung der Herausforderungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einzusetzen.“

Nachhaltig und verantwortungsvoll agierende Unternehmen sind diesem Anspruch bisher durch die Anwendung des ESG-Ansatzes nachgekommen. Die Synthese der Achtung von Umwelt (Environment) und sozialen Werten (Social) sowie einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung (Governance) ist Ausdruck der drei Nachhaltigkeitsdimensionen für unternehmerische Tätigkeiten.
Mit Verabschiedung der SDGs ist dieser Ansatz keinesfalls obsolet geworden. Vielmehr sind die Nachhaltigkeitsdimensionen und damit auch der ESG-Ansatz den SDGs immanent.
Die einzelnen Zielvorgaben der SDGs enthalten regulatorische, ethische und operative Anforderungen an Unternehmen und bilden damit einen Handlungsrahmen, beinahe einen Fahrplan, an dem sich Unternehmen orientieren sollten.
Kernelement der nachhaltigen Transformation für Unternehmen ist daher die Verbindung der ESG-Dimensionen mit den Zielen der SDGs.
Da die SDGs universell für alle Branchen, Unternehmen, Regionen und Länder gelten, stellen sie einen globalen Leitfaden für nachhaltiges Wirtschaften dar.
Klar ist, dass die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen von der Beachtung und Umsetzung der SDGs abhängt. Zukunftsfähigkeit bedeutet also, Chancen und Risiken, die sich aus den Vorgaben der SDGs ergeben, zu kennen, in unternehmensspezifische Kontexte zu übersetzen, in einer Nachhaltigkeitsstrategie auf Basis der SDGs und des ESG-Ansatzes einzubinden und diese dann im Kerngeschäft und den Kernwerten eines Unternehmens zu verankern.

Eine Herausforderung dabei ist, dass die SDGs keinen Standard einführen, sondern „lediglich“ einen Rahmen schaffen, der keine konkreten Kenngrößen für das einzelne Unternehmen enthält.
Andererseits ergibt sich daraus auch die Chance für Unternehmen, einen individuellen Beitrag zur Schaffung von Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette zu bestimmen.
Voraussetzung dafür ist nicht, dass das unternehmerische Handeln globale Bezüge aufweist, so beispielsweise internationale Lieferketten umfasst. Vielmehr erzeugen auch kleine und mittlere Unternehmen mit lokalem Wirkungskreis eine SDGs-Relevanz.
Für eine gute Nachhaltigkeitsstrategie wird daher entscheidend sein, den Wirkungsort der unternehmerischen Tätigkeiten genau zu bestimmen und entsprechende Maßnahmen zu formulieren.
Dabei ist die Berücksichtigung des Prinzips der Unteilbarkeit der SDGs unabdingbar. Es müssen alle SDGs einbezogen werden. Jede andere Herangehensweise würde dem Nachhaltigkeitsverständnis der SDGs, welche die Nachhaltigkeitsdimensionen gleichwertig berücksichtigt, widersprechen. Finanzielle Aspekte oder unzureichende Kapazitäten stellen insofern kein Argument zum Ausschluss einzelner SDGs dar.
Die individuelle Verfügbarkeit von Ressourcen und Kapazitäten kann allerdings durch eine schrittweise Umsetzung der SDGs, also durch eine zeitliche Priorisierung, ausreichend berücksichtigt werden.

Ansatzpunkte für spezifische Umsetzungsmaßnahmen sind beispielsweise: umweltbewusste Material- und Verpackungsauswahl, Förderung von Kreislaufwirtschaft, Klimaneutralität an Standorten, energieeffiziente Gebäudestruktur, Etablierung einer Governance-Richtlinie, Sensibilisierung von Diversitätsthemen, Chancengleichheit bei Personaleinstellung, ganzheitliches Gesundheitsmanagement und Mitgliedschaften in nachhaltigen Verbänden und Initiativen. In den Lieferketten sind die Berücksichtigung von Biodiversitätsaspekten, schonende Wassernutzung und faire Löhne einige erste Ansätze.

Die SDGs geben nicht nur unternehmerischen Maßnahmen eine neue Qualität. Auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Die Mitgliedstaaten stehen in der Hauptverantwortung, den nationalen Umsetzungsstand der SDGs regelmässig zu berichten. Unternehmen werden als Umsetzungsakteure in SDG 12.6 ebenso ermutigt, Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Berichterstattung aufzunehmen.
Laut einer KPMG-Umfrage beziehen sich bereits rund 40% aller Nachhaltigkeitsberichte, die global erstellt werden, auf die SDGs. Es wird deutlich, dass der Trend hin zu mehr Transparenz geht.
Die globalen Richtlinien zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten der Global Reporting Initiative (GRI-Standards) sind einer der wichtigsten globalen Standards im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie werden bereits als Grundlage genutzt, um SDGs-basierte Berichte zu verfassen. Dabei werden die GRI-Standards auf die Zielvorgaben der SDGs abgebildet.

Die SDGs stellen die wichtigsten Eckpfeiler des internationalen Engagements zur Nachhaltigkeit dar. Viele Anstrengungen wurden bisher unternommen, um die Vision von Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen.
Dennoch zeigt beispielsweise der aktuelle Weltklimabericht wie dringend eine Trendwende hin zu mehr weltweiter Zusammenarbeit und Mobilisierung aller Akteure ist. Auch der Privatsektor ist aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und seine Geschäftstätigkeiten und Investitionsentscheidungen nachhaltig zu gestalten.

Die SDGs sind ein Leitfaden, ein Rahmen, ein Fahrplan.
Nachhaltigkeit schaffen und leben müssen wir selbst.
Als Mensch und als Unternehmer.

You know I know – UNO INO

„Nur Kunst kann das Leben verändern.“ – so sagte Joseph Beuys.

Nur eine nachhaltige Entwicklung kann Wirtschaften verändern. – Das glauben wir.

Und wir wissen, dass Kunst der älteste Motor für Veränderung, Quelle für Inspiration und Visionen, Echo und Spiegel in der Reflektion und Raum für Emotionen ist.

Was also kann entstehen, wenn Kunst Raum findet und in die Transformation hin zu Nachhaltigkeit einbezogen wird?

Kunst wandelt

Der Triple-Bottom-Line Ansatz wird als Leitbild nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung verstanden. Er ergänzt entsprechend der drei Nachhaltigkeitsdimensionen die unternehmerische Verantwortung um soziale und ökologische Aspekte.

Nachhaltigkeit darf dabei von Spezialisten verschiedener Disziplinen zunächst in unterschiedlichen Denkmustern verstanden werden. So werden Ingenieure vielleicht über technologische Lösungen spezifischer Herausforderungen nachdenken, während Betriebswirtschaftler sich auf ökonomische Systeme fokussieren und Politiker sozial-vertretbare Nachhaltigkeitskonzepte entwickeln.
Entscheidend ist die Synergie aller Aspekte. Nachhaltigkeit als Ganzes ist nur durch Zusammenwirken denkbar, dies ergibt sich bereits aus der Logik der Nachhaltigkeitsidee.

Und so hat auch die Kunst ihren Platz: Unsere Vernunft, Sprache, Zahlen, rationales Denken sind im Neokortex angesiedelt. Um Transformation zu ermöglichen braucht es jedoch mehr. Notwendig ist ein Wandel im Denken, Fühlen und Handeln der gesamten Menschheit. Ohne Musik, Poesie und Malerei, ohne Zugang zum Herzen wird dies nicht gelingen. Wir müssen Menschen im Stammhirn erreichen. Nur so werden wir sie bewegen. Nachhaltigkeit darf nicht nur gedacht werden, sie muss gefühlt werden und fühlbar gemacht werden. Dies können Kunst und Kultur.

Kunst wirkt

Bei Transformationsprozessen geht es insbesondere darum, eine durch Berührung verursachte Bewegung bei Menschen auszulösen. Transformationen sind menschengedacht und menschengemacht. Damit eine Bewegung entstehen kann, muss sich jede*r Einzelne bewegen.

