6. Oktober 2021

Die Bedeutung der SDGs für Unternehmen

Die Sustainable Development Goals (SDGs): Das klingt nach hochrangiger Politik und theoretischen Kontexten.

Dabei sind die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen alles andere als abstrakt. Sie bilden den konkreten Handlungsrahmen für eine nachhaltige Entwicklung.
Und zwar für uns alle.

Der Privatwirtschaft kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Unternehmen sind ausdrücklich aufgefordert, bei der Schaffung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsweisen kreativ und innovativ mitzuwirken.

Dies birgt Chancen und Risiken. Und ist komplex. Wer als Unternehmer zukunftsfähig sein will, wird sich diesen Herausforderungen stellen und sein unternehmerisches Handeln an den Vorgaben der SDGs ausrichten müssen.

People-Planet-Prosperity-Peace-Partnership: Kernbotschaften der SDGs

Die Präambel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung stellt fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien auf: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft (People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership – 5 Ps). Die 17 Nachhaltigkeitsziele ordnen sich in diese Kernbotschaften ein.

Die Kernbotschaft „People“ stellt die Würde des Menschen in den Mittelpunkt. Hunger und Armut sollen beseitigt werden. Es soll sichergestellt werden, dass sich alle Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Neigungen entwickeln können.
Armut bedeutet oft nicht nur Mangel an finanziellen Mitteln, sondern auch unzureichender Zugang zu notwendigen Ressourcen.
SDG 1 fordert, bis 2030 die extreme Armut weltweit zu beseitigen. Eine ausreichende Gesundheitsversorgung, die Gewährung von Landnutzungsrechten und Katastrophenvorsorge als Maßnahmen gegen wirtschaftliche Verluste, sind Wege zur Erreichung dieses Zieles.
SDG 2 zielt auf die Bereitstellung von gesunden und ausreichenden Nahrungsmitteln für alle ab. Wichtige Maßnahmen dabei sind die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln, die Stärkung von Kleinbauen und die Schaffung von Biodiversität von Nutzpflanzen- und tieren.
Inklusive, gleichberechtige und hochwertige Bildung sowie die Gleichstellung der Geschlechter sind weitere Forderungen der SDGs, die sich aus dem Bereich „People“ ableiten.

„Planet“ ist die zweite Kernbotschaft und meint insbesondere die nachhaltige Bewirtschaftung und Bewahrung natürlicher Ressourcen als Lebensgrundlage und die Begrenzung des Klimawandels, um auch künftigen Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen.
Erforderlich dafür ist eine nachhaltige Wasserwirtschaft, die beispielsweise Rückstände von Düngemitteln und Produktionsabwässern und Abfällen verhindert und so auch eine angemessene Sanitärversorgung und Hygiene für alle sicherstellt (SDG 6).
Unabdingbar sind zudem der Schutz von Küsten und Meeren (SDG 14) und die Bewahrung der biologische Viefalt (SDG 15).
SDG 12 stellt auf die Verantwortung von Unternehmen und Verbrauchern ab und fordert zum Beispiel nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, die Verringerung von Nahrungsmittelverschwendung sowie die Vermeidung von Abfall.

Die Kernbotschaft „Prosperity“ zielt auf ein Leben in Wohlstand für alle ab.
Bezahlbare und saubere Energie (SDG 7), eine nachhaltige Wirtschaft und menschenwürdige Arbeit mit gerechten Löhnen und sozialen Mindeststandards (SDG 8), umweltverträgliche Industrien und Infrastruktur (SDG 8) sowie nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 12) mit bezahlbarem Wohnraum, nachhaltigen Gebäuden und klimafreundlicher Mobilität sind wichtige Anforderungen, die sich aus dieser Kernbotschaft ergeben.

Die Kernbotschaft „Peace“ bezieht sich auf die Sicherstellung der Menschrechte und eine gute Regierungsführung. Daher fordert SDG 16 unter anderem friedliche, sichere und inklusive Gesellschaften, Demokratie und Partizipation, rechtsstaatliche Systeme und die Beendigung von Gewalt gegen Kinder.

Mit „Partnership“ spiegelt die letzte Kernbotschaft einen Grundgedanken der SDGs. Die Bewältigung der globalen Herausforderungen und die erfolgreiche Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele setzen nicht nur die Mitwirkung aller voraus. Notwendig ist zudem eine Zusammenarbeit aller Akteure auf partnerschaftlicher Basis.
In diesem Sinne fordert SDG 17 beispielsweise Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern, die Stabilisierung globaler Märkte, einen globalen Wissens- und Technologietransfer, Fairen Handel sowie die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für die Entwicklungsländer.

