Prof. Dr. phil. Susanne Blazejewski ist als Professorin am Lehrstuhl für nachhaltige Organisations- und Arbeitsplatzgestaltung am Fachbereich Wirtschaft der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem auf der Identitätsarbeit `grüner´ Mitarbeiter, nachhaltiger Organisationsentwicklung und den Ermöglichungsstrukturen für nachhaltiges Verhalten am Arbeitsplatz. UNO INO hat ihr 3 Fragen zum Thema Arbeitgeberattraktivität gestellt.

1. Was bedeutet Arbeitgeberattraktivität und wie können Unternehmen/Arbeitgeber:innen diese erreichen? 
 
Arbeitgeber sollten attraktiv sein für Bewerbende, aber auch für bestehende Mitarbeitende. Aus meiner Sicht liegt darin auch der Weg begründet, wie man Arbeitgeberattraktivität erreicht: Wenn man es schafft, dass Mitarbeitende gerne im Unternehmen bleiben, dann hat man auch gute Chancen, für neue Mitarbeitende attraktiv zu wirken. Nichts ist so wirksam wie authentische Botschaften der bestehenden Belegschaft. 

Und wie bindet man gute Mitarbeitende? Dafür gibt es mehrere Wege:

  • Den Mitarbeitenden ermöglichen, sich mit ihren (persönlichen, beruflichen) Interessen und Bedürfnissen im Unternehmen zu verorten – aktuell und in Zukunft
  • Ihnen klar aufzeigen, wie Organisationsinteressen und persönliche Ziele gemeinsam erreicht werden können
  • durch das Angebot einer sozialen Gemeinschaft dafür sorgen, dass sich die Mitarbeitenden persönlich gesehen und emotional aufgehoben fühlen  

Konkret bedeutet dies: Mitarbeitende wollen Aufgaben, die für sie relevant sind, in denen sie autonom gestalten können und die sie auch persönlich weiterbringen. Mitarbeitende, die sich für Klimaschutz engagieren, wollen außerdem Arbeitgeber, die das ebenfalls tun – glaubwürdig, konsequent und spürbar. Und Mitarbeitende wollen Beziehung erleben am Arbeitsplatz, ob digital oder in Präsenz. Das gilt generationenübergreifend aus meiner Sicht.


2. Wieso hat Nachhaltigkeit in Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert, wenn diese sich als attraktive Arbeitgeber:innen platzieren wollen?


Nach meiner persönlichen groben Schätzungen ist Nachhaltigkeit in der Arbeitgebermarke für 7% (Bio-Konsumenten) bis 14% (Nachhaltigkeitsorientierte) der Mitarbeitenden wichtig. Für alle anderen dürfte sie ein netter Nebenaspekt sein, berührt aber kaum ihre Kerninteressen – auch, wenn kürzlich in einer Umfrage von Stepstone 2/3 angegeben haben, dass Nachhaltigkeit für sie grundsätzlich wichtig wäre. Entscheidend ist es für die Jobwahl dann eben doch für viele nicht. Für diese Gruppe wird erst dann Nachhaltigkeit relevant, wenn die anderen wichtigen Interessen abgedeckt sind, wie Aufgabe, Bezahlung, Entwicklungsmöglichkeiten, Homeoffice, Work-Life-Balance und Zusatzleistungen. 

Für die Unternehmen, die eine sehr `grüne´ Arbeitgebermarke haben, gilt entsprechend, dass auch sie sich deutlich(er) erkennbar in den anderen Attraktivitätskomponenten sichtbar machen müssen. Die Zeiten, wo Öko-Unternehmen von Initiativbewerbungen nur so überschwemmt wurden, sind leider auch vorbei. 

Kurz gesagt bedeutet das: auch nachhaltig gut aufgestellte Unternehmen brauchen weitere attraktive Angebotsbereiche und Kernbegriffe, die sie ebenso intensiv pflegen und kommunizieren. 


3. Welchen Chancen und Herausforderungen stehen Unternehmen gegenüber, die als attraktive Arbeitgeber:innen bekannt werden möchten und welche Empfehlungen/Tipps hast du um diese zu überwinden?


Ich bin wahrlich kein Kommunikationsprofi, aber ich versuche mich mal an einer Einschätzung. Die zentrale Herausforderung ist aus meiner Sicht die Informationsüberflutung und die begrenzte Aufmerksamkeit von Menschen. Dazu kommt, dass gerade absolut alle Unternehmen versuchen, mit Nachhaltigkeitsbotschaften Mitarbeitende anzuziehen – ob authentisch oder ge-greenwashed. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen ist es da wirklich schwer durchzudringen. 

Aus meiner Sicht sind die eigenen Mitarbeitenden immer noch die 1A-Botschaftende des Unternehmens. Hat man zufriedene Mitarbeitende, sind diese oft auch bereit, davon zu erzählen – ob in der Familie, in den Nachbarsschulen oder in den Sozialen Medien. Gleichzeitig sind persönliche Testimonials in den Medien sehr wertvoll und anerkannt. Mein erster Rat ist also wieder, wirklich an der eigenen Attraktivität zu arbeiten. Das gilt vor allem auch gegenüber bestehenden Mitarbeitenden. Dann sollte systematisch darauf hingewirkt werden, dass diese auch Mittel und Wege kennen und nutzen wollen, um die Botschaft zu verbreiten. 

Für eine nachhaltigkeitsbezogene Arbeitgebermarke trägt das dazu bei, über alle Kanäle konsistente Signale zu senden. Solche Unternehmen haben ja Nachhaltigkeit nicht nur auf der Karrierewebseite, sondern die erkennt man auch an den Snacks zum Kaffee und an der Größe des Parkplatzes. Das ist, wo sich die Spreu vom Weizen trennen wird: wer meint Nachhaltigkeit ernst und kann das den künftigen Mitarbeitenden auch im Doing sicht- und erlebbar machen? Und wer hat es zwar auf der Webseite, serviert dann aber doch einzeln verpackte Milchportionen zum Kaffee? Kleinigkeiten, aber wirkmächtige Signale. Konsistenz ist hier sicher besonders wichtig – zwischen Tun und dem Reden darüber und über die Medien hinweg.