Die Kunst als solche ist hierbei nicht nur ein „Bewusstmacher“. Kunstwerke darstellender, bildender, musikalischer und literarischer Gattung können durch künstlerischen Transfer Bewusstsein (awareness) schaffen für Themen, die unmittelbaren Handlungsbedarf erfordern. Dabei können kathartische Elemente zu Reflektion und Handlung aufrufen, aber auch komplexe Zusammenhänge anschaulich dargestellt werden.

Verschiedene Prinzipien künstlerischer Auseinandersetzung haben darüber hinaus Relevanz für Transformation und Transformatoren.

Innovation – Kunst als Erneuerer: Kunst lebt von Erneuerung und Wandel, Kreativität und Freiheit. Dies sind Faktoren, die auch in Transformationsprozessen von Organisationen und der gesamten Gesellschaft von Bedeutung sind. Es bedarf der Fähigkeit, Neues mit neuen Methoden zu denken und nicht die alten Formen für neue Inhalte einzusetzen.

Perspektive – Kunst als Spiegel und Echo: Kunst kann, darf und muss sich als Spiegel gesellschaftlicher Dispositionen verstehen und als solcher verstanden werden. Perspektivwechsel können dies beispielsweise leisten. Das Ziel ist das Aufbrechen bestehender Strukturen und Muster und die Möglichkeit der Neukonstruktion nach Disruption.

Spiel – Kunst als Freiraum: Die lustvolle, spielerische Auseinandersetzung mit Themen schafft nachhaltigere Ergebnisse. Das Spiel öffnet Türen und ermutigt zu großer Freiheit im Denken und Tun. Transformation muss Freude machen. Transformation hin zu Nachhaltigkeit ist kein Spielverderber, sondern macht ein komplett neues Spiel mit eigenen Regeln und Herausforderungen, mit eigener Dynamik und eigenem Spielziel auf.

Mut – Kunst schafft sichere Räume: Die Beschäftigung mit Transformation mit Hilfe künstlerischer Herangehensweisen kann Mitspieler ermutigen, freier zu denken und mutig den eigenen Tellerrand zu erweitern.

Kreativität – Kunst fordert und ernährt sich von Kreativität: Kreatives Denken birgt die Möglichkeit, neu und originär zu denken. Dabei gilt es, sich von Mustern und bestehenden Denkstrukturen zu befreien und sich zu erlauben, gedanklich neue Wege zu gehen.

Sprache – Kunst wird gehört und macht wertvolle Sprache notwendig: Wording, also der vorherrschende Sprachgebrauch, ist in vielen Organisationen geprägt von Branche und Produkt. Literatur und darstellende Kunst sind die Hüter der wertvollen Sprache und können hier beispielhaft gestaltend wirken.

Lust und Sinnlichkeit – Kunst ist mit allen Sinnen wahrnehmbar.

Kunst wirkt.

Theater als Transformationsbeispiel

Das Theater dient seit seinen Ursprüngen, den in Höhlenmalereien festgehaltenen Verkleidungsspielen zur Vor- und Nachbereitung der Jagd in der Steinzeit, nicht nur der Unterhaltung und Inspiration,
Theater hat einen darüber hinaus gehenden Auftrag: Bildung, Warnung, Reflektion, Vermittlung von Werten und Gesetzen, Transport von Nachrichten, Motivation zu bestimmten Handlungen.

Im Griechenland der Antike wurde das Theater als Führungsinstrument der Politik eingesetzt. Zuschauern wurde beispielsweise Verdienstausfall für den Besuch der Aufführungen bezahlt.

Wie aber gelingt die Wirkung von Theater? Warum bewegt ein Mensch mit den Worten „I have a dream!“ die ganze Welt zu Umdenken und Veränderung?

Im Theater findet immer eine Interaktion statt, eine Wechselwirkung zwischen Schauspieler*innen und Zuschauer*innen.
Durch Spiegelneuronen erleben die Zuschauer*innen das Geschehen auf der Bühne körperlich mit. Ihre Atmung passt sich an, Anspannungs- und Entspannungszustände werden mitempfunden. Dies bewirkt eine große Identifikation mit den dargestellten Inhalten.
Die Abstraktion von Geschehnissen und Inhalten, die sich laut Aristoteles nicht aus der Vernunft, sondern aus der Summe des sinnlich Erlebten und der sinnlichen Erfahrungen ableitet, ermöglicht eine originäre Sichtweise auf Informationen und Zusammenhänge und regt zum selbstständigen Denken an.

Emotionen bewirken Veränderung. Zuschauer*innen fühlen mit den Figuren auf der Bühne. Sie werden zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken animiert. Inhalte, Missstände und daraus resultierende notwendige Handlungsweisen entstehen aus dem Erlebten in den Zuschauer*innen selbst. Die Zuschauer*innen treffen berührt eigene Entscheidungen.
Das kollektive Erleben im Zuschauerraum generiert einen klaren Konsens oder einen leidenschaftlichen Dissens zwischen den Zuschauer*innen. Auch hier findet eine Interaktion statt.

Es entsteht so ein gemeinsamer Sog der Beteiligung, die eine Passivität nahezu unmöglich macht.
Emotionale Ereignisse und Geschichten verankern sich in unserem Gehirn viel einfacher und selbstverständlicher als reine Sachinformationen.
Um Menschen zu bewegen, müssen sie berührt werden. Emotionen und Berührung kommen im Wirksamkeitskanon bei Führungskräften bisher selten vor. Sie sind für Transformationsvorgänge aber von großer Bedeutung.

Nachhaltigkeit in Kunst- und Kulturbetrieben

Kunst selbst kann Transformation und somit Nachhaltigkeit bewirken.

Aber wie sieht es dort aus, wo institutionalisiert Kunst gemacht wird? In Kunst- und Kulturbetrieben wie Theatern, Museen oder Konzerthallen?

Schaut man sich die Vorgehensweise von Theaterschaffen an, finden sich interessante Ansätze. So ist zum Beispiel ein iteratives Vorgehen im Probenprozess gängige Praxis. Schnelle Sprints in Form von sechswöchiger Probenzeit, interdisziplinäre Teams, Scheitern als Prinzip und die Einbindung von Stakeholdern sind oft eine Selbstverständlichkeit.
Viele agile Arbeitsprinzipien wurden in Theatern schon gelebt, bevor Agiles Arbeiten und Scrum in wirtschaftlichen Kontexten relevant wurden.
Insofern finden sich weite Felder gegenseitiger Lernmöglichkeiten.

Dennoch stellt sich die Situation in vielen Kunst- und Kultureinrichtungen insgesamt nicht anders dar als in nicht kunstbezogenen Organisationen und Unternehmen. Oft existieren durchaus relevantes Wissen und gute Ideen zum Thema Nachhaltigkeit sowie Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Nachhaltigkeitsstrategie. Es fehlt jedoch meist an konkreten Ansätzen und Konzepten zur Entwicklung und Umsetzung.

Dabei bestehen mannigfache Notwendigkeiten, nachhaltiges Handeln zu implementieren.

Theater beispielsweise gründen auf Kurzlebigkeit, Abwechslung und Erneuerung. So werden Bühnen- und Kostümbilder mit viel Ressourcenaufwand für jedes Stück neu konzipiert, geplant und gebaut. Nach nur wenigen Vorstellungen werden diese entsorgt, oft nur in Teilen recycelt. Bei der Planung der Bühnenausstattung gibt es außer Budget- und Sicherheitseinschränkungen im Prinzip keine Vorgaben im Hinblick auf Materialität, Wiederverwendbarkeit und Umweltschonung. Dies entspricht in keiner Weise den Vorgaben ökonomischen und ökologischen Handelns.