Von Stockholm nach New York: Die Entwicklung der SDGs

Bereits 1972 bekannten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in Stockholm erstmals zu einer Zusammenarbeit in Umwelt- und Naturschutzfragen. Danach folgten viele weitere Meilensteine wie beispielsweise der „Erdgipfel“ von Rio de Janeiro 1992 und die „Millenniums-Erklärung“ im Jahre 2000 in New York, um „nachhaltige Entwicklung“ als internationales Leitbild zu verankern.
Mit Auslaufen der „Millenniums-Entwicklungsziele“ (Millennium Development Goals – MDGs) im Jahre 2015, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 in New York die Agenda 2030 mit den SDGs als Kernstück verabschiedet.

Universalität und Unteilbarkeit: Prinzipien der SDGs

Die Nachhaltigkeitsziele bestehen aus 17 Zielen (goals) und 169 Unterzielen (targets), die bis 2030 von 142 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, welche die SDGs bisher ratifiziert haben, umgesetzt werden sollen.
Die Ziele berühren – anders als die MDGs – alle relevanten Aspekte der Nachhaltigkeit wie beispielsweise Wirtschaft, Landwirtschaft, Soziales, Umwelt, Finanzen, Gesundheit, Bildung und Verkehr.

Bei der Formulierung der SDGs wurden nicht nur die unvollendeten Aufgaben der MDGs sowie verschiedene Diskussionsergebnisse der Vereinten Nationen berücksichtigt. Vielmehr wurde über die Plattform „The World We Want 2015“ ein einmaliger, weltweiter, Beteiligungsprozess von Privatpersonen und nichtstaatlichen Organisationen ermöglicht.

Diese Partizipation spiegelt das Prinzip der Universalität der SDGs wider: Im Gegensatz zu den MDGs gelten die SDGs nicht nur für Entwicklungsländer, sondern für alle Staaten, also auch die Industrienationen.

Die primäre Verantwortung für die Umsetzung der Ziele liegt bei den Mitgliedstaaten und der Staatengemeinschaft als Ganzes. Allerdings richten sich die SDGs auch an die Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft als Akteuren der Umsetzung. Diese globale Partnerschaft verdeutlicht die gemeinsame Verantwortung für die Schaffung nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsweisen.

Die SDGs sind aufgrund ihrer Wechselwirkungen, die aus dem Verbund von Umwelt und Mensch resultieren, untrennbar miteinander verwoben und können daher nur als Gesamtheit betrachtet werden. Dieses Prinzip der Unteilbarkeit ist Ausdruck des heutigen Nachhaltigkeitsverständnisses, das im Sinne der drei Nachhaltigkeitsdimensionen ökonomische, soziale und ökologische Faktoren gleichwertig berücksichtigt. Die Nachhaltigkeitsdimensionen spiegeln sich in den SDGs wider.

Unternehmen als Akteure der SDGs: Herausforderungen meistern und gestalten

Die SDGs schreiben der Privatwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines inklusiven, nachhaltigen Wirtschaftswachstums zu. Im Unterziel 12.6 werden insbesondere große und transnationale Unternehmen ermutigt, nachhaltige Verfahren zu etablieren. Aber auch kleinere und mittlere Unternehmen sowie Genossenschaften sind durch die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 aufgefordert, „ihre Kreativität und Innovationsstärke zugunsten der Lösung der Herausforderungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einzusetzen.“

Nachhaltig und verantwortungsvoll agierende Unternehmen sind diesem Anspruch bisher durch die Anwendung des ESG-Ansatzes nachgekommen. Die Synthese der Achtung von Umwelt (Environment) und sozialen Werten (Social) sowie einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung (Governance) ist Ausdruck der drei Nachhaltigkeitsdimensionen für unternehmerische Tätigkeiten.
Mit Verabschiedung der SDGs ist dieser Ansatz keinesfalls obsolet geworden. Vielmehr sind die Nachhaltigkeitsdimensionen und damit auch der ESG-Ansatz den SDGs immanent.
Die einzelnen Zielvorgaben der SDGs enthalten regulatorische, ethische und operative Anforderungen an Unternehmen und bilden damit einen Handlungsrahmen, beinahe einen Fahrplan, an dem sich Unternehmen orientieren sollten.
Kernelement der nachhaltigen Transformation für Unternehmen ist daher die Verbindung der ESG-Dimensionen mit den Zielen der SDGs.
Da die SDGs universell für alle Branchen, Unternehmen, Regionen und Länder gelten, stellen sie einen globalen Leitfaden für nachhaltiges Wirtschaften dar.
Klar ist, dass die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen von der Beachtung und Umsetzung der SDGs abhängt. Zukunftsfähigkeit bedeutet also, Chancen und Risiken, die sich aus den Vorgaben der SDGs ergeben, zu kennen, in unternehmensspezifische Kontexte zu übersetzen, in einer Nachhaltigkeitsstrategie auf Basis der SDGs und des ESG-Ansatzes einzubinden und diese dann im Kerngeschäft und den Kernwerten eines Unternehmens zu verankern.

