6. Juli 2022

Kunden im Gespräch: Astrid Bayer

„Nachhaltigkeit braucht Haltung und Handlung.“

UNO INO im Gespräch mit Astrid Bayer, Konzern-Nachhaltigkeitsbeauftragte im Provinzial Konzern

UNO INO: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie – persönlich und beruflich? Und wie organisieren Sie Nachhaltigkeit bei der Provinzial?

Astrid Bayer: Nachhaltigkeit bedeutet für mich Zukunftsfähigkeit. Mir ist es sehr wichtig, alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Denn nur die gemeinsame Betrachtung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten sichert uns ein zukunftsfähiges Miteinander.

Die Provinzial übernimmt Verantwortung als Versicherer und als Arbeitgeber. Das ist Verantwortung für die Umwelt, die Regionen und die Gesellschaft.

Als Nachhaltigkeitsbeauftragte des Provinzial Konzerns habe ich das große Glück und die Chance, mich mit ganzer Energie sowohl hauptberuflich im Konzern der Provinzial als auch in übergeordneten Gremien und Verbänden um Nachhaltigkeit zu kümmern. Zusammen mit meinen Kolleg:innen im Nachhaltigkeitsteam bereiten wir strukturiert und systematisch alle Nachhaltigkeitsthemen für den Konzern, sowie die Konzerntöchter, auf. Die Umsetzung erfolgt dann in allen involvierten Bereichen.

UNO INO: Was sind die größten Chancen und Herausforderungen? Und worauf legt der Provinzial Konzern den Fokus in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Astrid Bayer: Um der Komplexität des Themas Nachhaltigkeit begegnen zu können, brauchen wir eine gute Strategie und eine funktionierende Nachhaltigkeitsorganisation. Nachhaltigkeit muss in die Prozesse und Arbeitsweisen integriert werden. Das ist Chance und Herausforderung zugleich.

Dazu haben wir bei der Provinzial eine Umsetzungsroadmap – unseren GREENPRINT entwickelt. Dabei liegt ein wesentlicher Fokus darauf, die Klimaerwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Doch auch soziale Aspekte, wie die Übernahme von Verantwortung für die Region und als Arbeitgeber sowie die kundenzentrierte Arbeit sind wichtige Prioritäten.

Im GREENPRINT haben wir Maßnahmen in sechs Handlungsfeldern (Kapitalanlage, Versicherungsprodukte, Kundenbegeisterung, Digitalisierung, Arbeitgeber-Attraktivität und Ressourcenschonung) für die Umsetzung festgeschrieben. Unter anderem:

• Umsetzung des Projekts „Wege zum klimaneutralen Unternehmen“ mit den Klimaschutzunternehmen e. V. und dem Fachbereich Umweltgerechte Produkte und Prozesse der Universität Kassel
• Weiterentwicklungen in der Kapitalanlage – u.a. Beschluss zum Beitritt zur „NZAOA“
• Einbezug des Vertriebes mit dem Pilotprojekt „Wege zur nachhaltigen Agentur“

Besonderen Wert legen wir bezüglich unserer Klimastrategie auf die Wirkungsanalyse. Dabei wird mit einem wissenschaftlichen Modell in verschiedenen Szenarien überprüft, wie gut unsere Maßnahmen auf die Begrenzung der Klimaerwärmung einzahlen.

UNO INO: Was wäre Ihr persönlicher Appell an Unternehmen, um den ersten Schritt in Richtung nachhaltiges Unternehmen zu wagen?

Astrid Bayer: Nachhaltigkeit braucht Haltung und Handlung. Das möchte ich genauso an die Unternehmen und an jeden weitergeben.

Es ist wichtig jetzt zu handeln, die Menschen nicht nur von dem Thema zu überzeugen, sondern sie auch von der Umsetzung zu begeistern. Wir müssen die Themen gemeinsam angehen, in der Forschung und Wissenschaft genauso wie in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Nachhaltigkeit birgt so viele Chancen für Unternehmen, dass ich alle nur ermutigen kann, zu starten.

Idealerweise passiert das mit einer Ausarbeitung der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie, die sich diese Fragen stellen sollte: Was ist unser Verständnis von Nachhaltigkeit? Was ist unser Ambitionsniveau? Was sind unsere Ziele? Was sind Maßnahmen? Hier kann man sehr schnell einstiegen und seinen eigenen Weg starten. Schließlich ist Nachhaltigkeit unternehmensindividuell und wirkt dann besonders gut, wenn die Strategie auf der Unternehmenskultur aufbaut.

Ein ebenso wichtiger Aspekt, der als Grundlage der Nachhaltigkeitsstrategie dient, ist die Transparenz über die eigenen CO2-Emissionen. Starten Sie mit der Messung Ihrer Emissionen und gehen von da aus weiter, setzen realistische Ziele und entwickeln umsetzbare Maßnahmen, um CO2-Produktion zu vermindern und zu vermeiden.

Ich bin davon überzeugt, dass wir durch unser Engagement für Nachhaltigkeit Wettbewerbsvorteile erzielen und uns bei unseren Kund:innen positiv positionieren.