Auch der Umgang mit menschlichen Ressourcen ist am Theater oft nicht „nachhaltig“. Arbeitszeitregelungen und nachhaltige Mitarbeiterkonzepte finden sich nicht immer. Dies ist beispielsweise bedingt durch häufige Leitungswechsel, die mit dem Austausch von Teilen des künstlerischen Personals einhergehen können. Der Aufbau einer nachhaltigen Existenz mit Planungssicherheit für Theaterschaffende wird so erschwert.
Kulturbetriebe argumentieren häufig mit der Freiheit der Kunst. Wenn Nachhaltigkeit ernst genommen werden soll, dann findet diese Freiheit analog zu Prinzipien anderer Organisationen oder Unternehmen, ihre Grenzen dort, wo sie destruktiv wirkt.

Kunst- und Kultureinrichtungen sehen sich also insgesamt mit Herausforderungen konfrontiert, die denen anderen Organisationen, Institutionen und Unternehmen ähneln.

Um sich dem Ziel Nachhaltigkeit zu nähern, ist eine schrittweise Vorgehensweise zu empfehlen. Auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene Workshops mit allen Stakeholdern zu Themen Nachhaltigkeitsbegriff und Nachhaltigkeitsverständnis, ein Status Quo – Nachhaltigkeitscheck, die Entwicklung einer Vision (nachhaltiger Kulturbetrieb), die Definition von möglichen Handlungsfeldern und Ziele sowie die Festlegung eines Core-Team, sind wichtige erste Schritte.
Anschließend können Schulungen des Core-Teams in Nachhaltigkeitsthemen, die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie und einer Transformationsstory sowie eines Kommunikationskonzeptes folgen.

Organisationskultur und Management von Transformation

In Prozessen der Transformation und des Wandels ist die Veränderung der Organisationskultur oft notwendige Voraussetzung.

Der Begriff Organisationskultur wird unterschiedlich verwendet und divers beschrieben. Wir verstehen Organisationskultur als ein gelebtes Konglomerat der Werte, Normen, der verwendeten Sprache, der adaptierten Spielregeln, der Umgangsformen, der Motivation, des Kommunikationsverständnisses und der Definition der Fehlerkultur eines jeden einzelnen Organisationsmitgliedes.

Eine kulturelle Veränderung kann somit nicht bestimmt werden, sondern muss bei jedem einzelnen Organisationsmitglied motiviert und implementiert werden. Dies ist Aufgabe und Herausforderung für Multiplikatoren wie Führungskräfte und hierarchieunabhängige Leitfiguren in Organisationen.

Um den Begriff Kultur adäquat zu verwenden, muss eine Kultivierung, eine Urbarmachung stattfinden. Findet diese nicht statt, sprechen wir von der Natur einer Organisation, also den ihr innewohnenden ursprünglichen Eigenschaften. Kultivierung von Organisationen kann auf vielfältige Wiese geschehen. Eine Markenpositionierung zur Definition des Markenkerns kann eine Kultivierung sein, aber auch beispielsweise Personalentwicklungsmaßnahmen zu den sogenannten Soft-Skills oder die Entwicklung einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie.

Wie aber gelingt die Transformation, wie wird die jeweilige Organisationsnatur kultiviert?
Ein Transformator in der Elektrotechnik wandelt große Spannungen in nutzbare kleinere Spannungen um. Transformation ist Wandel und Verwandlung. Verwandlung ist jedoch in Unternehmen ohne Beteiligung des Menschen mit Hirn und Herz unmöglich. Ängste und Ablehnung, Misstrauen und Destruktivität werden den Verwandlungsprozess be- und verhindern, wenn Menschen nicht mitgenommen werden.
Dies ist neben Fachwissen eine der zentralen Aufgaben von Managern der Verwandlung. Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Manager kommt aus dem Theater des 19. Jahrhunderts, wo der Manager der Regisseur oder Leiter einer Bühne war. Das Wort stammt aus dem lateinischen manus – Hand. Es geht also beim Managen um Handlung, um Berührung und Bewegung. Es geht um die Kunst, Verwandlung zu begleiten und die beteiligten Menschen bei der Hand zu nehmen.

Es geht um das kunstvolle Managen der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Home oeconomicus und homo aestheticus

Kunstinstitutionen stehen vor der Herausforderung, nachhaltige Transformation umzusetzen. Künstlerische Prozesse und Herangehensweisen an sich – also Kunst im eigentlichen Sinne – können für den Transformationsprozess, insbesondere auch außerhalb dieser Institutionen, von Nutzen sein. Als wertvoller Aspekt kann und muss Kunst in den Triple-Bottom-Ansatz eingebunden werden.
Aber wie genau kann das gehen?

Der „homo oeconomicus“ entscheidet und handelt ausschließlich vernünftig und zwar so, dass er selbst den größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen hat. Menschen treffen aber nicht nur rational-ökonomische Entscheidungen, sondern handeln häufig irrational, emotional und impulsiv. Diese Aspekte spiegeln den Charakter des „homo aestheticus“ in uns.

Ästhetik im weiteren Sinne ist nicht nur die Lehre von der Schönheit und Harmonie in der Wahrnehmung von Kunst und Natur, sondern vielmehr auf die wörtliche Übersetzung aus dem Altgriechischen (aesthesis: sinnliche Wahrnehmung) gegründete Theorie der sinnlichen Erkenntnis.
Leidenschaft, Triebe, Begierden und Lust sind Quellen der Sinnlichkeit.

Der homo aestheticus und der homo oeconomicus stellen jedoch keine Gegensätze dar. Wir müssen beide bedienen, damit wir zur nachhaltigen Transformation motivieren und bewegen.

Es wird künftig um die bewusste Auseinandersetzung mit der Verbindung von Emotio und Ratio, Kunst und Wirtschaft, Mensch und Maschine, Berührung und Technik gehen. Auch hier darf es kein trade-off-Denken geben.

Und zwar im Dreischritt „Fühlen – Denken – Tun“, für eine wirksame, kunstvolle Unternehmenstransformation.

Wenn wir Beuys so verstehen, dass es stets eine emotionale Annäherung braucht, um Veränderung, um Transformation, zu schaffen, dann hatte er wohl mit seinem Zitat nicht ganz Unrecht.
Transformation lebt also immer auch von Emotionen, Berührung, Visionen.
Und vom Tun.

Die erste Nürnberger SustaiNable Conference im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals zum Thema Nachhaltigkeit war ein Feuerwerk an Impulsen! Und uns kribbelt es in den Fingern!

„Vom Hirn ins Herz und in die Hände“ so lautete der Spirit der Veranstaltung. Unglaubliche 3.000 Stunden Content zu Wirtschaft, Digitalem & Technologie, Konsum, Umwelt & Klima, Sozialem & Kultur und rund 250 Besucher haben das offene Mitmachfestival für alle – Laien und Experten – virtuell und analog mit Leben gefüllt.
Ideengebende Vorträge, bereichernde Diskussionen und kulturelle Highlights haben den 16. und 17.07.2021 zu einem Wochenende der Nachhaltigkeit gemacht. Im Raum stand die zukunftsweisende Frage, welchen Beitrag Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit leisten können.

Wir sind stolz und dankbar, dass wir als Mitorganisator, Sponsor und Speaker mitgestalten durften und der Anspruch an die Conference zu „Informieren, diskutieren, aktivieren” weit übertroffen wurde. Was eigentlich längst bekannt ist, ist spürbar geworden: Nachhaltigkeit lebt davon, weit geteilt zu werden, lebt von Gemeinschaft, lebt von globalem Denken und lokalem Handeln.
Spürbar war aber auch, dass Nachhaltigkeit nur dann leben kann, wenn endlich alle, wir alle, gemeinsam ins Tun kommen. Das Gefühl kribbelnder Finger und Hände, die eine enkeltaugliche Zukunft gestalten wollen, eint die Teilnehmenden der Conference.