Eine Herausforderung dabei ist, dass die SDGs keinen Standard einführen, sondern „lediglich“ einen Rahmen schaffen, der keine konkreten Kenngrößen für das einzelne Unternehmen enthält.
Andererseits ergibt sich daraus auch die Chance für Unternehmen, einen individuellen Beitrag zur Schaffung von Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette zu bestimmen.
Voraussetzung dafür ist nicht, dass das unternehmerische Handeln globale Bezüge aufweist, so beispielsweise internationale Lieferketten umfasst. Vielmehr erzeugen auch kleine und mittlere Unternehmen mit lokalem Wirkungskreis eine SDGs-Relevanz.
Für eine gute Nachhaltigkeitsstrategie wird daher entscheidend sein, den Wirkungsort der unternehmerischen Tätigkeiten genau zu bestimmen und entsprechende Maßnahmen zu formulieren.
Dabei ist die Berücksichtigung des Prinzips der Unteilbarkeit der SDGs unabdingbar. Es müssen alle SDGs einbezogen werden. Jede andere Herangehensweise würde dem Nachhaltigkeitsverständnis der SDGs, welche die Nachhaltigkeitsdimensionen gleichwertig berücksichtigt, widersprechen. Finanzielle Aspekte oder unzureichende Kapazitäten stellen insofern kein Argument zum Ausschluss einzelner SDGs dar.
Die individuelle Verfügbarkeit von Ressourcen und Kapazitäten kann allerdings durch eine schrittweise Umsetzung der SDGs, also durch eine zeitliche Priorisierung, ausreichend berücksichtigt werden.

Ansatzpunkte für spezifische Umsetzungsmaßnahmen sind beispielsweise: umweltbewusste Material- und Verpackungsauswahl, Förderung von Kreislaufwirtschaft, Klimaneutralität an Standorten, energieeffiziente Gebäudestruktur, Etablierung einer Governance-Richtlinie, Sensibilisierung von Diversitätsthemen, Chancengleichheit bei Personaleinstellung, ganzheitliches Gesundheitsmanagement und Mitgliedschaften in nachhaltigen Verbänden und Initiativen. In den Lieferketten sind die Berücksichtigung von Biodiversitätsaspekten, schonende Wassernutzung und faire Löhne einige erste Ansätze.

Die SDGs geben nicht nur unternehmerischen Maßnahmen eine neue Qualität. Auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Die Mitgliedstaaten stehen in der Hauptverantwortung, den nationalen Umsetzungsstand der SDGs regelmässig zu berichten. Unternehmen werden als Umsetzungsakteure in SDG 12.6 ebenso ermutigt, Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Berichterstattung aufzunehmen.
Laut einer KPMG-Umfrage beziehen sich bereits rund 40% aller Nachhaltigkeitsberichte, die global erstellt werden, auf die SDGs. Es wird deutlich, dass der Trend hin zu mehr Transparenz geht.
Die globalen Richtlinien zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten der Global Reporting Initiative (GRI-Standards) sind einer der wichtigsten globalen Standards im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie werden bereits als Grundlage genutzt, um SDGs-basierte Berichte zu verfassen. Dabei werden die GRI-Standards auf die Zielvorgaben der SDGs abgebildet.

Die SDGs stellen die wichtigsten Eckpfeiler des internationalen Engagements zur Nachhaltigkeit dar. Viele Anstrengungen wurden bisher unternommen, um die Vision von Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen.
Dennoch zeigt beispielsweise der aktuelle Weltklimabericht wie dringend eine Trendwende hin zu mehr weltweiter Zusammenarbeit und Mobilisierung aller Akteure ist. Auch der Privatsektor ist aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und seine Geschäftstätigkeiten und Investitionsentscheidungen nachhaltig zu gestalten.

Die SDGs sind ein Leitfaden, ein Rahmen, ein Fahrplan.
Nachhaltigkeit schaffen und leben müssen wir selbst.
Als Mensch und als Unternehmer.

You know I know – UNO INO