Die Conference hat bestätigt: Viele Hände sind und werden in Zukunft nötig sein. Denn die aktuelle Forschung meint, das internationale Klimaziel, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, wahrscheinlich nicht erreicht wird.
Mehr noch, unter anderem das Permafrost entpuppt sich als tickende Zeitbombe. Berechnungen gehen davon aus, dass in weniger als 7 Jahren mit dem Auftauen des Permafrostbodens unter Freisetzung von Methan und CO2 zu rechnen ist. Wird dieser Kipppunkt im Klimasystem tatsächlich erreicht, droht eine Kaskade und das Klima wird unkontrollierbar und irreversibel in ein Warmklima überführt.

Trotz dieser ernüchternden Aussichten hat die Nürnberger SustaiNable Conference Hoffnung entfacht und richtungsweisende Ideen aufzeigt.

Klar ist geworden, dass jede*r Verantwortung übernehmen und vom Wissen ins Handeln kommen muss. Eigenes Handeln, also Alltagsentscheidungen aber auch grundsätzliche Lebensausrichtungen, sollten immer wieder hinterfragt werden, vor allem auch im Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Menschen in den Ländern des globalen Südens.

Die Conference hat auch die Bedeutung starker Partnerschaften, ganz im Sinne des 17. Nachhaltigkeitsziels, aufgezeigt. In Anbetracht der knappen Zeit sind Netzwerke und Plattformen auf allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen zum Austausch, als Mittel zur Information und Bildung und zur Stärkung von Resilienz unerlässlich. Auf lokaler Ebene spielen dabei solidarische Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Aber auch digitale Innovationen, wie zum Beispiel spezifische Applikationen, haben erhebliche Bedeutung, denn sie schaffen Bewusstsein, neue Narrative oder auch Nachvollziehbarkeit und fördern so Engagement, Beteiligung und sogar Inklusion. Auch Bildungseinrichtungen, Universitäten und Institute spielen eine wichtige Rolle, wenn es um die Weitergabe von Wissen geht und um Forschung. Nur wenn diese Erkenntnisse auch in der Praxis ankommen, ist der Welt geholfen.

Die Bedeutung von Digitalisierung, oft auch als Megatrend beschrieben, wurde auch anhand von Virtual- und Augemented Reality Beispielen deutlich. Als Mittel der Nachhaltigkeitskommunikation schaffen diese mehr Transparenz bei Lieferketten oder machen Wertschöpfungketten sichtbar. Andere digitale Tools ermöglichen beispielsweise sog. smart homes, die nicht nur den Alltag erleichtern, sondern auch zu mehr Energieeffizienz beitragen.
Integrative Lösungen, die unterschiedliche Themenfelder verknüpfen, bedarf es, so hat die Conference gezeigt, vor allem auch im Bereich Wirtschaften. Voraussetzung dafür sind neues Denken und Handeln.
Um diese Zukunftskompetenzen zu schaffen, ist eine sozial-ökonomische Transformation notwendig, die beim Bewusstsein ansetzt und Gemeinwohlgedanken einbindet.
Und zwar in allen Bereichen, die wirtschaftlichen Bezüge aufweisen: Es bedarf einer Neuausrichtung der wissenschaftlichen Lehre zu wirtschaftlichen Themen. Auf Bildungs- und Ausbildungsebene gilt dies ebenso. Außerschulische Lernorte können helfen, nachhaltigkeitsbezogenes Wissen besser zu vermitteln, so dass nachkommende Generationen die Fähigkeit erlangen, auf Basis eines fundierten Nachhaltigkeitsverständnisses in Gemeinschaften zu wirken.
Dies meint konkret: Nachhaltigkeit einbringen in Kommunikation, Unternehmenskultur und Leadership auf Unternehmensebene. Es braucht ernsthafte und glaubwürdige Vorbilder, die Begeisterung schaffen und inspirieren. Es braucht neue Definitionen von Wohlstand und Erfolg.

Und gemeint ist auch: Kleine Betriebe und Handwerker zu Profiteuren der Energiewende machen. Nachhaltige Nutzung von Ressourcen, regionale Lieferketten und die Beachtung von Tierwohl liegt in der DNA von Handwerk. Kulturgut und Techniken müssen neu erweckt und bewahrt werden, um lebenswerte wirtschaftlich nachhaltige und attraktive Regionen zu schaffen.
Und: Wirtschaften muss auf neue Bedürfnisse ausgerichtet werden, so dass sich Konsumdenken- und Verhalten wegbewegt von ewigem Wachstum und Wegwerf-Mentalität, Nachhaltigkeit nicht mehr als Verzicht begriffen wird, sondern Qualität statt Quantität zählt und Gemeinwohl in den Mittelpunkt gerückt wird.

Auch der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit hatte einen großen Raum in der Conference. Ehrenamtliches Engagement als einer der Schlüssel zur Umsetzung von Projekten, Inklusion eine der Antworten, was in jeder nachhaltigen Organisation mitbetrachtet werden muss. Selbstreflektion und Ehrlichkeit sind Voraussetzung zu sozialem Miteinander auf allen Ebenen.

Überdies wurde auch die Rolle der Kulturschaffenden betrachtet: Kultur kann und möchte Antworten liefern, zum Umdenken anregen, neue Interessengruppen erschließen, Teil der Lösung sein. Und kann als Vorbild dienen, wenn sich zum Beispiel ein Orchester aus einer Eigeninitiative heraus selbst klimaneutral stellt und eine Reihe von Nachhaltigkeitskonzerten mit Partnern aus dem Umweltschutz entwickelt.

Die Nürnberger SustaiNable Conference: Ein Feuerwerk an Ideen, Inspirationen, Impulsen. Eine starke Gemeinschaft und viele Hände für eine gute Zukunft.

Wir danken allen Sessiongebern, dem Organisationsteam und dem Nürnberg Digital Festival
für die grossartige Unterstützung und sagen: Bis zum nächsten Jahr!

Nachhaltigkeit betrifft uns alle. Nachhaltigkeit hat Auswirkungen auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche und somit Bedeutung für Individuen, Gemeinschaften, Staaten, Politik, Umwelt, Wirtschaft und viele mehr.

Wir finden Nachhaltigkeit daher auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens, über Grenzen hinaus. Doch haben wir immer dasselbe Verständnis von den Begrifflichkeiten?

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sind viele Begriffe und Bezeichnungen entstanden. Oft haben diese auch internationale Bezüge, da sie aus internationalen Diskursen oder Prozessen hervorgegangen sind.
Viele der Nachhaltigkeitsbegriffe und Nachhaltigkeitsbezeichnungen werden häufig als Abkürzungen verwendet. Dies hat allerdings den Nachteil, dass mitunter nicht ganz verständlich ist welche genaue Bedeutung eigentlich hinter den Abkürzungen steckt.

Um Klarheit zu schaffen und die Komplexität des Themas Nachhaltigkeit etwas aufzulösen, stellen wir in diesem Beitrag die wichtigsten Abkürzungen vor und erläutern kurz ihre Bedeutung.

Da Nachhaltigkeit lebendig und dynamisch ist, werden wir in Zukunft stetig weitere Begriffe ergänzen und für unsere Leser:innen aufbereiten.

You know I know – UNO INO.

UNO INO Abkürzungsverzeichnis

CC = Corporate Citizenship
CC ist als unternehmerisches Bürgerengagement in und von Unternehmen zu verstehen. Unternehmen setzen sich über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus beispielsweise durch Know-How-Transfer, Sponsoring oder Stiftungsaktivitäten gemeinützig für gesellschaftliche oder auch ökologische Belange ein. CC dient daher dem Wohl der Gemeinschaft, wird aber in der Regel auch zur Imagepflege von Unternehmen genutzt.

CG = Corporate Governance
CG meint die rechtlichen (z. B. Gesetze, Normen, Standards) und faktischen Regeln und Verfahren, nach denen ein Unternehmen betrieben und geführt wird. CG bezieht sich auf interne (z. B. Angestellte) und externe Faktoren (z. B. Kunden, Partner, Märkte). Ziel der CG ist eine gute und ordentliche Unternehmensführung, um z. B. interne Prozesse zu optimieren und/oder am Markt wettbewerbsfähig zu agieren.

CR = Corporate Responsibility
CR (bedeutet Unternehmensverantwortung. Verantwortung bezieht sich auf die Auswirkungen unternehmerischen Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen auf Gesellschaft, Umwelt, Mitarbeiter oder auch Partner. CR drückt sich z. B. in der Philosophie eines Unternehmens, guter Unternehmensführung, ethischem Verhalten, nachhaltigem Wirtschaften und Transparenz aus. Die Begriffe CSR und CR werden weitgehend synonym verwendet, dabei wird CR weiter gefasst. Denn CR beinhaltet CSR, CG und CC

CS = Corporate Sustainability
CS meint nachhaltige Unternehmensführung. CS bezieht sich im Sinne der drei Nachhaltigkeitsdimensionen auf die ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung von Unternehmen. CS ist daher die Umsetzung eines nachhaltigen Wirtschaftskonzepts in sämtlichen Bereichen und Prozessen eines Unternehmens.

COP = Conference of the Parties
COP meint die offizielle UN-Klimakonferenz. Die COP findet jährlich mit allen Vertragsstaaten, also den Staaten, welche die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) unterzeichnet haben, statt. Sie dient dazu, Klimaschutzverhandlungen auf Basis der UNFCCC zu führen und so die Umsetzung der UNFCCC voranzubringen.

CO2 = Kohlenstoffdioxid
CO2 ist eine chemische Summenformel, die für das aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehende Gas Kohlenstoffdioxid steht. CO2 ist ein wichtiger Bestandteil der Atmosphäre.
Kohlenstoffdioxid ist ein Treibhausgas.
Durch extreme CO2-Emissionen, z. B. aufgrund von nicht-nachhaltiger Energie- oder Lebensmittelproduktion, ist die Konzentration in der Atmosphäre erheblich gestiegen und trägt so wesentlich zum Klimawandel bei.

CSR = Corporate Social Responsibility
CSR (bedeutet unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. CSR meint den Beitrag von Unternehmen (z. B. Geschäftsprozesse, Produkte) im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung, der über gesetzliche Anforderungen hinausgeht.
CSR wird immer mehr als ganzheitliches Unternehmenskonzept definiert, welches die drei Nachhaltigkeitsdimensionen – Ökologisch, Soziales und Ökonomisches – betrachtet und berücksichtigt.

CSRD = Corporate Sustainability Reporting Directive
CSRD meint den im April 2021 durch die Europäische Kommission vorgelegten Richtlinienvorschlag zur Änderung der (nicht-finanzbezogenen) Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2023. Der Vorschlag erweitert den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen und sieht Berichtsinhalte wie z. B. Umweltziele des Unternehmens, gesellschaftliche Aspekte und Governance-Aspekte vor. Des Weiteren wird durch den Begriff Sustainability im Richtlinienvorschlag die Bedeutung und der Fokus auf die Nachhaltigkeit von allen Stakeholdern steigen.

CSR-RUG = CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz
CSR-RUG übersetzt die Europäische CSR-Richtlinie ins deutsche Recht. Das CSR-RUG verankert im deutschen Handelsgesetzbuch eine Erweiterung der CSR-Berichtspflichten für bestimmte große am Kapitalmarkt tätige Unternehmen, Banken und Versicherungen. Diese müssen verstärkt nicht finanzielle Aspekte zu Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelangen, der Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung darstellen. Ziel ist insbesondere die Schaffung von mehr Transparenz.

DNK = Deutscher Nachhaltigkeitskodex
Der DNK ist ein auf Freiwilligkeit basierender, branchenunabhängiger und international anerkannter Standard für private und öffentliche Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Rechtsform zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung. Der DNK wurde vom Rat für nachhaltige Entwicklung nach Beteiligung der relevanten Interessengruppen entwickelt. Der DNK umfasst die vier Bereiche Strategie (z. B. Ziele des Unternehmens), Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft (z. B. Arbeitnehmerrechte).

DNS = Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie
Die von der Bundesregierung erstellte DNS orientiert sich seit 2016 an der Umsetzung der SDGs auf nationaler Ebene. Sie basiert auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis entsprechend der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Sie dient als praktische Orientierung für Politik und Gesellschaft und benennt im Sinne eines Nachhaltigkeitsmanagementsystem beispielsweise konkrete Ziele mit Zeitrahmen, Indikatoren und Steuerungsmechanismen.

ESG = Environment, Social, Governance
ESG bedeutet Umwelt, Soziales, Unternehmensführung und bezieht sich auf die drei Verantwortungsbereiche von Unternehmen, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen. ESG bzw. die daraus entwickelten ESG-Kriterien werden genutzt, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen oder Gesellschaft zu bewerten und zu messen. Insbesondere in der Finanzbranche, vor allem im Bereich Investment, werden diese Kriterien auch in verschiedenen Nachhaltigkeitsratings, z. B. bei nachhaltigen Finanzdienstleistungen genutzt.

FSC = Forest Stewardship Council
FSC steht für eine internationale Organisation, die ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft entwickelt hat. Im FSC-Zertifizierungssystem werden Waldzertifikate und Produktkettenzertifikate vergeben.

GRI = Global Reporting Initiative
GRI (Global Reporting Initiative) meint eine gemeinnützige Multi-Stakeholder-Stiftung (NGO), die u.a. vom UNEP mitbegründet wurde. Sie hat global verpflichtende Richtlinien zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen, Regierungen und NGOs entwickelt (GRI-Standards). Die Richtlinien sollen im Hinblick auf CSR-Aktivitäten Transparenz schaffen, Standardisierung fördern und die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsberichten ermöglichen.

GHG = Greenhouse Gas
GHG bedeutet Treibhausgas (THG). GHG sind gasförmige Bestandteile der Atmosphäre der Erde, welche Einfluss auf die Energiebilanz der Erde haben und so den Treibhauseffekt bewirken. Zu den GHG gehören Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und verschiedene fluorierte Treibhausgase (F-Gase). CO2 gilt als eines der gefährlichsten GHG.

NFRD = Non- Financial Reporting Directive
NFRD steht für die EU-Richtlinie 2014/95, welche die Berichterstattung zu nicht-finanziellen Informationen für bestimmte Unternehmen regelt.
Die NFRD soll als Maßnahme aus dem European Green Deal durch die CSRD überarbeitet werden und europaweit harmonisierte und vergleichbare Nachhaltigkeitsberichte schaffen. Nichtfinanzielle Informationen sollen den gleichen Stellenwert erhalten wie Finanzinformationen. Zudem ist eine deutliche Ausweitung des Kreises berichtspflichtiger Unternehmen vorgesehen.

NGO = Non-Governmental Organization
NGO bedeutet Nichtregierungsorganisationen (NRO). NGOs sind nichtstaatliche, unabhängige, international oder national ausgerichtet Organisationen, die sich ohne Gewinnerzielungsabsicht in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Lebens für bestimmte Zwecke einsetzen. Themenfelder von NGOs sind beispielsweise Menschenrechte, Entwicklungspolitik, Umwelt- und Sozialstandards, Korruptionsbekämpfung, Klimawandel oder auch Migration.
NGOs sind auch für den politischen und gesellschaftlichen Diskurs bedeutend, da sie oft wichtige Aufklärungsarbeit leisten, Informationen aufbereiten und als Interessvertreter teilweise auch an politischen Verhandlungen teilnehmen.

PRB = Principles for Responsible Banking
PRB steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Bereich des Bankwesens („Verantwortungsbewusstes Banking“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwillig umgesetzt und besagen u.a., dass sich die Geschäftstätigkeiten der Unternehmen an den Zielen der SDGs und des Pariser Klimaabkommen ausrichten sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

PRI = Principles for Responsible Investment
PRI steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Investmentbereich („Verantwortliches Investieren“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwillig umgesetzt und besagen u.a., dass die ESG-Kriterien im Unternehmen verankert werden sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

PSI = Principles for Sustainable Insurance
PSI (steht für die vom UNEP FI entwickelten internationalen Leitlinien zur Schaffung von mehr Nachhaltigkeit im Bereich der Versicherungswirtschaft („Nachhaltiges Versichern“). Die Leitlinien werden durch Unternehmen freiwilligen umgesetzt und besagen u.a., dass die ESG-Kriterien im Unternehmen und den Produkten verankert werden sollen und ein transparentes Berichtswesen implementiert wird.

SBT = Science Based Targets
SBT steht für einen, von der Science-Based Targets Initiative (SBTi) entwickelten Ansatz, Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für Unternehmen auf wissenschaftlicher Grundlage zu berechnen („wissenschaftlich basierte Ziele“). Die Ziele werden nicht wie bisher „potential based“ festgelegt, sondern konzentrieren sich an den globalen Klimazielen, d. h. der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C. Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden der SBTs (Kontraktion, Kompression und Konvergenz).

SDGs = Sustainable Development Goals
SDGs (steht für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, auch Agenda 2030 genannt. Die universell gültigen Nachhaltigkeitsziele bestehen aus 17 Zielen und 169 Unterzielen (targets), die bis 2030 weltweit umgesetzt werden sollen und einer nachhaltigen Entwicklung dienen. Die SDGs basieren auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis und berücksichtigen ökonomische, soziale und ökologische Faktoren gleichwertig. Armut beenden, Ungleichheit bekämpfen und dem Klimawandel entgegenzuwirken, nachhaltige Städte, nachhaltige Konsum und nachhaltige Produktion sind einige der SDGs.

TCFD = Task Force on Climate related Financial Disclosure
TCFD steht für die 1995 vom Finanzstabilitätsrat gestartete Initiative zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte. Die TCFD setzt sich aus Branchenexperten der G20-Staaten zusammen. Sie gibt Orientierungshilfe und Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare Unternehmensberichterstattung in Bezug auf klimabezogene finanzielle Chancen und Risiken, welche entscheidungsrelevante Informationen für Kreditgeber, Versicherer und Investoren darstellen.

UNEP = United Nation Environment Program
UNEP (steht für das 1972 gegründete Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Das UNEP koordiniert entsprechend seines Mandats die Umweltaktivitäten der Vereinten Nationen und hat damit die führende Rolle im globalen Umweltschutz. Es erstellt u. a. Statusberichte und entwickelt Instrumente für den globalen Umwelt- und Klimaschutz.

UNEP FI = United Nation Environment – Finance Initiative
UNEP FI (steht für die seit 1992 bestehende Finanz-Initiative des UNEP. UNEP FI ist eine globale Partnerschaft zwischem dem UNEP und dem privaten Finanzsektor. UNEP FI hat weltweit gültige Nachhaltigkeitsgrundsätze auf freiwilliger Basis für die Bank-, Versicherungs- und Investmentwirtschaft vereinbart: Principles for responsible banking (PRB), Principles for Sustainable Insurance (PSI) und Principles for Responsible Investment (PRI).

UNFCCC = United Nations Framework Convention on Climate Change
UNFCCC steht für die 1994 in Kraft getretene internationale, multilaterale Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Hauptziel ist es, eine anthropogene (durch den Menschen bedingte) gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern. Die Treibhausgaskonzentration soll so stabilisiert werden, dass sich Ökosysteme erholen und so die Nahrungsmittelproduktion und nachhaltiges ökonomisches Wachstum gesichert werden kann.

UNGC = United Nations Global Compact
UNGC steht für eine internationale Initiative der Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft („globaler Pakt“) für inklusive und nachhaltige Unternehmensführung. UNGC versteht sich als Austauschforum, das Veränderungsprozesse anstößt und so zur Umsetzung der 10 UNGC-Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention beiträgt.

USGBC = U.S. Green Building Council
USGBC steht für eine internationale NGO, die sich für nachhaltige Energiekonzepte beim Design, Bau und Betrieb von Bauwerken einsetzt.
USGBC hat die internationale Nachhaltigkeitszertifizierung LEED (System Leadership in Energy and Environmental Design) für den Bausektor entwickelt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist mehr als ein Buzzwort, es lädt Unternehmer*innen ein, Wirtschaft und Wirtschaften neu zu denken und neu zu machen. Weg von einer reinen Gewinnmaximierung hin zu mehr gesundem und ethischem Wirtschaften zum Wohl aller, weg von reinen Aktionärsinteressen hin zu mehr Gemeinwohl und mehr Commoning.

Viele Interessengruppen im Unternehmen und im Unternehmensumfeld sind heute mit der Art und Weise, wie diese wirtschaften, nicht mehr einverstanden.

Vieles ist in Unternehmen historisch gewachsen, ohne dass es heute noch Sinn macht oder in die Zeit passt. Veränderung wird per se als Herausforderung und schwer empfunden. Es fehlen Ideen und der Mut, neue Wege zu gehen.

Die Unternehmer*innen, die auf Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktor setzen, werden perspektivisch Wettbewerbsvorteile haben und sich durchsetzen. Hierbei ist es wesentlich die Mitarbeiter*innen und die Unternehmenskultur im Blick zu haben und die eigenen Werte, die eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten weiter zu kultivieren.

Potenzial in den Unternehmen groß – Bedeutung erkannt, Umsetzung noch zögerlich

Das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Unternehmenstransformation ist in den Organisationen und der Gesellschaft angekommen. Aktuell mangelt es noch an konsequenter Umsetzung in der breiten Unternehmenslandschaft. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, wann und mit welchem Ambitionsniveau die Umsetzung in den Unternehmen starten wird.

Bisher ist die konsequente Ausrichtung des eigenen Kerngeschäfts in Richtung Nachhaltigkeit noch zögerlich. Dies zeigt auch die aktuelle Studie „Zum Stand des nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland“.

Kerninhalte der Studie sind (direkt aus der Studie zitiert):

Nachhaltigkeit braucht Woller und Wollerinnen

Die meisten Unternehmen und Organisationen haben verstanden: Nahezu alle globalen Probleme wie der Klimawandel, das Artensterben und eine Vielzahl weiterer Probleme sind von Menschenhand gemacht.

Es geht also nicht mehr um das WARUM. Das Warum ist klar, Menschen wollen ihre eigenen Lebensgrundlagen nicht weiter gefährden und haben aufgrund der dramatischen Auswirkungen des Klimawandels verstanden, dass ein „Weiter“ so nicht möglich ist.

Es geht um das WIE!

Wie können wir weiteren Schaden verhindern? Wie können wir Umweltschutz und Profit zusammen denken? Wie kann ich als Unternehmen meiner Rollen in der Gesellschaft gerecht werden?

Es sind die Woller*innen, die den Unterschied machen – das sind Menschen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen, Menschen, die sich für Umwelt, Gesellschaft, Unternehmen und deren positive Zukunft engagieren.

Das sind Unternehmenslenker*innen, Produktionsleiter*innnen, Produktchef*innen, Personalmitarbeiter*innen usw., die in ihre eigenen Bereiche nachhaltiger aufstellen wollen. Das sind Kolleg*innen aus den Querschnittsbereichen Betriebsorganisation und Vertrieb und das sind natürlich die Nachhaltigkeitsbeauftragten.

Nachhaltigkeit hat das Potential jegliches Widerspruchsdenken zu überwinden: Profit und Umwelt werden nicht weiter als Gegensätze gelebt, Umweltaspekte werden eine immer stärkere Bedeutung bei allen wirtschaftlichen Aktivitäten haben – wenn nicht aus Überzeugung wird hier auch die Regulatorik „zuschlagen“. Gesetzgebungen wie die Transparenzverordnung oder die Taxonomie zwingen Unternehmen schon heute Umweltaspekte verstärkt zu berücksichtigen.

Jeder hat seinen Königsweg – Hauptsache starten und im Machen lernen

Die Kunst ist sich vom Thema Nachhaltigkeit – von seiner Mächtigkeit – nicht erschlagen zu lassen und es auch zu entmystifizieren: Was heißt Nachhaltigkeit für unsere Organisation? Wo können wir uns ökologisch, ökonomisch und sozial besser aufstellen? Was sind die wesentlichen Handlungsfelder? Verändert sich unser Kerngeschäft? Wo haben wir die größten Hebel? Bei unserem Gebäude? Im Einkauf? Unsere Lieferkette?

Ein guter erster Schritt ist, sich die richtigen Fragen zu stellen. Und aus einer Outside-In Perspektive zu beurteilen, ob das eigene Handeln für einen Dritten als glaubhaft empfunden wird.

Jeder kann Nachhaltigkeit und jeder kann das in seinem eigenen Verantwortungsbereich umsetzen – zumindest alle, die Wirtschaft zukunftsorientiert denken wollen.

Nachhaltigkeit zu leben heißt auch lebenslanges Lernen – der Dschungel lichtet sich

Die Vielzahl der Neuerungen bei den regulatorischen Vorgaben ist erschlagend. Wer kennt schon alle Nachhaltigkeitsziele der UN? Wer kennt die ganzen Abkürzungen? ESG, PRI, GRI usw. Wer kennt die Gesetzestexte der CSRD und Taxonomie, Initiativen und Vorhaben? Wer weiß, wann was gültig ist? Und ob das für das eigene Unternehmen greift? Der Dschungel ist dicht, lichtet sich aber, indem sich immer mehr Menschen in ihrem Alltag mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.

Genauso wie das Wissen zum Thema Digitalisierung in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wird es beim Thema Nachhaltigkeit sein. Wir lernen täglich dazu, wie wir uns nachhaltiger aufstellen können.

Zweiter Teil: Zukunftsfähiges Wirtschaften – Konzepte aus der Praxis

Nachhaltigkeit zu verstehen, ist essentiell für zukunftsfähiges Wirtschaften. Nachhaltigkeit praxistauglich zu verankern, erfordert aber einiges mehr: Fachwissen, Werkzeuge und vor allem Haltung.
Im Folgenden sollen das spezifische Nachhaltigkeitsverständnis von UNO INO und bewährte Konzepte für nachhaltige Transformation näher beleuchtet werden.

Verantwortung leben – Enkeltauglichkeit und Generationengerechtigkeit

Der deutsche “Rat für nachhaltige Entwicklung“ hat 2011 festgestellt, dass „zukunftsfähig Wirtschaften bedeutet, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen müssen.” – UNO INO wird getragen von diesem Gedanken der „Enkeltauglichkeit”.

Das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich bestätigt, dass die Verantwortung der aktuellen Generation von dieser wahrgenommen werden muss und nicht auf zukünftige Generationen abgeladen werden darf. – Wir von UNO INO sehen uns aus Überzeugung in der Verantwortung, generationengerecht zu handeln. Nachhaltigkeit wird als Haltungsprinzip verstanden und als Handlungsprinzip umgesetzt.

Gegensatzdenken auflösen – zukunftsfähig machen

UNO INO berät Unternehmen und Organisationen zu nachhaltiger Transformation aus der Überzeugung, dass Wirtschaften nur dann zukunftsfähig und langfristig erfolgreich sein kann, wenn es nachhaltig erfolgt.
Wichtiges Element der ganzheitlichen Beratung ist das Auflösen des Gegensatzdenkens, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sich ausschließen. Vielmehr wird Unternehmen demonstriert, dass nachhaltiges Handeln Mehrwert auf allen Ebenen schafft.
Dieser Mehrwert entsteht durch den Ausgleich der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie (Environment), Soziales (Social) und Ökonomie im Sinne von verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance).
Mehr noch: Nachhaltigkeit wird als Pluszeichen verstanden. Das bedeutet, dass auch zunächst gegensätzliche Themen wie Umweltschutz und Profit, Regulatorik und Purpose sowie Digitalisierung und Nachhaltigkeit innovativ verbunden und Unternehmen so zukunftsfähig gemacht werden.
Nachhaltigkeit wird dabei so verstanden, dass Dinge nicht zwingend neu gemacht werden müssen. Im Gegenteil, Nachhaltigkeit in der Praxis kann auch bedeuten, dass Sachen zukünftig weggelassen werden.

Frau sitzt in Baumgruppe und schaut nach oben

Nachhaltigkeit – Mehrwert für Unternehmen

Um den konkreten Mehrwert für ein Unternehmen zu verdeutlichen, möchten wir hier Beispiele aus der Praxis geben:
Vielen jungen Menschen sind Themen wie Nachhaltigkeit und Purpose mittlerweile sehr wichtig. Als nachhaltig agierendes Unternehmen bestehen daher gute Chancen, langfristig motivierte und engagierte Mitarbeiter zu finden. Beispielsweise tragen aber auch ein gesteigertes Wohlbefinden der Mitarbeiter durch verbesserte Arbeitsbedingungen oder faire Bezahlung zu einem guten Arbeitsklima und so zu mehr Zufriedenheit und Produktivität insgesamt bei.

Nachhaltigkeitsberichte schaffen Transparenz und somit mehr Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Partnern aber auch Mitarbeitern. Gleichzeitig bieten sie die Chance, Wachstumsmärkte für die Zukunft zu erkennen.
In finanzieller Hinsicht lohnt sich langfristig z. B. ein nachhaltiges Wasser- sowie Energiemanagement, da so Kosten erheblich gesenkt werden können.

Nachhaltigkeit – im Kern verankern

Der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hatte Unternehmen dazu aufgerufen, im Rahmen ihres Kerngeschäfts einen Beitrag zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zu leisten.
Wir von UNO INO gehen einen Schritt weiter und richten Unternehmen darauf aus, Nachhaltigkeit nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch in den Kernwerten zu verankern. Die Verankerung kann nur erfolgreich sein, wenn alle wichtigen Interessengruppen (zum Beispiel Management, Mitarbeiter) dauerhaft einbezogen werden.
Als praxisnahe Methoden bieten sich dafür beispielsweise die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie an. Kommunikation, die faktisch und verständlich gestaltet ist, schafft in diesem Zusammenhang Mehrwert für alle. Unsere Erfahrung zeigt, dass das Gefühl Transformation gemeinsam zu leben, ein Motor für Erfolg sein kann.
Die Handlungsfelder der ganzheitlichen Beratung umfassen insbesondere die Nachhaltigkeitsstrategie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, CO2-Klimamangement und
-Reduktion, nachhaltiges Personalmanagement, nachhaltige Unternehmenskultur sowie interne und externe Nachhaltigkeitskommunikation.

Leuchtturm-Motiv

Nachhaltigkeit schaffen – Mindset, Machen, Messen

UNO INO ist der Auffassung, dass nachhaltige und glaubhafte Transformation nur aus innerer Überzeugung entstehen kann. Daher wird im Rahmen der Beratung zunächst ein echtes Nachhaltigkeitsverständnis (Mindset) geschaffen. Danach geht es an die eigentliche Arbeit: Identifikation des Status Quo, Definition der Nachhaltigkeitsziele, Übersetzung der SDGs und Rollenklärung im Rahmen der Strategieentwicklung und anschließend die operative Umsetzung. Da Umsetzungsprozesse Lernprozesse sind, raten wir, Schritt für Schritt zu gehen und im Tun zu lernen und so zu wachsen. Begleitet wird dieser Prozess durch Messung und Evaluierung der Umsetzungserfolge. Oft ist ein Nachjustieren erforderlich. Nicht weil Fehler passiert sind, sondern weil Nachhaltigkeit ein dynamischer Prozess ist.

Nachhaltigkeit schreibt der Wirtschaft eine besondere Rolle zu. Daraus ergibt sich für jedes einzelne Unternehmen eine Verantwortung.
Durch nachhaltiges Wirtschaften erzeugen Unternehmen nicht nur Mehrwert für sich selbst, sondern schaffen auch die Basis für den Erhalt von Lebensgrundlagen und Wohlstand aller.

Nachhaltigkeit zu verstehen, ist daher essentiell.

Wir haben dies verstanden und stellen uns als Beratungsunternehmen der Herausforderung und beschreiten innovative Wege, um komplexe Theorien zur Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen und zukunftsfähiges Wirtschaften zu gestalten.

Nachhaltigkeit bedeutet Chance auf zukunftsfähiges Wirtschaften!
Für uns alle, für kommende Generationen!

Erster Teil: Eine Idee erfasst die Welt – Entwicklung und Bedeutung der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein vielbeschriebener und vieldiskutierter Begriff. Dennoch scheint nicht immer klar, was er eigentlich genau meint. Nicht selten wird seine Bedeutung für wirtschaftliches Handeln unzureichend bewertet.

Damit werden Chancen vertan: Chancen für zukunftsfähiges Wirtschaften, Chancen für uns alle und für kommende Generationen. Nachhaltigkeit zu verstehen, ist daher essentiell.

Nachhaltigkeit – der ursprüngliche Gedanke

Der ursprüngliche Nachhaltigkeitsgedanke wurde bereits 1713 durch den sächsischen Oberberghauptmann von Carlowitz in forstwirtschaftlichen Schriften formuliert. Eine drohende Rohstoffkrise warf für ihn die Frage auf, wie für den Bau von Silberminen dauerhaft ausreichend Holz zur Verfügung stehen kann. Sein Ansatz: Es darf nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung, Säen und Pflanzen nachwachsen kann.

Mit anderen Worten: Es ist nachhaltig, natürliche Grundlagen zu erhalten und so Wirtschaft voranzubringen und Wohlstand zu generieren.

Nachhaltigkeit – Verantwortung für kommende Generationen

1972 fordert Dennis Meadows in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ für den „Club of Rome“ ein „nachhaltigen Weltsystem, welches, in sich selbst aufrechterhaltbar („sustainable”) sein soll, um für künftige Generationen tragbar zu werden.”

Der Gedanke, dass Entwicklung generationsübergreifend erfolgen soll, wurde 1987 im Brundlandt-Report für die Vereinten Nationen bestätigt. Der Bericht enthält zudem eine richtungsweisende Definition von Nachhaltigkeit, welche in spätere internationale Abkommen übernommen wurde. Demnach ist Entwicklung nachhaltig, wenn sie „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Der Weltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro formulierte die Agenda 21 als globales Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung. Dies führte dazu, dass das Thema Nachhaltigkeit Eingang in politische und gesellschaftliche Diskurse fand.

Protestplakat One World

Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales und Ökonomie

Als Ergebnis dieses Diskurses bildete sich ein weites Spektrum an Ansätzen, welche das heutige Nachhaltigkeitsverständnis prägen.

Einen wichtigen integrierten Ansatz beschreibt das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit mit den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie als gleichberechtige Elemente.

Vereinfacht dargestellt geht es im Bereich Ökologie darum, die Umwelt und natürliche Ressourcen nicht übermässig zu belasten, sondern vielmehr zu schonen.

In sozialer Hinsicht stehen die Menschenwürde und freie Entfaltung des Menschen im Vordergrund.

Die ökologische Dimension stellt auf gutes Wirtschaften ab. Gewinnmaximierung soll nicht das einzige Ziel von Wirtschaft sein. Vielmehr sollen durch langfristige Strategien, die dem Menschen und der Umwelt dienen, langfristige Gewinne erwirtschaftet werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Faire Handel.

Das Drei-Säulen-Modell wurde 1994 von dem britischen Berater John Elkington für Unternehmen in Anlehnung an den Gedanken der Corporate Social Responsibility, also unternehmerische Verantwortung in sozialer und ökologischer Hinsicht, als „Triple Bottom Line“ spezifiziert.

Der englische Ausdruck „Bottom Line“ bezieht sich auf das Ergebnis unter dem Schlussstrich der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Nach Elkington’s Ansatz werden dort die ökologische und die soziale Dimension ergänzt.

Wenn Unternehmen diese Dimensionen in ihrem Kerngeschäft verankern, erbringen sie “unter dem Strich” öko-soziale Leistungen und tragen zu nachhaltiger Entwicklung bei.

Nachhaltigkeitsziele – die besondere Verantwortung der Wirtschaft

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) geben eine wichtige Orientierung zur Bewältigung der globalen Herausforderungen bis 2030.

Die Erde und die natürlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen sollen bewahrt werden. Generationsübergreifend sollen die Würde und Wohl der Menschen sichergestellt werden.

Die 17 Ziele und 169 Unterziele beinhalten ökologische, soziale und ökonomische Aspekte.

Sie richten sich an alle Nationen und alle Akteure.

Nicht-staatliche Akteure wie die Wirtschaft spielen eine besondere Rolle: Wirtschaft soll zu nachhaltigem Wirtschaften umgestaltet werden. Ziel 8 fordert zum Beispiel menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. In Ziel 12 wird auf nachhaltigen Konsum und Produktion abgestellt.

Nachhaltigkeit – Schutz der planetaren Grenzen und biologischer Vielfalt

2009 wurden durch verschiedene Wissenschaftler die sog. planetare Grenzen definiert. Diese bestimmen die Belastbarkeit der Erde. Dazu zählen zum Beispiel die Artenvielfalt, Klimawandel oder die Ozeanversauerung.

Werden diese Grenzen überschritten, besteht das Risiko irreversibler Schäden für die Umwelt und damit die Lebensgrundlagen des Menschen, insbesondere zukünftiger Generationen.

Biodiversität oder biologische Vielfalt bezieht sich, anders als oft angenommen, nicht allein auf Artenvielfalt. Biodiversität meint vielmehr auch genetische Vielfalt und die Vielfalt von Ökosystemen.

Ökosysteme sind Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie liefern beispielsweise Nahrungsmittel, Trinkwasser, Energie oder Baumaterialien. Sie sorgen für die Regulation des Klimas, bilden Böden und vieles mehr.

Werden Ökosysteme zerstört, verschwinden Nährstoffkreisläufe, also Lebensgrundlagen für alle Lebewesen und Pflanzen.

Das heutige Wirtschaften wird oft erst durch den Verbrauch natürlicher Ressourcen ermöglicht und ist mit dem Eingriff in Ökosysteme verbunden. Insofern spielen Unternehmen eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung von Biodiversität und der Sicherung planetarer Grenzen. Hier zeigt sich die Verzahnung von Ökologie, Sozialem und Ökonomie. Nachhaltiges Wirtschaften bringt diese Aspekte in Ausgleich.

Kreislaufwirtschaft – Natur als Vorbild für Nachhaltigkeit

Wie ein solcher Ausgleich gelingen kann, beschreibt die Kreislaufwirtschaft. Sie ist ein wichtiger Ansatz zur Umsetzung von Nachhaltigkeit.

Das heutige Wirtschaftssystem verfolgt einen linearen Ansatz und zielt auf „Nutzen und Wegwerfen“ ab. Produkte haben oft einen nur begrenzten Lebenszyklus.

Die Kreislaufwirtschaft hebt dieses lineare Denken auf. Sie orientiert sich an natürlichen Prozessen: Tote biologische Masse wird zersetzt und gelangt zurück in Nährstoffkreisläufe, so dass neues Leben entstehen kann. Die Natur kennt dabei keinen Abfall.

Übertragen auf wirtschaftliches Handeln bedeutet dies, dass der Lebenszyklus von Materialien und Produkten so weit wie möglich verlängert und so wenig Abfall wie möglich entsteht. Dies geschieht durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung oder auch Recycling.

Die historische Entwicklung und Ausformung des Begriffs der Nachhaltigkeit ist von signifikanter Bedeutung für zukunftsfähiges Wirtschaften.
Welche spezifischen Erfordernisse für die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedanken in der Praxis erforderlich sind, stellen wir im zweiten Blogbeitrag zu diesem Thema dar.